Aachen - Reinhold Würths Mission: „Bretter von den Köpfen reißen”

Reinhold Würths Mission: „Bretter von den Köpfen reißen”

Von: Berthold Strauch
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Aachen. Für 60 Studenten der RWTH und der Fachhochschule Aachen gab es am Mittwochabend eine Vorlesung der ganz besonderen Art. Einer, der es geschafft hat, aus kleinen, bescheidenen Verhältnissen einen sehr erfolgreichen Weltkonzern mit derzeit 58.000 Mitarbeitern zu formen, stand im „Quellenhof” im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Reinhold Würth. Der Business-Club Aachen-Maastricht ehrte die 74-jährige Persönlichkeit mit dem „Unternehmerpreis 2009”.

Dass die Übergabe leicht verspätet erfolgte, lag daran, dass der Laudator und der zu Ehrende terminlich nur schwer unter einen Hut zu bekommen waren. Denn immerhin war es der ehemalige Bundespräsident Professor Dr. Roman Herzog, der die Verdienste Würths ins rechte Licht rückte.

Und Herzog fühlte sich „geehrt”: Denn bei einer Laudatio sei es fast die Regel, „ganz gehörig lügen zu müssen” - was bei Würth „nicht der Fall” sei.

Der aus Baden-Württemberg stammende Würth hat nicht nur sein Schraubenhandelsunternehmen zum internationalen Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik entwickelt, sondern sein Know-how auch an junge Leute weitergegeben. Von 1999 bis 2003 stand er als Professor am Interfakultativen Institut für Entrepreneurship an der Universität Karlsruhe im Hörsaal, gab also angehenden Existenzgründern wertvolle Tipps für ihre spätere Karriere.

Und so hörten die Aachener Studenten dem „Selfmade-Man”, als den ihn Herzog würdigte, sicher aufmerksam zu. Denn aus manchem von ihnen könnte Ähnliches werden. Bei dem wissenschaftlichen Nachwuchs handelt es sich um Stipendiaten des nordrhein-westfälischen Bildungsfonds, die aufgrund ihrer guten Studienleistungen finanziell vom Land und von Unternehmen der Region gefördert werden.

„Wer wagt, gewinnt!”, rief ihnen Prof. h.c. Reinhard Würth zu. Denn „auch heute noch sind wunderbare Karrieren möglich”. Es bedürfe sicherlich „harter Arbeit, um ein Unternehmen ans Laufen zu bringen”. Doch wer dies in Kauf nehme, für den sei „der Erfolg fast garantiert”.

Dann ließ der Gast etwas tiefer blicken. „Ich komme von ganz unten.” Schon als Elfjähriger habe er im Schraubenladen seines Vaters Adolf mitgeholfen. Und als er nach dessen frühem Tod mit 19 Jahren das Geschäft übernahm, habe er stets aufs Sparen geachtet, so der heutige Multimilliardär: „Ich habe den Motor abgestellt, wenn der Wagen bergab rollte, um Benzin zu sparen.” Und auf seinen Verkaufstouren habe er „Butterbrote mitgenommen, um das Restaurant zu sparen. Ich weiß, was Sparen heißt”, bekräftigte Würth.

Zum Weltmarktführer habe er es „nicht in erster Linie durch unsere Produkte gebracht, sondern weil wir uns im strategischen Wettbewerb Vorteile erarbeitet haben”, speziell dank der besonderen Aufmerksamkeit für die „Führungskultur” im Unternehmen.

„Vibrierende Neugier”

„Vibrierende Neugier”, sei etwa das Jahresmotto für 2009 gewesen. Und nach Umsatzeinbrüchen im letzten Krisenjahr laute nun die Maxime: „Zurück zum Wachstum.” Würth: „Wir sind immer noch im Zustand der Jugendlichkeit und des Experimentierens” - trotz eines durchschnittlichen jährlichen Wachstums von 23 Prozent seit 1954, als er das Unternehmen übernommen habe. „In Deutschland haben wir 4,5 Prozent Marktanteil. wir können noch 95,5 Prozent holen”, schmunzelte er.

Nachdem sich Würth 1994 aus der Unternehmensleitung zurückgezogen hatte, sei es seitdem seine Aufgabe, „Bretter von den Köpfen zu reißen”. In Aachen hat er mit seiner engagierten Rede ein Stück dazu beizutragen, dies auch bei seinen Zuhörern zu schaffen.



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