Aachen - Ratten, Gestank und viele offene Fragen

Ratten, Gestank und viele offene Fragen

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
Fiese Trümmerlandschaft statt
Fiese Trümmerlandschaft statt feiner Shoppingadresse: Der Bürgerinitiative gegen die Kaiserplatzgalerie reicht es endgültig. Sie fordert, das Projekt nun endgültig zu beerdigen und neue Planungen Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Dieser Trümmerhaufen erinnert mich an das zerbombte Aachen im Zweiten Weltkrieg. Das ich das heute nach so langer Zeit noch erleben muss”, hat eine 96-jährige Aachenerin der Bürgerinitiative „Kaiserplatzgalerie? - Nein danke!” bei ihren samstäglichen Vorort-Treffen mitgeteilt.

Die Bürgerinitiative, seit drei Jahren gegen die Planungen des Projektes aktiv, ist erbost. Es gebe Ungereimtheiten und Ungewissheiten, nur Klartext werde nicht geredet. Dabei hätten die Bürgerinnen und Bürger ein Anrecht, „auf viele offene Fragen ehrliche Antworten zu bekommen”.

Gegenüber der AZ sagte Horst Schnitzler als Sprecher der Bürgerinitiative am Mittwochabend: „Morgen flattert OB Marcel Philipp ein offener Brief auf den Schreibtisch, wir erwarten endlich auch von ihm Transparenz. Die Politik hält sich leider sehr bedeckt.” Der „Trümmerhaufen” am Kaiserplatz biete nicht nur einen trostlosen Anblick, er sorge auch für reichlich Ärger. „Es stinkt penetrant, Ratten laufen den Leuten über die Füße, das sind unhaltbare Zustände, da fühlen sich die Bürgerinnen und Bürger schlichtweg veräppelt.” Die Baustelle sei nicht gesichert, einladend für Metalldiebe und für Vandalismus.

Die permanente Rede von einem neuen Investor bewege sich bislang allenfalls im Bereich der Gerüchte. „Wir wollen nun endlich Butter bei de Fische haben”, fordert auch Norbert Kuntz.

Das Areal sei ein Filetstück, es werde aber schlicht vernichtet. Es befinde sich in bester Stadtlage, ergo biete es sich ideal für eine Wohnbebauung an. Für junge Familien zum Beispiel, die Wohnraum benötigen. „Man soll uns doch ehrlich sagen: Das mit der Galerie ist schiefgegangen”, fügt Michael Penners von der Bürgerinitiative hinzu. Er jedenfalls rät, keine „Zwischenlösung” zu suchen, vielmehr heute noch den „Hebel sofort umzulegen und nicht mehr länger abzuwarten”.

„Wohnen, Shoppen, Relaxen”

In dem offenen Brief wird eine Neuplanung gefordert: „Wohnen, Shoppen und Relaxen am Adalbertsgarten!” Die Schaffung eines ruhigen Parks im Innenbereich, mehr Aufenthaltsqualität, die Fläche zeitnah einer öffentlichen Nutzung zuzuführen. Ideen zu einer Zwischennutzung könne man in Leipzig und Berlin erfahren.

Horst Schnitzler sagt, starr an alten Fehlern festzuhalten, sei gewiss keine Alternative: „Kaiserplatzgalerie” sei gestern, morgen müsse anders gebaut werden.

Anfang November hat der bekannte Künstler Albert Sous (Eigentümer des Hauses Adalbertsberg 29) zum gleichen Anliegen dem OB geschrieben. „Ich wende mich persönlich an Sie, friedlich aber eindringlich, bevor ich weitere Demonstrationen von Wutbürgern unterstütze.” Er sei über den „Schildbürgerstreich” bestens informiert und sehr wütend. Gegen den Willen der Bürger sei die Galerie geplant worden, „obwohl bei Vertragsabschluss kein Hauptinvestor unterschrieben hatte”. Sous weiter: „Somit ist dieser unsägliche Vertrag ungültig”, schreibt Sous eindeutig. Ihm hat der OB am 9. November kurz geantwortet. Darin gibt er seiner Überzeugung Ausdruck, dass die Kaiserplatzgalerie kommen werde.

Das mit den Ratten und dem Gestank hat übrigens bereits Folgen nach sich gezogen: Ein Kaufhaus an der unteren Adalbertstraße hat seinen Eingang dorthin dauerhaft verschlossen und öffnet nur noch den zweiten Zugang, der an der Stiftstraße liegt.
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