Regen spült die Winterromantik weg

Von: Thorsten Karbach
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Winteridylle: Vielerorts sorgt der Schnee für romantische Impressionen. Doch in Kornelimünster oder im Itertal (kleines Bild) soll der Wasserspiegel der Inde durch Schneeschmelze und Dauerregen in den nächsten Tagen ansteigen. Stadt und Feuerwehr sind darauf vorbereitet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Ein paar Enten schwimmen gemächlich auf den Wogen der Inde. Eiszapfen tropfen in das Flussbett, Schnee ummantelt die Abhänge. Es liegt eine ordentliche Portion kitschiger Winterromantik im historischen Ortskern von Kornelimünster.

Noch, denn das Bild wird sich rasch ändern. Unheil liegt buchstäblich in der Luft - denn in der Aachener Wetterwarte verkündet man eine feuchte Woche. Es werde reichlich regnen, kündigt Jürgen Laufer vom Deutschen Wetterdienst an. Und die Temperaturen klettern bis zum Wochenende auf 10 Grad plus. „Es gibt Tauwetter”, erklärt Laufer, und das ist mit dem einsetzenden Regen für alle, die an größeren Gewässern leben, eine unheilvolle Kombination.

Kaum einen halben Meter ist die 54,1 Kilometer lange Inde aktuell hoch. Kritisch wird es erst bei 1,70 Metern. Prognosen sind kaum möglich. Zuletzt erlebte Kornelimünster 2007 ein heftiges Hochwasser. Doch damals war es eine Septembernacht mit massivem Platzregen - ohne Schneeschmelze. Binnen 24 Stunden prasselten 55,8 Liter pro Quadratmeter im Aachener Süden nieder, und damit fast so viel wie sonst im ganzen Monat (59,2 Liter).

Diesmal wird es länger regnen, gewiss nicht derart stark, aber wie stark, ist noch nicht vorherzusehen. 15 bis 20 Liter pro Quadratmeter könnten es laut Prognose zeitweise werden. Und ein heftiger Wind (80 Stundenkilometer und mehr) wird wehen, stürmische Aussichten gibt es für Aachen. Eine Unwetterwarnung hat die Zentrale des Wetterdienstes aus Essen bereits herausgegeben. „Es wird bis Sonntag mehr oder weniger durchregnen”, sagt Laufer. „Es wird eben typisches Aachener Winterwetter”. Die weiße Pracht der letzten Wochen ist dann tatsächlich Schnee von gestern.

Und genau das ist die große Unsicherheit. Die Wiesen rund um die sonst so beschauliche Iter sind dick verhüllt. Bestimmt einen halben Meter ist die Schneedecke hoch. Viel Wasser also, das die kleine Iter - Pegelstand aktuell vielleicht 40 Zentimeter - fassen muss und dann an die Inde weitergibt. Bei der Stadt Aachen wird zwar nicht von einer besonderen Gefahrenlage ausgegangen, die Stadt füllt auch nicht wie Stolberg oder Eschweiler haufenweise Sandsäcke. Den Pegelstand der Inde habe man aber im Auge, erklärt Rita Klösges vom städtischen Presseamt. So auch die Stawag die Kanäle.

Es werden aber keine Probleme erwartet. Bei der Aachener Feuerwehr erklärt Lagedienstführer Frank Thelen wiederum, der Regen bereite ihm keine Sorgen. Die Kombination mit der Schneeschmelze werde man aber im Auge haben müssen. Auf Hallen und Dächern, die noch nicht geräumt wurden, droht eine massive Gewichtszunahme. „Dabei hatten die Eigentümer lange genug Zeit, solche Dächer zu räumen”, sagt er. Seine Leute seien auf solche und alle anderen Situationen aber vorbereitet. Auf die Inde hat die Feuerwehr in solchen Tagen ohnehin immer ein Auge. „Kornelimünster ist eben immer ein kritischer Fall.” In der dortigen Feuerwache sind deswegen stets zwei Paletten mit Sandsäcken gelagert.

Die Häuser am Korneliusmarkt wurden um 1700 übrigens mit Hochwassertreppen gebaut. Eine Markierung am ehemaligen Bürgermeisteramt (Korneliusmarkt 3), in dem heute eine Bank firmiert, zeigt einen Rekordpegelstand von einem Meter über dem Marktpflaster. Sie datiert vom 27. Februar 1906. Anschließend wurde ein Wehr erneuert und fast hundert Jahre später auch die Mauer am Indeufer erhöht. 2007 hat dies Schlimmeres verhindert. Keller liefen dennoch voll.
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