Aachen - Radarwagen sollen länger auf die Straße

Radarwagen sollen länger auf die Straße

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Nichts zu befürchten: Radfahrer nehmen die städtischen Radarwagen nicht ins Visier. Die Ordnungskräfte sollen künftig dank längerer Einsatzzeiten deutlich mehr Autofahrer ablichten, die zu schnell über Aachens Straßen rollen. Foto: Stock/biky
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Starenkasten: Sie blitzen seltener als die mobilen Radarwagen der Stadt. Foto: Stock/Fernando

Aachen. Das Ordnungsamt will aufrüsten – vor allem personell. Die zwei mobilen Radarwagen der Stadt sollen künftig erheblich mehr Temposünder ablichten. Um die Einsatzzeiten ausdehnen zu können, will die Verwaltung bei der Politik mindestens eine, möglicherweise sogar zwei zusätzliche Arbeitsstellen beantragen.

Bislang sind nur drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Rahmen ihrer 40-Stunden-Woche für die mobile Geschwindigkeitsüberwachung zuständig. Dieses Trio betreut aber auch die acht stationären Geschwindigkeitsmessanlagen sowie die vier Rotlichtüberwachungsanlagen der Stadt und bestückt diese wechselweise mit sechs Kameras. Knapp 21 000 Tempo- und 1500 Rotlichtsünder gingen 2011 noch ins Netz. Doch die Zahlen an den Starenkästen stagnieren. Mobile „Radarfallen“ versprechen deutlich mehr „Treffer“.

Ein Wunsch der Polizei

Elmar Rosen, stellvertretender Leiter des Aachener Ordnungsamtes, erklärt auf AZ-Anfrage: „Für die Zukunft setzen wir unseren Schwerpunkt auf die mobile Geschwindigkeitsmessung.“ Damit komme man einem Wunsch der Polizei nach. Diese habe die Stadt im Rahmen der Unfallprävention darum gebeten, die Einsatzzeiten auszubauen. Polizeisprecher Paul Kemen bestätigt die Bitte: „Wir werben aktiv darum, dass die Stadt uns an Unfallbrennpunkten noch mehr mit Kontrollen unterstützt.“

Der Grund sei, dass die Unfallzahlen, die auf überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen seien, in Aachen höher seien als andernorts. Konkrete Daten liefert das Polizeipräsidium dafür allerdings noch nicht. Nur so viel: „Die Städteregion unterstützt uns in diesem Punkt erheblich mehr“, sagt Kemen. Und Rosen räumt mit Blick auf die Stadt Aachen ein, „dass wir da mehr tun können, was die Zahl der Verletzten angeht“.

Tatsächlich zählte die Aachener Polizei in den vergangenen Dezember-Wochen rund 20 Prozent mehr Unfälle als im Jahresdurchschnitt 2012. Sie führte diesen Anstieg aber nicht auf zu schnelles Fahren, sondern auf die derzeit schwierigen Sichtverhältnisse durch die blendende, tief stehende Wintersonne zurück.

Insgesamt landeten vergangenes Jahr 10.793 Verkehrsunfälle in der Unfallstatistik. Das sind durchschnittlich 30 Unfälle pro Tag und in zwölf Monaten 500 Zusammenstöße mehr als 2010. Die Unfallbilanz für das komplette Jahr 2013 wird erst in einigen Wochen vorliegen. Im Vorjahr sank allerdings die Zahl der Verletzten. Bei jedem zwölften Unfall sind Personenschäden zu beklagen. 2012 gab es sechs Todesopfer, 98 Schwerverletzte (44 weniger als 2011) und 1140 Leichtverletzte (2011:1153). Überhöhte Geschwindigkeit gilt bei tödlichen Unfällen und Kollisionen mit schweren Personenschäden als Hauptursache – nicht aber für den Großteil der Blechschäden auf Aachener Stadtgebiet.

Wie viele Temposünder 2012 und 2013 von den städtischen Überwachungskräften „dingfest“ gemacht wurden, ist nicht bekannt. Nur aus dem Jahr 2011 liegen präzise Daten vor: 45.132 Autofahrer wurden damals auf Aachener Stadtgebiet von den Starenkästen und den zwei mobilen Geschwindigkeitsüberwachungseinheiten „geblitzt“. Davon registrierten allein die zwei Radarwagen des Ordnungsamtes 24.473 Überschreitungen. Das waren 1387 mehr als 2010. So kassierte die Stadt 2011 nach Angaben des Presseamtes rund 1,3 Millionen Euro von Rasern. 2010 waren es etwa 300.000 Euro weniger.

Nach den aktuellen Angaben von Elmar Rosen nimmt die Stadt knapp zwei Millionen Euro durch Verwarnungs- und Bußgelder ein, die im fließenden Verkehr ausgesprochen werden. Nur Verwarnungsgelder unter 35 Euro, die die Polizei Vor Ort direkt kassiert, fließen nicht in die Stadtkasse.

Turmstraße liegt vorne

Die mit Abstand höchsten Einnahmen erzielen die mobilen Radarwagen. Bei den Starenkästen sind die Messstellen an der Turmstraße am einnahmeträchtigsten – gefolgt von den Messstellen an der Hohenstaufenallee und früher an der Schleidener Straße in Friesenrath. Letztere soll aber bald aus dem Verkehr gezogen werden, da dort die neue Ortseinfahrt den früheren Unfallschwerpunkt baulich entschärft.

Dabei ist die Stadt bei der Einrichtung von stationären Radarmessanlagen nicht mehr an Unfallschwerpunkte gebunden. Seit einer Gesetzesänderung vor wenigen Wochen kann nach Angaben der Bezirksregierung Köln nun auch an Gefahrenstellen die Geschwindigkeit gemessen werden, „auf denen eine erhöhte Unfallgefahr angenommen werden muss“. Dies sei etwa dann der Fall, wenn an einem Streckenabschnitt überdurchschnittlich häufig die Tempobegrenzung missachtet werde und die Stelle in unmittelbarer Nähe von Engpässen und Baustellen liege – die es in Aachen bekanntlich zu Genüge gibt.

„Nicht immer erst abwarten“

Laut Rosen will die Stadt die neue Kontrollfreiheit aber nicht über Gebühr beanspruchen. „Unser erster Wille ist nicht, mehr Geld einzunehmen“, betont der stellvertretende Leiter des Ordnungsamtes. Jedoch: „Wir müssen die Unfallhäufigkeit reduzieren – und da muss man ja nicht immer erst warten, bis tatsächlich was passiert“, sagt er.

Die zusätzlichen Personalstellen für längere Einsatzzeiten der zwei städtischen Radarwagen dürften sich so oder so schnell bezahlt machen.

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