Regierung lässt Campusbahn links liegen

Von: Robert Esser
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Für eine Verknüpfung der Cam
Für eine Verknüpfung der Campusbahn - etwa am Elisenbrunnen - mit Ladestationen für Busse, Elektroautos etc. fehlt Geld. Illustration: Tema AG

Aachen. Ein schmerzhafter Rückschlag, aber sicher kein Knockout für die Campusbahn: So lautet mehrheitlich der Tenor aus Politik und Verwaltung, nachdem die Bundesregierung entschieden hat, Aachen beim Förderprogramm „Schaufenster Elektromobilität” links liegen zu lassen.

Damit ist ein zweistelliger Millionenbetrag, mit dem die Stadt unter anderem die elektromobile Vernetzung der Campusbahn mit Ladestationen für E-Autos und Pedelecs finanzieren wollte, verloren. Bis zu 180 Millionen Euro fließen stattdessen in die Heimat der Automobilriesen Mercedes, BMW und Volkswagen nach Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen sowie nach Berlin/Brandenburg. Das Quartett setzte sich - auf Empfehlung einer 13-köpfigen Jury aus Wissenschaftlern und Fachverbänden - unter 23 Bewerbern durch.

Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in Aachen zeigten sich Planungsdezernentin Gisela Nacken und Aseag-Vorstand Michael Carmincke am Mittwoch zwar enttäuscht von dem Negativ-Bescheid. Beide betonten aber unmissverständlich, dass dies keinerlei Auswirkungen auf die Realisierungschancen der Campusbahn habe. „Die ,Schaufenster-Förderung war im Finanzierungsplan der Campusbahn nie einkalkuliert”, stellte Nacken klar. Die geplante erste Trasse über zwölf Kilometer vom Universitätsklinikum über die RWTH-Campus-Areale durch die Innenstadt bis nach Brand und ein neuer Betriebshof für die Hightech-Tram sollen 170 Millionen Euro kosten. 85 bis 90 Prozent davon müsste der Bund via „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz” zuschießen. Die Entscheidung darüber fällt laut Nacken Ende dieses Jahres. Keine Förderung ist hingegen beim Kauf von bis zu 25 Schienenfahrzeugen für 54 bis 67,5 Millionen Euro in Sicht. Und auch die Folgekosten von vier bis 6,5 Millionen Euro pro Jahr müsste die Stadt alleine stemmen. Dann könnte die Campusbahn 2019 durch die Kaiserstadt rollen.

Trotzdem fehlt der entgangene Millionen-Gewinn jetzt bei diversen Projekten, die eine mögliche Campus-Bahn flankieren. Carmincke erläuterte, dass deswegen ein geplanter Testbetrieb von Elektrobussen mit „Batterie-Wechselstation” in Kooperation mit der RWTH erstmal auf Eis gelegt werde. „Dafür fehlt das Geld”, sagte er. Und auch die Förderung von Elektromobilflotten - etwa als Dienstwagen für Unternehmen - muss laut Nacken warten. Derzeit sind etwa 150 E-Autos in Aachen unterwegs; die Berliner Millionen hätten eine imposante Aufstockung ermöglicht. Man werde jetzt andere Fördertöpfe suchen und womöglich mit speziellen Kleinprojekten, als sogenannter „Leuchtturm”, doch noch - quasi durch die Hintertür - ins „Schaufenster Elektromobilität” rutschen.

Darauf hofft auch CDU-Fraktionschef Harald Baal. „Es ist schade, dass Berlin hier nur reine Automobilprojekte und nicht ein innovatives ÖPNV-Vorhaben berücksichtigt hat.” Das Projekt Campusbahn beeinträchtige das aber nicht. Das sieht Ulla Griepentrog von den Grünen genauso: „Das ist trotzdem eine traurige Nachricht, die vielleicht auch mit der NRW-Landtagswahl zu tun hat”, sagte sie. „Womöglich will die schwarz-gelbe Bundesregierung derzeit einfach keine grünen Projekte unterstützen”, mutmaßte Griepentrog. SPD-Verkehrsexperte Michael Servos bedauerte, dass die Campusbahn nun ihren „intermodularen Ansatz” verliere - und damit Synergie-Effekte Richtung E-Bikes und E-Autos. Aber auch Servos ist überzeugt, dass diese erste Förder-Absage „für die Realisierung der Campusbahn unproblematisch” ist. Jürgen Drewes, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer, setzt ebenfalls weiter auf die Schiene. Er kritisierte die Jury: „NRW wäre hervorragend geeignet als Lackmus-Test für Elektromobilität. Diese Chance hat man in Berlin vertan.”

Nur die FDP zieht ganz andere Schlüsse: „Offenbar beurteilen unabhängige Gremien die Campusbahn nicht so rosarot, wie viele gerne Glauben machen möchten”, sagte FDP-Ratsherr Peter Blum. „Jetzt fehlen große Bausteine in der Finanzierung. Alle weiteren Planungen müssen sofort gestoppt werden, um nicht noch mehr Geld zu verschwenden”, forderte er. Die Stadt habe jetzt schon hunderttausende Euro in das Projekt gesteckt.
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