Aachen - Recht aufs Rad: Klingelnd durch die City

CHIO Freisteller

Recht aufs Rad: Klingelnd durch die City

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
8231523.jpg
„Wir behindern nicht den Verkehr, sondern sind Verkehr!“: 50 Fahrradfahrer nahmen an der dritten Critical-Mass-Aktion in Aachen teil und machten in der Stadt auf die Rechte von Fahrradfahrern aufmerksam. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Freitagabend am Elisenbrunnen: Vor der Rotunde schlendern Passanten eisschleckend und Einkaufstüten tragend entlang oder warten auf ihren Bus. Unter die Passanten mischen sich auch immer mehr Radfahrer, fragende Blicke, kurzes Nachfragen, ein Nicken. Die Radfahrer sind gewissermaßen verabredet, zu einer „urbanen Fahrradtour“.

Critical Mass heißt diese und hat ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten. 1992 radelten zum ersten Mal in San Francisco Menschen durch die Stadt, um darauf aufmerksam zu machen, dass auch Radfahrer Teil des Straßenverkehrs sind.

Durch den Druck der Straße fordern sie so mehr Rechte ein oder machen darauf aufmerksam, ob der öffentliche Raum nicht auch anders genutzt werden könnte. Die Aktionen haben keinen Verantwortlichen und keine zentrale Organisation. Die sozialen Netzwerke dienen der Verbreitung von Terminen für die nächste Aktion. Bereits Mitte der 1990er Jahre kam die Bewegung auch auf deutschen Straßen an. In Städten wie Hamburg, Köln oder Berlin brachte sie schon hunderte von Menschen auf die Straße.

„Man geht im Verkehr unter“

In Aachen ist „Critical Mass“ noch jung. Zum dritten Mal findet die Tour an diesem Freitag statt. Markus Geisner ist Student an der RWTH und ist zum zweiten Mal dabei. Für ihn ist das ein ganz besonderer Moment, „wenn die Gruppe geschlossen losfährt und du dich als Teil dieser Gruppe mitbewegst.“ Zum ersten Mal dabei ist Burkhard Schild. Er hat aus der Zeitung von der Aktion erfahren. Auf seinen Touren durch die Stadt fallen ihm immer wieder Mängel ins Auge: desolate Straßen, tieflegende Gullideckel, Spurrillen, viel zu kleine Radwege. „Man geht als Radfahrer im Straßenverkehr unter“, findet er.

Punkt 18 Uhr schwingen sich die Radler in den Sattel. Zunächst geht es Richtung Theaterplatz, zwei Runden absolvieren die Teilnehmer um den Platz, um dann Richtung Europaplatz weiterzufahren. Zu der dritten Critical-Mass-Aktion haben sich rund 50 Teilnehmer eingefunden – ein sichtbarer Beleg dafür, dass die Bewegung hier noch in den Kinderschuhen steckt. Klingelnd machen die Radler auf sich aufmerksam, in geschlossener Formation fahren sie – auch über rote Ampeln. Laut Straßenverkehrsordnung gilt eine Gruppe ab 15 Radfahrern als Verbund, ähnlich wie ein Sattelzug. Dann hat er zügig die Ampeln zu passieren, auch wenn diese zwischenzeitlich umspringen.

Die Radfahrer ernten neugierige Blicke der Passanten, einige Radfahrer schließen sich unterwegs spontan an. So wie Stephan Hettenberg. Er ist in Aachen auch viel als Inline-Skater unterwegs und kennt die Problematik, sich als nichtmotorisierter Verkehrsteilnehmer fortzubewegen. „Auf unbefestigten Straßen müssen wir uns ja auf der linken Seite bewegen, damit wir vom Autoverkehr wahrgenommen werden. Das gibt oft Gehupe, weil den meisten Autofahrern das nicht klar ist“, erzählt er.

Für Radfahrer habe sich in den vergangenen Jahren in Aachener Straßenverkehr viel getan, findet er. Auf der Strecke verläuft alles ohne Zwischenfälle, auch wenn die Radler bei den motorisierten Verkehrsteilnehmern nicht überall auf Verständnis stoßen. Hupen, waghalsige Überholmanöver kommen vor. „Es gibt einen Radweg“, macht sich gar eine empörte Autofahrerin Luft, die kurzfristig im Pulk steckenbleibt. Die Innenstadttour endet, wo sie begonnen hat, am Elisenbrunnen. Die Teilnehmer sind zufrieden. „Es hätten aber mehr sein können“, ist an verschiedenen Ecken zu hören.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert