Räuber warfen Geld aus Hochhaus: Haftstrafe

Von: Wolfgang Schumacher
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Mühsam: Nachdem die Täter ihre Beute aus einem Hochhaus am Kennedypark geworfen hatten, mussten Polizeibeamte die Münzen einzeln aufklauben. Foto: Harald Krömer

Aachen. Um den Überfall auf einen Geldtransporter im März ging es am Donnerstag vor der 5. Großen Jugendkammer des Aachener Landgerichts. Viereinhalb Jahre Haft lautete das Urteil gegen den Angeklagten Marc P. wegen besonders schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Der Fall hatte auch deshalb für Schlagzeilen gesorgt, weil die Täter ihre Beute aus einem Hochhaus am Kennedypark geworfen hatten.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den arbeitslosen und vorbestraften 23-Jährigen sogar siebeneinhalb Jahre Haft beantragt.

Der zweite Angeklagte, Billy M., fiel nach einem Gutachten noch unter das Jugendstrafrecht. Der 22-Jährige hatte Glück und kassierte vom Gericht unter Richter Norbert Gatzke eine Jugendstrafe von zwei Jahren mit einer vorläufigen Bewährung. Beide Täter standen unter Drogen und Alkohol.

Tatsächlich war M. eher der Mitläufer bei dem dreisten Überfall auf einen Geldtransporter mit den Bareinnahmen aus einem Wettbüro in der Elsassstraße am 26. März gewesen. Der 30-jährige Fahrer saß nach dem Abholen der Einnahmen noch in seinem Wagen, um zu telefonieren. In diesem Moment schlichen sich die beiden maskierten Täter von hinten an.

Zeugen beschrieben, wie P. die Fahrertür aufriss und dem Mann am Steuer mit einem Totschläger zwei heftige Schläge gegen die Schläfe versetzte. Der Fahrer sackte blutend zusammen. Gleichzeitig hatte M. die Beifahrertüre aufgerissen und einen Plastiksack mit Münzgeld an sich genommen.

Ein Zeuge hatte aus der Distanz alles beobachtet und verfolgte das Duo bis in die nahegelegenen Wohntürme am Kennedypark. Dort verschwanden die Täter. Als aber die Polizei anrückte, wurden sie schnell im sechsten Stock bei einem Freund - der allerdings nichts mit der Sache zu tun hatte - aufgestöbert.

Als die Räuber merkten, dass die Polizei bereits vor der Tür stand, warfen sie den Sack mit dem Münzgeld – nach Feststellungen des Gerichts etwa 1260 Euro – vom Balkon aus dem sechsten Stock hinunter in die Tiefe. Das eingeschweißte Geld sprengte beim Aufschlag den Plastiksack, die Münzen flogen in alle Richtungen. Polizeibeamte mussten später mühsam die komplette Barschaft einsammeln.

Zwar beurteilte die Kammer die Vorbereitung der Tat als „professionell“, da beide Täter eine Waffe - den Schlagstock - bei sich trugen und sich maskiert hätten. Allerdings stellten sich die damals drogen- und alkoholabhängigen Männer ziemlich dämlich an. So hatten sie zwar das schwere Münzgeld mitgenommen, den Koffer mit den Geldscheinen unbeachtet zurückgelassen.

Das Gericht ordnete zudem für P. eine Entzugsbehandlung an. Auch M. muss sich regelmäßig bei der Drogenberatung zur Stelle melden - ansonsten wird er seine Strafe antreten müssen, wie Richter Gatzke dem jungen Angeklagten sehr deutlich vor Augen hielt.

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