Rastlos auf der Jagd nach dem „Bonbon”

Von: Robert Flader
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Gut beschirmt in den Einkaufstrubel: Am letzten Samstag vor Weihnachten herrschte in den Fußgängerzonen Hochbetrieb. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Die Suchenden strömen in Scharen Richtung Stadt, und das ist noch untertrieben. Der Rubel rollt wie nie zuvor im Jahr, Zeit zum Durchatmen gibt es kaum. Die Parkhäuser sind bereits am frühen Vormittag „ausverkauft”, Verkehrskadetten weisen den Pkw-Piloten den Weg.

Ilona Schlesinger ist zufrieden. Man muss ja gewisse Kompromisse eingehen, am Wochenende vor dem Fest. Ruhe, Frieden und Besinnlichkeit? „Erst am 24. gegen 14 Uhr”, erklärt die Leiterin einer Parfümerie in der Innenstadt.

Kurz vor dem Fest herrscht Ausnahmezustand , die halbe Stadt willoffensichtlich auf den sprichwörtlich letzten Drücker noch etwas für die Liebsten finden. „Viele, die so spät kommen, holen Gutscheine, um ja nichts falsch zu machen”, weiß Ilona Schlesinger. Sie sagt auch, dass der letzte Samstag vor dem Fest gut und gerne das Dreifache eines normalen Wochenend-Umsatzes einbringt.

„Und da haben wir natürlich auch alles am Start, was arbeiten kann.” Doppelte Belegschaft, von morgens bis abends. Beratung, Kasse, Verpackservice. „Wir müssen alle Bereiche abdecken.” Damit die Kunden zufrieden und möglichst stressfrei wieder nach Hause gehen - erst Recht nicht mit leeren Händen.

Von stressfrei kann bei Heike Bartsch eher nicht die Rede sein. Von leeren Händen ganz zu schweigen. „Ich werde von Weihnachten überrollt”, sagt sie und lächelt leicht gequält. Bei zwei Töchtern und einem Patenkind, die alle kurz vor Weihnachten Geburtstag haben, dazu Präsente für Ehemann und Schwiegereltern heißt es: durchhalten und einen kühlen Kopf bewahren.

Draußen, bei herrlichem Sonnenschein und eisigen Temperaturen tobt die Menge, mehrere 10000 Menschen, immer auf der Jagd nach dem besonderen „Bonbon”. „Weihnachten ist Stress pur für mich”, sagt Heike Bartsch, fügt aber hinzu: „Positiver Stress.” Mit einer großen Ritterburg unter dem rechten Arm, zwei Armbändern in einer kleinen Tüte in der linken Hand lässt sie sich von Magda Kollbach beim Thema Falttaschen beraten. Die seien in diesem Jahr „der Renner” und ausdrücklicher Wunsch einer ihrer Töchter.

Ob sie sie ihr zum Geburtstag oder doch zu Weihnachten schenkt, das wird zunächst Heike Bartschs Geheimnis bleiben. Überhaupt sei es zunächst wichtig, alle Geschenke zu besorgen, mit einer ausgedruckten E-Mail in der Hand, einer „To-Do-List”, geht es rastlos von einem Geschäft zum nächsten. Leute wie Heike Bartsch sind keine Ausnahmen, sagt Magda Kollbach, die mit ihrem Bruder Rolf Bertram ein Lederwaren-Geschäft in der Innenstadt leitet. „Das ist eigentlich jedes Jahr dasselbe: Die meisten schaffen es einfach nicht bis unmittelbar vor Weihnachten, ihre Besorgungen zu machen.”

Doch einen entscheidenden Unterschied zu den vergangenen Jahren gebe es doch. „Die Stimmung ist besser als 2009, die Leute viel entspannter, netter und beratungswilliger”, sagt Rolf Bertram. Grundsätzlich würden sich Kunden auch wieder verstärkt eigene Gedanken über Geschenke machen - und nicht ziellos umher „irren”. Rolf Bertram verhehlt nicht, dass die Weihnachtszeit, trotz des ganzes Trubels, trotz der Mehrbelastung immens wichtig ist. „Machen wir uns nichts vor: Wir sind ein Luxuswaren-Anbieter, der von der Kaufbereitschaft zu solchen Anlässen lebt.” Nach Weihnachten würde es, wen wundert das, erst einmal ruhiger.

Das allerdings trifft nicht auf Ilona Schlesinger und ihre Parfümerie zu. „Schauen Sie”, sagt die Filialleiterin, „für uns ist nach Weihnachten vor Weihnachten. Die ganzen Gutscheine werden ab dem 27. Dezember eingelöst und dann gehts wieder von vorne los.”
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