Aachen - Reise durch die katholische Presselandschaft

Reise durch die katholische Presselandschaft

Von: mt
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Engagierter Zeitzeuge und Chronist: Ferdinand Oertel (links) blickt in seinem neuen Werk „Der Kirchenzeitungsmann” auf ein halbes Jahrhundert journalistischer Arbeit zurück. Bischof Heinrich Mussinghoff machte bei der Präsentation deutlich, dass der lokale Bezug in den kirchlichen Medien weiterhin hohe Priorität haben muss. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Immerhin 740.000 Exemplare Auflage bundesweit - die katholische Bistumspresse könnte eine Medienmacht darstellen. Doch 24 Bistümer geben ihre je eigene Zeitung heraus, manche in Kooperation mit anderen, aber sehr bezogen auf das eigene Umfeld. Das soll auch nach Meinung von Aachens Bischof Heinrich Mussinghoff so bleiben.

Bei der Vorstellung des Buches „Der Kirchenzeitungsmann - Erinnerungen aus 50 Journalistenjahren” von Ferdinand Oertel machte der Bischof deutlich, dass es auch künftig vor allem um diesen lokalen Bezug gehen solle.

So relativiert sich dann eine hohe Auflage, im Bistum Aachen liegt sie bei etwa 40000 Exemplaren. Oertel - von 1973 bis 1980 Chefredakteur der Aachener Kirchenzeitung, dann bis 1992 Chefredakteur der damals im Einhard-Verlag erscheinenden Elternzeitschrift „Leben & Erziehen” - hat die Entwicklung der Kirchenpresse in Deutschland nicht nur erlebt, sondern jahrzehntelang auch aktiv mit gestaltet.

Er hat alle Phasen des Verhältnisses zwischen Bistumspresse und Bischöfen miterlebt: vom „Lieblingskind” gleich nach dem Krieg mit einer Auflagenspitze von 2,4 Millionen Exemplaren bundesweit, über das „Stiefkind” in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bis in die Gegenwart, in der dieser konfessionelle Medienzweig zum „Sorgenkind” geworden ist. Neben auch hier schwindenden Anzeigen macht vor allem das hohe Durchschnittsalter der Leserschaft Sorge.

In seinen Erinnerungen verknüpft Oertel persönliche Eindrücke mit der Zeitgeschichte. Aus dem Jahrgang 1927 stammend, hat er den Aufbau seit Kriegsende mit wachen Augen verfolgt. Aufenthalte in Großbritannien und den USA rundeten sein Weltbild ab und erlaubten, gleichzeitig von innen und außen die Entwicklung der Bundesrepublik und deren Presselandschaft wahrzunehmen, später auch mit zu gestalten.

Wie Herausgeber Professor Michael Schmolke betonte, gelingt es Oertel, eine gutes Erinnerungsvermögen, gestützt auf ein offenbar gut sortiertes Archiv, mit Gewissenhaftigkeit zu paaren. Kritik habe er dezent formuliert, sie sei dennoch deutlich.

Das im LIT-Verlag (Münster) erschienene Werk lädt den Leser ein auf eine Reise durch die - vorwiegend katholische - Presselandschaft der Bundesrepublik und wartet mit bislang nicht veröffentlichten Dokumenten und Zeugnissen auf.

Eine anregende Lektüre, an deren Ende der Eindruck bleibt, dass die Bischöfe mit der Gründung des Instituts zur Förderung des publizistischen Nachwuchses (ifp) und der Mediendienstleistungsgesellschaft (MDG) Volltreffer gelungen sind, deren Wirken im Hintergrund nicht nur der Kirchenpresse, sondern der Gesellschaft und ihrer Publizistik insgesamt zugute kommt.
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