Rassismus und Vorurteil als Teil der Geschichte

Von: Tim Habicht
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Ausstellung „Aachen und der deutsche Kolonialismus“: Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst, Navina Njiabi Bolla-Bong und Holger A. Dux weisen auf ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte hin. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wenn man durch die Ausstellung in der zweiten Etage der Volkshochschule läuft, zeigen sich teils erschreckende Bilder, Texte und Exponate. Es handelt sich allerdings nicht um eine Ausstellung über den Nationalsozialismus, sondern das weniger behandelte Thema des deutschen Kolonialismus.

Das Kinderbuch über die „zehn kleinen N.“ beispielsweise. Ein zweifelsohne rassistischer und diffamierender Titel, der bereits kleinen Kindern ein falsches Bild von schwarzen Menschen vermittelt. Kolonialismus und Rassismus seien streng miteinander verknüpft. Aufarbeitung und Reflektierung sind unumgänglich. Das möchte die Ausstellung in der VHS, die kostenfrei besuchbar ist, verdeutlichen.

„Der deutsche Kolonialismus ist ein relativ neues Thema – vor allem in lokalem Hinblick. Aachen war zwar im 19. Jahrhundert eine relativ kleine Stadt, aber dennoch vielfach in den Kolonialismus engagiert und involviert“, sagt Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst von der Universität Köln, die für die Ausstellung verantwortlich ist. „Viele Aachener waren wirtschaftlich und politisch am Kolonialismus beteiligt. Außerdem gab es auch in Aachen Völkerschauen“, so Bechhaus-Gerst.

Dass auch in der heutigen Gesellschaft immer noch Stereotypen und Vorurteile gegenüber der schwarzen Mitbevölkerung herrschen, liege auch stark am Kolonialismus. Dieses dunkle Kapitel europäischer und auch deutscher Geschichte wurde bislang wenig aufarbeitet und reflektiert. Das möchte Bechhaus-Gerst mit der Ausstellung in der VHS ändern. „Wir wollen das Vergangene aufzeigen, reflektieren und auch den Blick auf heute richten. Man muss sich mit der Vergangenheit beschäftigen, um etwas in den Köpfen der Menschen zu ändern“, verdeutlicht sie.

Für Navina Njiabi Bolla-Bong, die im Pädagogischen Zentrum Aachen arbeitet, ist die Ausstellung auch ein wichtiger Schritt, um aufzuklären und Rassismus aus den Köpfen der Menschen zu bekommen: „Man muss noch viele Dinge aufarbeiten und den Blick auf das Unrecht und die teils sehr brutale Zeit des Kolonialismus richten. Schwarze Frauen und Männer gehören genauso in dieses Land wie die weiße Mehrheitsbevölkerung. Wir müssen uns über unsere eigene Geschichte bewusst werden und die Vergangenheit reflektieren. Sonst können wir kein friedliches und gerechtes Miteinander verbringen.“

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