„Raststätte“ bietet eine Kultur-Plattform für das Unbekannte

Von: Svenja Pesch
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Abseits des Mainstreams: Die Studentin Nina Leßenich liest in der „Raststätte“ bei der Hochschulradio-Veranstaltung „Wenn sie kein Brot haben, dann sollen sie doch Kuchen essen.“ Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Was veranlasst Menschen dazu, in einer durch und durch wirtschaftlich denkenden Gesellschaft, in der so ziemlich alles in „gewinnbringend“ und „nicht brauchbar“ unterteilt wird, ohne finanzielles Interesse Künstler zu unterstützen? Mehr noch: Völlig unbekannten Künstlern eine Plattform zwecks Präsentation ihrer Fähigkeiten zu geben?

Ist es purer Idealismus? Andrea Nickisch, Gerhard Horriar und Waltraud Nießen haben darauf eine kurze und klare Antwort: Sie wollen die Subkultur und die freie Szene in Aachen fördern. Denn die, so das verantwortliche Trio der „Raststätte“ in der Lothringer Straße, brauche Platz zur kreativen Entfaltung.

Immer hohes Niveau

Und dafür ist die Raststätte seit der Gründung vor gut 18 Jahren bekannt. Für den Mut, Dinge zu wagen, deren Ende ungewiss ist. „Natürlich kommt es auch schon mal vor, dass hier Künstler auftreten, die völlig unbekannt sind und ein Bühnenprogramm präsentieren, was letztlich komplett nach hinten losgeht“, so Nickisch. Während sie spricht, schaut sie auf die improvisierte Bühne. Ein Sessel und ein Mikrofon – das ist alles, was es zur „brotlosen Kunst bei Kaffee und Kuchen“ braucht. Unter dem Motto „Wenn sie kein Brot haben, dann sollten sie doch Kuchen essen“ präsentiert das Aachener Hochschulradio einen Nachmittag lang Kultur in all ihren Formen. Autoren tragen ihre Texte vor, die Künstler Peter Schreiber und Lukas Moll untermalen den literarischen Exkurs mit ihren Zeichnungen und in den Pausen gibt es für die Ohren Musik vom Hochschulradio.

Kulinarisch wartet auf die Besucher ein Kuchenbuffet und frischer Kaffee, damit die geistige Betätigung mit einer leiblichen Kräftigung gestützt wird. Die fünf Autoren nehmen die Zuhörer mit auf eine Reise nur aus Worten. So auch Nina Leßenich: Die Studentin liest bereits das zweite Mal ihre Texte vor, in denen es um Gefühle und die Angst vor solchen geht. In dem kleinen Raum herrscht Stille. Auch ein Phänomen der Raststätte. „Die Leute wissen, dass wir hier eigentlich immer ein relativ hohes Niveau haben, weshalb die Aufmerksamkeit auch ganz auf die Künstler gerichtet ist“, ergänzt Nickisch.

Acht ehrenamtliche Mitarbeiter

Waltraud Nießen, erste Vorsitzende des Vereins, kann sich dem nur anschließen und betont: „Viele , die hier aufgetreten sind, haben nachher einen immer größer werdenden Bekanntheitsgrad erlang, da war ihr Auftritt hier der Beginn für eine Karriere.“

Insgesamt acht Mitarbeiter sind ehrenamtlich tätig in der Raststätte, die eine kleine Förderung von der Stadt erhält, mit der die Festkosten so gerade gedeckt werden können. Die Eintrittsgelder gehen nämlich zu hundert Prozent an die Künstler, erklärt Nießen.

Dass das Konzept der Raststätte so viele Besucher anlockt, liegt wahrscheinlich genau in der Gabe, die freie und unbekannte Szene zu fördern und ihr eine Plattform zu bieten sowie dem Gespür für das, was gut ist und was die Leute anspricht. Vom traditionellen Poetry-Slam über Lesungen bis hin zu Ausstellungen ist alles dabei, was vielleicht nicht ganz so bekannt, dafür aber umso interessanter und mutiger ist. Bislang gibt es kaum andere Lokalitäten, die sich trauen, dem Unbekannten eine Chance zu geben. Und das, obwohl die Raststätte beweist, dass es sich lohnt, die freie Szene zu unterstützen.

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