Razzia im Ostviertel ein Schlag ins Wasser

Von: Oliver Schmetz und Stefan Herrmann
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Ziemlich einsam am Elsassplatz: Polizeidirektor Christian Außem, Einsatzleiter der Aachener Polizei, hat fast eine komplette Einsatzhundertschaft zur Verfügung, aber just an diesem Abend bleibt die kriminelle Szene im Ostviertel lieber im Dunkeln. Foto: Michael Jaspers
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Einsame Elsassstraße: Die Polizei kommt zur Razzia – aber fast niemand ist da. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist kurz vor 18 Uhr am Dienstag, als sich der erhoffte Schlag gegen die Kriminalität im Aachener Ostviertel als Schlag ins Wasser entpuppt – und das nicht nur, weil gerade der Himmel seine Schleusen geöffnet hat und es wie aus Eimern schüttet. Straßenkontrollen erübrigen sich bei dem Wetter von selbst, aber auch vorher, vor dem Regenguss, ist auf Elsassplatz und Elsassstraße wenig bis gar nichts los.

Eigentlich will die Polizei hier zum Großeinsatz antreten und Licht ins Dunkel der kriminellen Szene bringen, deren Auswüchse viele Anwohner immer wieder beklagen. Zumal nach den jüngsten Vorfällen, als Jugendliche auf dem Elsassplatz und in der Schleswigstraße einen Polizisten jagten und mit dem Tode bedrohten. Deshalb steht nun die Aachener Einsatzhundertschaft nahezu vollzählig in den Startblöcken. Doch was fehlt, ist die besagte Szene. Weil kaum jemand da ist, den man kontrollieren könnte, wird die Razzia im Ostviertel kurzerhand abgeblasen.

Am vergangenen Donnerstag gegen 19 Uhr waren die Kräfte an selber Stelle ganz anders verteilt. Nachdem der Polizeibeamte, der eigentlich einen per Haftbefehl gesuchten Straftäter festnehmen wollte, mit knapper Not einer zehn- bis 15-köpfigen Straßengang entkommen war, hatte er Verstärkung gerufen. Doch die dann immerhin 15 Polizeibeamten sahen sich einer bis zu 60-köpfigen, aggressiven Gruppe gegenüber – und räumten das Feld.

Die Aachener Polizei bezeichnete dieses Vorgehen später als besonnen und deeskalierend und kündigte verschärfte Maßnahmen an. Viele Bürger quittierten das Zurückweichen der Ordnungsmacht in den vergangenen Tagen hingegen mit Unverständnis. Und nicht wenige fragten sich, warum die Polizei nicht schon einige Stunden nach der empörenden Polizistenjagd im Ostviertel mit nennenswerter Verstärkung zurückgeschlagen hat.

Ziemlich genau fünf Tage später steht Polizeidirektor Christian Außem ziemlich einsam auf dem Elsassplatz und hat dafür eine entwaffnend ehrliche Erklärung: „Wir hatten nicht genug Personal.“ Und es sei immer eine Frage der Verhältnismäßigkeit, ob man dann tatsächlich eine Einsatzhundertschaft in Köln alarmiere. An diesem Abend hat der Einsatzleiter der Razzia, die dann doch keine Razzia wird, genügend Personal. Man will Straßenkontrollen vornehmen, und man will in die Läden, Kneipen, Cafés und Wettbüros hineingehen, um sich ein Bild von der Situation zu machen. „Wir wollen das Dunkelfeld im Ostviertel aufhellen“, sagt Christian Außem. „Wir wollen wissen: Wer sind diese 50, 60 Leute?“

Doch an diesem Abend ziehen diese es vor, lieber im Dunkelfeld zu bleiben, wozu auch ein wenig beigetragen haben mag, dass der WDR schon von der Razzia berichtet, als diese noch gar nicht begonnen hat. Aber auch vorher weiß der Einsatzleiter bereits, dass nicht viel los ist. Beamte in Zivil haben die Lage gepeilt. Und in dem einzigen Lokal, in das die Polizei dann mit zwei uniformierten Beamten hineingeht, finden sich auch keine nennenswerten Erkenntnisse.

So steht Polizeidirektor Christian Außem am Ende auf dem Elsassplatz, plaudert mit einigen Jugendlichen, die das Ganze ziemlich belustigt, und hat keinerlei Fakten, die er den – zuvor eingeladenen Medien – als Fazit verkünden könnte. „Wir wissen, dass der mit Haftbefehl gesuchte 20-Jährige im Ostviertel lebt“, sagt er mit Blick auf den Mann, dessen versuchte Festnahme am vergangenen Donnerstag die Tumulte ausgelöst hat. Und er verspricht: „Wir werden ihn in den nächsten Tagen fassen.“ Denn die Polizei will wiederkommen und ihre Maßnahmen „in den nächsten Tagen und Wochen verstärken“, wie Außem sagt. Auch wenn er sich „fast sicher“ ist, „dass wir die Kriminalität im Ostviertel nicht ganz beseitigen können. Das ist das wahre Leben.“

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