Rechte Gewalt: Zwei Opfer wehren sich vor Gericht

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. Die äußeren Verletzungen mögen bestenfalls schnell verheilt sein. Die Angst vor den Tätern bleibt - gerade im Zusammenhang mit Schlägereien, die von Neonazis angezettelt werden.

Am Donnerstag aber haben zwei junge Männer öffentlich geschildert, wie sie Opfer offensichtlich rechtsradikal motivierter Gewalt wurden.

Drei junge Angeklagte, 18 beziehungsweise 19 Jahre alt, mussten sich vor dem Aachener Jugendgericht wegen des Vorwurfs der Körperverletzung und der Volksverhetzung verantworten. Im Zentrum der ersten Verhandlungsrunde stand dabei die Frage nach der Rolle eines 19-Jährigen bei gleich drei handfesten Auseinandersetzungen.

Der Mann ist als gewaltbereiter rechter Rädelsführer kein Unbekannter, wie er selbst auf Nachfrage der Richterin bestätigte: „Eigentlich wollte ich mit den rechten Sachen aufhören”, sagte er. Bei der Bundeswehr habe er sich verpflichten wollen, sei dort aber wegen seiner politischen Aktivitäten entlassen worden.

Dann schilderte ein 24-jähriger Tontechniker, wie er in der Nacht auf den 6. Dezember 2009 in einer Diskothek in der City zunächst verbal mit dem Angeklagten aneinander geraten sei. Der zechte dort mit einer Handvoll junger Männer. Auf den T-Shirts der Gruppe prangte der Schriftzug der rechtsextremen „Kameradschaft Aachener Land” sowie eine eindeutige Parole gegen das Verbot von NS-Parolen und -Symbolen (Paragraph 86a). Nachdem er den 19-Jährigen darauf angesprochen habe, habe der ihm auf der Toilette einen Fausthieb ins Gesicht versetzt. Das Opfer rief den Chef des Lokals zu Hilfe. Der dunkelhäutige Mann sagte aus, er habe versucht, den Streit zu schlichten, sei aber mit rassistischen Beleidigungen provoziert worden. Es kam zu Rangeleien, eine Tür wurde beschädigt. Der 24-Jährige musste sich wegen einer Platzwunde an der Lippe und eines beschädigten Zahns ins Klinikums begeben. Der Angeklagte schilderte die Geschehnisse indessen ganz anders. Vielmehr sei er selbst geschubst worden, habe sich lediglich zur Wehr gesetzt.

Ohne längere „Vorrede” soll derselbe Mann derweil am Fettdonnerstag dieses Jahres auf dem Markt einen 18-Jährigen aus Brand attackiert haben. „Er fragte mich, ob ich eine linke Zecke sei. Als ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen, schlug er mir ins Gesicht”, berichtete das Opfer. Kurz darauf wurde der Angeklagte von der Polizei gestellt. Vor Gericht behauptete er, er könne sich nicht erinnern, sei sehr betrunken gewesen. „Sollte es so gewesen sein, täte es mir Leid.” Die Beamten hatten hingegen zu Protokoll gegeben, der Mann habe einen völlig klaren Eindruck gemacht.

Nach eigenem Bekunden erheblich von Alkohol umnebelt waren indessen alle drei Angeklagten bei einer Schlägerei, die sich im November 2008 bei einer Vorabi-Feier im Anne-Frank-Gymnasium zutrug. Dort sei die Freundin des notorischen Unruhestifters „angemacht” worden. Vor der Tür hagelte es nicht nur Schläge, auch NS-Parolen wurden gegrölt. Inwieweit die drei Angeklagten sich aktiv beteiligten, blieb indes unklar - alle stritten das mit Nachdruck ab, stellten sich als Opfer dar. Auch ein Lehrer konnte im Zeugenstand wenig Licht ins Dunkel der Ereignisse bringen.

Gegen einen der Männer wurde das Verfahren schließlich unter Auflagen eingestellt - auch weil er nicht einschlägig vorbelastet war. Gegen die beiden anderen wird der Prozess am 26. Juli sowie am 12. August fortgesetzt.
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