Randale am Tivoli, Angst bei Anwohnern

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Es war eigentlich nur ein Fußballspiel zwischen zwei Fünftligisten. Doch wenn die Gegner Alemannia Aachen - hier die „Reserve” - und Rot-Weiß Essen heißen, dann droht Ungemach.

Das, weil es seit Jahrzehnten eine regelrechte Feindschaft so genannter Fans beider Vereine untereinander gibt.

Und so war es auch am vergangenen Sonntag, als die Essener zu Gast am Tivoli waren. Nach dem Spiel ging es mächtig zur Sache - insbesondere die Aachen-„Fans” versuchten gezielt, Randale anzuzetteln. Dabei kam es auch zu schweren Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Anwohner berichten, massiv angepöbelt und verängstigt worden zu sein. Selbst Kinder wurden offenbar beschimpft. Allein: Von alledem berichtete die Polizei zunächst nichts. Erst auf Anfrage äußerte sich die Behörde zu den Vorgängen sowie zu Vorwürfen, die Lage unterschätzt zu haben.

Letzteren Vorwurf weist Behördensprecher Karl J. Völker zurück. Die Polizei sei im Hinblick auf die Brisanz der Begegnung mit starken Kräften vor Ort gewesen. Vor dem Spiel habe man die „Fan”-Gruppen erfolgreich voneinander getrennt.

Aber auch schon zu diesem Zeitpunkt war die Stimmung offenbar gereizt, denn laut Polizei warf ein Aachen-„Fan” eine Flasche in Richtung der Polizei und beschädigte dabei ein Auto. Es gab eine Strafanzeige, der Übeltäter allerdings ist unbekannt.

Wegen der befürchteten Randale fand das Spiel im neuen Stadion und nicht - wie sonst bei der zweiten Mannschaft - am alten Tivoli statt. Nach dem Spiel lief die Situation dennoch aus dem Ruder. So hatten sich plötzlich rund 100 gewaltbereite Personen an der Ecke Soerser Weg/Merowinger Straße im Bereich der Kirche St. Andreas versammelt. Laut Polizei handelte es sich um Personen, die den „Ultras” - einer bereits häufiger durch Gewalt aufgefallenen „Fan”-Gruppierung - zugeordnet werden. Aber es seien auch zahlreiche der Polizei unbekannte Kinder und Jugendliche dabei gewesen. Viele trugen schwarze Kleidung, Kapuzenshirts und Schals, um sich zu vermummen. Das führte auch zu mehreren Anrufen besorgter Anwohner bei der Polizei.

Schließlich bogen fünf Essener Privatbusse in den Soerser Weg ein und fuhren Richtung Merowinger Straße. Die Aachener „Fans” stürmten auf die Busse zu. Laut Polizei versuchten einige Personen, Steine auf Beamte wie auch auf die Busse zu werfen. Die dort eingesetzten Polizisten - darunter Hundeführer - seien unverzüglich eingeschritten, betont Völker. Ein Steinewerfer sei festgenommen worden, ein „Fan” sei von einem Polizeihund gebissen worden. Die Essener Busse seien anschließend zur Autobahn geleitet worden.

Ein neues Phänomen?

Trotz alledem zieht die Polizei das Fazit, dass ihr „Konzept der Trennung der Fangruppen und der Verhinderung von Auseinandersetzungen in Form von Massenschlägereien vor, während und nach dem Spiel voll aufging”. Die Versuche der Aachener „Fans”, sich mit den Essenern eine Auseinandersetzung zu liefern, „schlugen jedes Mal fehl”.

Neu für die Polizei war nach eigenem Bekunden das Verhalten der Aachener „Fan”-Gruppen, „durch das Wohngebiet von hinten an die gegnerischen Fans zu gelangen”. Das habe man „in dieser geballten Form bei keinen vergleichbaren Einsätzen beobachten” können.

Polizeipräsident Klaus Oelze bekundet, „das Unwohlsein der dort wohnenden Menschen sehr wohl nachvollziehen” zu können. Die Aachener Polizei werde das „beschriebene Verhalten der Aachener Fan-Gruppierungen” bei zukünftigen Einsetzen in ihre Einsatzplanung mit einbeziehen.
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