Aachen - „Raser-Motiv” landet vor dem Werberat

„Raser-Motiv” landet vor dem Werberat

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Strittiges Motiv: Bei diesen Plakaten sieht Schulleiter Jürgen Bartholomy Rot. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Einige Irritationen hat das aktuelle Werbemotiv des Netzanbieters Unitymedia ausgelöst. Auf großformatigen Plakaten, in Zeitungsanzeigen und Broschüren wird in Aachen mit dem Bild eines Rennfahrers inklusive Sturzhelm und dem Slogan „Du sollst nicht langsam sein” geworben.

Kritiker sehen darin - unter anderem - die versteckte Botschaft, Tempolimits im Straßenverkehr nicht ganz so ernst zu nehmen.

Jürgen Bartholomy, Leiter des Berufskollegs für Gestaltung und Technik der Städteregion, hat deswegen Beschwerde beim Deutschen Werberat eingelegt. Denn: „Das Plakat enthält keinerlei sachlichen Hinweis auf Übertragungsgeschwindigkeit im Netz”, kritisiert der Pädagoge. Bartholomy betont, dass er als Kunde mit den Dienstleistungen von Unitymedia sehr zufrieden sei und lediglich die Plakataktion für „sehr diskussionswürdig” halte.

„Wenn ein Schüler am Montag nicht zum Unterricht kommt, dann ist es oft der Geschwindigkeitswahn im Straßenverkehr, dem der junge Mensch zum Opfer gefallen ist”, sagt er. Mit Verkehrssicherheitswochen in Zusammenarbeit mit der Polizei forciere man seit Jahren die „Sensibilisierung für die Risiken der überhöhten Geschwindigkeit im Straßenverkehr”. Dies konterkariere die „massive und unsensible” Werbeaktion von Unitymedia.

Unitymedia-Sprecher Johannes Fuxjäger betont hingegen: „Eine Aufforderung zum Rasen an Autofahrer oder gar Motorrad- und Vespa-Fahrer im Straßenverkehr ist damit definitiv nicht beabsichtigt und wurde - bis auf diese aktuelle Beschwerde - auch bisher von Bürgern nicht als solche wahrgenommen.” Die Themen Geschwindigkeit und Rennen seien vielmehr Teil einer integrierten Kampagne, zu der etwa Kunden-Events auf der Michael-Schumacher-Kartbahn in Kerpen und Produkt-Promotions mit Rennsimulatoren gehörten, teilte das Kölner Unternehmen mit.

„Über das Rennfahrer-Motiv soll das Thema Geschwindigkeit gespielt werden, dass bei Unitymedia von zentraler Bedeutung ist”, erläutert Fuxjäger. Der Beschwerde beim Werberat räume man nur geringe Chancen auf Erfolg ein. Gleichwohl nehme man Bedenken ernst, „insbesondere wenn es um eine mögliche Gefährdung von Jugendlichen geht”. Unitymedia bietet deshalb an, die Plakatmotive im Umfeld von Schulen gegebenenfalls zu entfernen und mit dem Schulleiter Bartholomy ins Gespräch zu kommen.

Relativ gelassen reagiert auch Polizeioberrat Ralf Mallmann, Leiter der Direktion Verkehr, auf die Plakat-Debatte: „Auf Anfrage sagte uns Unitymedia, es handele sich um einen Kartfahrer. Und ich muss einräumen, dass die Person auf dem Bild tatsächlich keine Motorradkombi trägt. Ich gebe mich mit dieser Aussage also bedingt zufrieden”, sagt Mallmann. Der Polizist stellt aber auch klar: „Ich begrüße eine solche Werbekampagne nicht unbedingt, aber wenn wir auf jede Werbekampagne dieser Art reagieren müssten, bräuchten wir dafür einen eigenen Sachbearbeiter.”

Der Deutsche Werberat hat den Eingang der Beschwerde bestätigt und bittet das Unternehmen nun seinerseits um Stellungnahme. Sollte die Beschwerde von der Berliner Geschäftsstelle und schließlich dem Werberat selbst als begründet eingestuft werden, drohe innerhalb von ein bis zwei Wochen schlimmstenfalls eine „öffentliche Rüge”, heißt es.
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