Reisekosten: Verband fürchtet Abhängigkeit der Lehrer

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
6238470.jpg
Die Probleme liegen auf der Hand: Manfred Egerding, Sprecher des Aachener Philologenverbandes hat berechnet, dass die Etats der Schulen für die Reisekosten der Lehrer niemals ausreichen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Diese Rechnung geht für Manfred Egerding nicht auf. Ja, das Land NRW hat die Reisekostenmittel für Klassen- und Studienfahrten an Schulen nach erster lauter Kritik bereits mehr als verdoppelt – von 6 auf 13,5 Millionen Euro. Wohlgemerkt für alle Schulen im Land, und das sind rund 6300.

Doch nein, Egerding, Sprecher des Aachener Philologenverbandes, ist überzeugt, dass auch diese Summe niemals ausreicht, um die Reisekosten der mitfahrenden Lehrer zu decken. Erst recht nicht im laufenden Schuljahr, für das sämtliche Klassen- und Stufenfahrten, Ski- und Abschlussstudienreisen längst gebucht sind.

Die Rechnung des Aachener Philologenverbandes ergibt, dass ein durchschnittliches Gymnasium über einen Reisekostenetat von 3500 bis 3700 Euro von Seiten des Landes verfügt. Auf der anderen Seite stehen tatsächliche Reisekosten von 9000 bis 11.000 Euro. Allein für eine Studienfahrt des Abschlussjahrgangs mit 130 bis 140 Schülern wären zehn Lehrer von Nöten. Für die muss für eine Woche Toskana oder Frankreich mit 300 Euro gerechnet werden. Es wäre also nur mit dieser einen Studienfahrt 3000 von 3500 beziehungsweise 3700 Euro weg. Und dann sind da auch noch Wandertage, Exkursionen, Projektwochen und nicht zuletzt Austauschprogramme, die aus diesem Etat bestritten werden müssten. „Und 300 Euro sind eher niedrig gerechnet“, sagt Egerding. „Das Ganze ist echt eine Katastrophe.“

An seiner Schule, er ist Lehrer am Inda-Gymnasium, würden dann noch 500 bis 700 Euro für die Lehrerreisekosten für die Fahrt der Klasse 7 nach Wangerooge und die Skireise der Klasse 9 nach Südtirol bleiben. Und das geht nicht auf. „Dabei gibt es am pädagogischen Wert dieser Fahrten keinen Zweifel“, sagt Egerding.

Gericht hat entschieden

Das Oberverwaltungsgericht in Düsseldorf hatte sehr deutlich Recht gesprochen: Lehrer müssten die Reisekosten erstattet bekommen. Dies erst hatte die Neufassung der sogenannten Wanderrichtlinie des Landes bedingt. Das Schulministerium ist sich der Auswirkungen durchaus bewusst. Die Schulen müssten sich mit dem Fahrtenprogramm neu befassen. Anzahl, Dauer und Kostenobergrenzen müssten geprüft werden. Jede Schule müsse sich Fragen, ob das aktuelle Angebot noch sinnvoll und finanzierbar sei. Und genau diese Fragens stellen sich die Schulen auch.

Doch die Kosten für das laufende Schuljahr sind da und bringen die Schulen und mehr noch die Lehrer in Bredouille, weiß Egerding. „Wenn nicht mal 50 Prozent der Reisekosten gedeckt sind, dann ist das ein Problem“, sagt er. Guter Rat ist teuer.

Letztlich gibt es nun drei Möglichkeiten – abgesehen von der Absage einer Fahrt. Die Schulen könnten mit den Reiseanbietern sogenannte Freiplätze für die Lehrer aushandeln. Doch warum sollten diese Reiseplätze verschenken? „Auch für die Anbieter müssen sich die Reisen rechnen, die Reisekosten der Lehrer würden in solchen Fällen doch auf die Schüler umgelegt. Das kann nicht sein“, erklärt Egerding. Die zweite Möglichkeit wäre, dass Lehrer freiwillig die Reisekosten selbst übernehmen, auch wenn die Rechtsprechung sagt, dass sie dies eben nicht müssen. „Bei Studienfahrten arbeiten die Kollegen im Grunde 24 Stunden am Tag und sollen nun dafür auch noch bezahlen? Das ist unerträglich!“, findet Egerding.

Dritte Möglichkeit wäre, dass die Reisekosten der Lehrer über sogenannte Drittmittel finanziert werden, beispielsweise durch einen Förderverein der Schule. Hier sieht Egerding eine ganz neue Gefahr. „Ich finde es abwegig, dass Eltern die Fahrten der Lehrer zahlen. So kommen die Kollegen in ein Abhängigkeitsverhältnis. Auch wenn es übertrieben klingt: Was ist, wenn Eltern dann vor einem Lehrer stehen und sagen, sie hätten 500 Euro für eine Studienfahrt beigesteuert und wollten nun eine bessere Note für den Sohn?“

Bislang war die Übernahme der Reisekosten durch Dritte ohnehin verboten, laut Lehrervertreter Egerding spreche man von einer Form der Bestechung. Doch genau dies sei nun ausdrücklich möglich. „Das ist doch eine willkürliche Auslegung der Gesetzeslage“, sagt Egerding verärgert. Der Verband werde dies dem Ministerium noch einmal deutlich machen. Doch er brauche Unterstützung. Egerding: „Auch die Eltern müssen bei diesem Thema ihre Unmut äußern und Klartext sprechen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert