„Ray Collins‘ Hot Club“ kehren beim September Special in die „Heimat“ zurück

Von: Stephan Mohne
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Eine feste Größe in der weltweiten Rock‘n‘Roll-Szene: „Ray Collins‘ Hot Club“ wurde in Aachen gegründet, am Donnerstag gibt es – wie im Frühjahr auf Burg Wilhelmstein – ein seltenes „Heimspiel“. Sonst trifft man sie eher in Las Vegas, Paris, New York, Berlin... Foto: Wolfgang Sevenich

Aachen. Am Samstag standen sie um 1.30 Uhr morgens in Quintana Martin Galíndez auf der Bühne, einem 370-Einwohner-Örtchen in Nordspanien. Sonntag landete der Flieger in Düsseldorf und am Montag stand Thomas Gier wieder als Koch in der Küche des Papst-Johannes-Stifts. So ist das bei den meisten, die „Ray Collins‘ Hot Club“ angehören.

Moskau, Bremen, Berlin, Paris sind einige der kommenden Stationen der neunköpfigen Kombo. Davor waren es schon Las Vegas, Los Angeles, New York, um nur Beispiele zu nennen. Und am Donnerstag werden die Instrumente auf dem Aachener Markt ausgepackt, wenn die Band ab 20.15 Uhr den „Opener“ des September Special gibt. Dann sind sie zurück in der „Heimat“, was selten vorkommt.

Im Kern wurde der Hot Club vor 13 Jahren in Aachen aus der Taufe gehoben, live war er hier kein halbes Dutzend Mal zu sehen. Was eigentlich nicht verwundert: „In der Szene sind wir eine fette Nummer“, sagt Thomas Gier – als Schlagzeuger firmiert er unter „Tommy Greed“. Klingt nicht gerade bescheiden, muss es auch nicht. Die Band gehört bei eingefleischten Rock‘n‘Roll-Fans tatsächlich weltweit zu den angesagtesten Gigs. Man spielt bei Festivals mit Little Richard, Wanda Jackson, Chris Spedding „und wie sie alle heißen“. Solo-Auftritte werden regelmäßig von Fans überrannt. Dazu gibt es solche Konzerte wie jüngst das „Blind Date“ auf Burg Wilhelmstein, die auch für die erfahrenen Musiker eine „Wundertüte“ sind. „Da kommt ein ganz anderes Publikum, und es war spannend zu beobachten, wie sich die Stimmungslage im Laufe des Abends entwickelt“, erzählt Gier. Am Ende stand auch dort: Begeisterung.

Doppelleben

Rein ins Flugzeug, rauf auf die Bühne, zurück ins Flugzeug, ab zur Arbeit – so sieht nicht nur der Wochenkalender von Thomas Gier aus. Vielmehr führen die meisten Bandmitglieder ein Doppelleben – eben jenes als Rock‘n‘Roll-Star und jenes als berufstätiger „Normalbürger“. Die Gagen sind gut, sagt der Schlagzeuger. Die sechs CDs verkaufen sich international auch gut. Aber reich werde man damit nicht. Daran ändert auch die Tatsache, dass sie zum Til-Schweiger-Film „Barfuß“ den Titelsong beisteuerten und in einem Oskar- Roehler-Streifen „Lulu und Jimi“ musikalisch wie filmisch vertreten waren, nichts. „Das Niveau ist hoch, aber wir könnten noch viel mehr“, so Gier. Nur: Dafür fehle die Zeit. Beruf, Familie, da ist es ohnehin schon problematisch, alle Neun unter einen Hut zu bekommen. Zumal die Musiker mittlerweile in alle Winde zerstreut sind. Thomas Gier ist der einzige, der noch in Aachen wohnt. Die anderen leben in Köln, Datteln, Bottrop, Neuss, Dachau und Berlin. Proben? Fehlanzeige. Zwar habe man seit einem halben Jahr einen Proberaum in Köln, wo man bisher aber nur ein Mal zusammenkam. Die Stücke werden im Studio arrangiert und eingespielt, dann müssen sie sitzen. Kaum zu glauben, dass auf solch eine Art ein riesiges Repertoire zusammenkommen kann. Ist aber so.

Die Musik? „Alles vor Elvis“, beschreibt es Thomas Gier – Jive, Swing, Soul, vor allem Rhythm‘n‘Blues. Und ein Stück Comedy sei dabei. Die Herren stehen in schicken Anzügen auf der Bühne, doch davon solle man sich nicht täuschen lassen: „Rau, primitiv, einfach, rotzig“, müsse es sein. Die Fans besagter Szene lieben die Band dafür. Gier: „Beim ersten Ton drehen die völlig durch.“ Dazu kommt der Style: „Die Frauen sehen aus, als wären sie den 40er-, 50er-Jahren entsprungen – außer, dass sie bis zum Hals tätowiert sind. Vorgefahren wird in Ami-Straßenkreuzern.“ Autogrammstunden dauern schon mal deutlich mehr als eine Stunde.

Am Anfang eine „Kumpelkiste“

Dabei fing damals alles in Aachen als „Kumpelkiste“ an. Andreas „Doc Puky“ Reitz, Andreas „Kolle“ Kollenbroich und Thomas Gier rockten zuvor schon als „Pyromanix“ durch Europa, spielten teils auch in anderen Formationen wie den „Flaming All Stars“ zusammen. Schließlich wurde „Ray Collins‘ Hot Club“ aus der Taufe gehoben, wobei der Name ein reines Fantasieprodukt ist und mit dem Musiker Ray Collins (Frank Zappa, Mothers of Invention) nichts zu tun hat. Kopf der Truppe ist Andreas Kollenbroich, der die Stücke schreibt und arrangiert – und zum Beispiel auch für das „Booking“ zuständig ist. Nach der Gründung ging es für den Hot Club ziemlich schnell über Stadt-, Landes- und Bundesgrenzen hinweg in aller Herren Länder. Und jetzt kommt es zum seltenen Heimspiel. Thomas Gier freut sich darauf, „als Sohn der Stadt mal vor dem Rathaus spielen zu können“. Viele Bekannte hätten schon gefragt, wann der Hot Club endlich mal in Aachen aufschlägt. Donnerstag ist es soweit. Am Freitag könnte es dann tatsächlich einmal eine der seltenen Proben in Köln geben, bevor es Samstag mit dem Flieger nach Lyon, Sonntag zurück und Montag wieder zur Arbeit geht. So verrückt ist Rock‘n‘Roll.

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