Razzia am Tivoli und bei der Stadt Aachen

Von: Christoph Pauli und Stephan Mohne
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Die Staatsanwaltschaft Köln hat am Donnerstag Räume am Tivoli durchsucht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Fahnder kamen gegen 9 Uhr mit einem Durchsuchungsbefehl. Sie steuerten den Aachener Tivoli und diverse Ämter im Aachener Rathaus an. Am fernen Tegernsee wurde das Domizil von Frithjof Kraemer ebenfalls unter die Lupe genommen. Beantragt hatte dies die Kölner Staatsanwaltschaft, die spezialisiert ist auf Wirtschaftskriminalität.

Dort läuft seit Monaten ein Ermittlungsverfahren gegen den Ex-Geschäftsführer der Alemannia wegen Betrugsverdachts. Das Verfahren wurde ausgelöst durch eine Strafanzeige der Stadt Aachen, die sich im Verfahren zur Umfinanzierung der Stadionkredite vom 40-Jährigen getäuscht fühlte. Nach der umfangreichen Berichterstattung ermittelt die Behörde zudem wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung. Einen Anfangsverdacht gibt es auch gegen den Ex-Sportdirektor Erik Meijer und seinen Nachfolger Uwe Scherr, teilte Behördensprecher Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer Donnerstagabend mit. Auch gegen die beiden werde wegen der genannten Delikte ermittelt. „Man hat aber davon abgesehen, ihre privaten Wohnräume aufzusuchen.“

17 Umzugskartons mit Akten

Sichergestellt wurde am Tivoli umfangreiches „Beweismaterial“, wie Bremer bestätigte. Die drei Beamten stapelten am Tivoli Aktenordner in 17 Umzugskartons, sicherten E-Mail-Konten, nahmen einen PC mit. Die Fahnder besaßen auch einen Durchsuchungsbeschluss für die städtischen Büros. Die Stadt wird allerdings nicht beschuldigt, wie deren Sprecher Hans Poth unterstrich. Die Staatsanwaltschaft interessierte sich für nicht-öffentliche Dokumente. Besuch bekam unter anderem Stadtkämmerin Annekathrin Grehling, die seitens der Stadt federführend mit den Vorgängen im vergangenen Jahr beschäftigt war. Auch bei ihr wurden Akten mitgenommen und E-Mails gesichtet. Außerdem wurden die Ermittler beim Rechtsamt und in der Beteiligungsverwaltung vorstellig, die für die Geschäftsführung der zwecks Umschuldung gegründeten städtischen Stadiongesellschaft zuständig ist.

Die Durchsuchungen finden fast ein halbes Jahr, nachdem die Anzeigen erstattet wurden, statt. „Das ist bei Wirtschaftsverfahren nichts Ungewöhnliches“, sagt Bremer. Die Akten wurden zudem erst Anfang des Jahres von der Aachener Staatsanwaltschaft an die Kölner Spezialisten abgegeben.

Nicht nur die Stadt Aachen fühlt sich von Kraemer getäuscht, auch der DFB hatte schon auf Kraemers Zahlenkolonnen im Lizenzierungsverfahren reagiert. Der Verband zog dem Klub wegen Kraemers „Fahrlässigkeit“ zwei Punkte ab. Im aktuell laufenden Verfahren vor der Kammer für Handelssachen am Landgericht, hatte der Vorsitzende Richter Wolfgang Bender schon ironisch im Zusammenhang mit der Lizenzbeantragung von einem „Meisterstück“ Kraemers gesprochen. Am Landgericht Aachen klagt Kraemer derzeit auf Wiedereinstellung. Dem Geschäftsführer war am 31. Oktober fristlos gekündigt worden.

Der Verdacht der Insolvenzverschleppung wird auch durch Alemannias Sachwalter Rolf-Dieter Mönning verstärkt. Im besagten Verfahren wurde bereits berichtet, dass der Verein beziehungsweise seine Gesellschaft „Anfang 2012“ zahlungsunfähig gewesen sei – weit vor der Umschuldung und der Lizenzerteilung für die 3. Liga. Mönning will Freitag seinen Abschlussbericht beim Insolvenzgericht abgeben. Die Kölner Oberstaatsanwaltschaft wird die Schlussfolgerungen aufmerksam lesen. „Es ist üblich, dass solche Unterlagen von der Staatsanwaltschaft beigezogen werden“, sagt Bremer.

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