Rechtsmediziner kann dem Gericht nicht weiterhelfen

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Auch Rechtsmediziner Thomas Kamphausen (Köln) konnte nicht mehr Klarheit in einen widersprüchlichen Fall vor dem Aachener Schwurgericht bringen. Hier ist ein 37-jähriger Aachener türkischer Herkunft wegen versuchten Totschlags an einem Landsmann angeklagt.

Weil er sich Geld geliehen hatte und es nicht zurückzahlen konnte oder wollte, soll sich der Angeklagte Ali G. am 17. März 2013 morgens auf sein Opfer (56) gestürzt und ihm einen Stich in die Herzgegend beigebracht haben.

Das Opfer soll ein sogenannter Zinswucherer aus dem Ostviertel sein, der jene abwertende Bezeichnung allerdings im Zeugenstand massiv bestritt und angab, er habe einem Landsmann, der auch noch aus dem selben Dorf stamme, einen Gefallen tun wollen. Der Angeklagte beschrieb vor dem Schwurgericht (Vorsitz Richterin Hildegard Tag) die Sache völlig konträr. So habe er gar nicht selber Geld geliehen, sondern sei als Bürge für einen Freund aufgetreten. Der Geldverleiher habe die Summe zurückerhalten wollen und ihn deswegen bedroht.

Im Gerangel verletzt

Da sei er nach einem Telefonat morgens zu der Wohnung des Mannes in der Hüttenstraße gegangen – und dort von diesem mit einem Messer in der Hand empfangen worden. Bei dem anschließenden Gerangel um die Waffe habe er, der jetzige Angeklagte, Abwehrverletzungen an der Hand davongetragen. Das Gleiche gilt auch für das mutmaßliche Opfer, das allerdings zudem einen etwa drei bis vier Zentimeter tiefen Messerstich in die Brust davontrug – daher die Anklage wegen versuchten Totschlags.

Die Hoffnung des Gerichts, man könne nach den Schnittverletzungen in der Hand des Opfers und dem Stichkanal in der Brust, den Tatverlauf rekonstruieren, erfüllte sich nicht. „Nach dem Verletzungsbild sind beide Versionen möglich“, stellte der Rechtsmediziner eindeutig fest. Die Verletzung in der Brust sei zwar in der Herzgegend, habe aber nicht den Brustkorb eröffnet. Somit habe auch nach allen Unterlagen der Notärzte des Klinikums keine Lebensgefahr nach der Tat bestanden. Aus Angst vor Vergeltung, so der Angeklagte, habe er sich damals in die Türkei abgesetzt. Bei seinem dortigen Polizeiverhör schilderte er dasselbe Geschehen, ein Urteil wird am 10. August erwartet.

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