Aachen - Rat soll Stadtbahn noch 2010 absegnen

Rat soll Stadtbahn noch 2010 absegnen

Von: Robert Esser
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Favorisierte Lösung für Aachen: Die Campusbahn - hier eine Fotomontage - könnte frühestens ab dem Jahr 2018 über den Hirschgraben fahren.

Aachen. Der Traum, dass Stadtverwaltung, Politik und RWTH in Sachen Campusbahn an einem Strang ziehen, hat sich in Luft aufgelöst.

Während CDU, SPD, Grüne und Linke den Empfehlungen von Gutachtern und Lenkungsausschuss folgen und deshalb am Mittwoch demonstrativ gemeinsam für eine „schienengeführte Straßen-/Stadtbahn” zur Erschließung des Campus Melaten mit weitreichenden Anschlussmöglichkeiten warben, blieb die FDP außen vor.

Man werde sich dem Votum nicht anschließen, teilte FDP-Fraktionschef Wilhelm Helg mit. Er verlangte, auch das alternative Modell einer „3-Seil-Umlaufbahn” als abgeschottete Insellösung für das Campusgelände zu verfolgen und zusätzlich prüfen zu lassen, ob vielleicht ein Bussystem dank innovativer Antriebe die bessere Lösung sei. Begründet wurde dies mit angeblich günstigeren Investitionskosten und Förderchancen. „Auch der Geschäftsführer der Campus GmbH, Prof. Günther Schuh, ist der Ansicht, dass mehrere Möglichkeiten offen gehalten werden müssen”, teilte die FDP mit.

Die Mehrheit der Lokalpolitiker und Verkehrsexperten beurteilt dies aber völlig anders. Deswegen wird der Mobilitätsausschuss am 28. Januar das Schienenkonzept befürworten. 75,6 Millionen Euro müssten für einen ersten Stadtbahnabschnitt zwischen Campus Melaten und Super C investiert werden. 80 Prozent könnten vom Bund, 20 Prozent aus dem Stadtsäckel fließen, erklärte der Fraktionssprecher der Grünen, Michael Rau.

Die Erweiterung bis zum Busbahnhof würde weitere 12 Millionen kosten, ein Anschluss bis Rothe Erde und Brand wäre möglich. „Wir müssen jetzt Weichen stellen, um das Campus-Projekt nicht zu verzögern”, betonte CDU-Fraktionschef Harald Baal. Er stellte klar, dass eine Förderung - und damit die Realisierung - nur bei einem Verkehrskonzept möglich sei, das mit Euregiobahn und Busnetz der Aseag verflochten werde.

Im Februar zelebriert die RWTH auf dem Campus den ersten Spatenstich, 2011 folgen sichtbare Bauarbeiten. Die Stadtbahn könnte im Herbst 2010 per Ratsbeschluss auf den Weg gebracht werden - und frühestens 2018 durch Aachen rollen. Bis dahin soll (auf der Campus-Strecke) ein neues Buskonzept der Aseag aushelfen.

Es geht insgesamt um den Transport von 900 Passagieren pro Stunde. Die Seilbahn würde zwischen Klinikum und Super C mit einer Geschwindigkeit von 10,7 Stundenkilometern dahergondeln und bis zu 26 Minuten brauchen. Die Stadtbahn wäre dreimal schneller. Ihre jährlichen Betriebskosten beziffern die Planer auf knapp 4,7 Millionen Euro. Eine Seilbahn wäre ab 49 Millionen Euro Investitionskosten und „nur” 2,3 Millionen Euro Betriebskosten pro Jahr zu haben. Der „Pro-Platz-Kilometer” kostet danach nur vier statt acht Cent.

Trotzdem plädiert Planungsdezernentin Gisela Nacken für die Schiene: „Wir müssen zur Bewilligung von Fördergeldern beweisen, dass unser Konzept ein Quantensprung für Aachens Mobilität ist - und Erweiterungschancen hat.” Dies sei weder bei einem Monorail-System auf riesigen Pylonen quer durch die City noch bei einer Seilbahn möglich. Das heißt: Aus der Traum für die Insellösung.
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