„Rad-Autobahn” bremst Autos auf Junkerstraße aus

Von: Robert Esser
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Extrabreit: Wenn ein Bus an der Ecke Junkerstraße/Lochnerstraße hält, staut sich künftig der nachfolgende Verkehr, weil bergauf eine ganze Fahrspur zugunsten neuer Radwege entfernt wird. Foto: Robert Esser

Aachen. Wenn Augenmaß verloren geht, hilft oft ein Blick auf Daten und Fakten. Wie beim Beispiel Junkerstraße: Weil zwei Radfahrstreifen bald jeweils breiter als ein Kleinwagen sein sollen, fällt für den Autoverkehr bergauf Richtung Turmstraße eine komplette Fahrspur weg.

So sieht es der Plan vor, den der Mobilitätsausschuss laut Presseamt einstimmig verabschiedet hat. Die Umsetzung soll angeblich schon bis August bewerkstelligt sein.

Dann hat Aachen auf dieser Hauptverkehrsachse nicht nur eine Fahrspur weniger, sondern wahrscheinlich zwei der breitesten Radwege, die in jüngster Zeit realisiert wurden. 1,75 Meter misst jeder Radfahrstreifen dann in der Breite entlang der Junkerstraße zwischen den Kreuzungen Lochnerstraße und Maastrichter/Königstraße. Ein Mini Cooper ist 1,68 Meter breit.

Damit wird der Radweg auf der Fahrbahn fast doppelt so breit wie viele andere Radfahrschutzstreifen in der Innenstadt. Was Roland Jahn (Grüne), der Vorsitzende des Mobilitätsausschusses, völlig richtig findet: „Unsere Priorität gilt den Radfahrern. Wir wollen mehr Leute aufs Rad bringen und die Sicherheit erhöhen”, erklärt er auf Anfrage unserer Zeitung.

Ob auf diesem Stück der Junkerstraße in den vergangenen Jahren jemals ein Radfahrer in einen Unfall verwickelt war, kann er aber nicht sagen. Nur so viel: „Jede zehn Zentimeter bringen mehr Sicherheit.” Und die Stadt fügt hinzu, dass gerade entlang von Parkstreifen große Gefahr von parkenden Autos ausgehe, deren Türen plötzlich geöffnet werden und Radfahrer treffen könnten. Bloß: Entlang der Junkerstraße ist das Parken bergauf absolut verboten - seit Jahren.

Jahn nennt noch ein Argument für den Rekord-Radstreifen: „Bergauf kommt man als Radfahrer schnell ins Schlingern, Breite ist also sicherer.” Bergab soll der neue Streifen indes ebenfalls 1,75 Meter breit werden - quasi als „Rad-Autobahn”.

Zumindest droht keine Gefahr mehr von Linksabbiegern, die von der Junkerstraße bergauf in die Welkenrather oder Bleiberger Straße einbiegen wollen. Beides wird nämlich künftig verboten. Wer dort hinwolle, müsse eben einen Umweg in Kauf nehmen, heißt es aus dem Presseamt.

Unproblematisch sieht man auch die dann neue Engstelle an der Bushaltestelle gegenüber der Tankstelle. Vier Mal pro Stunde hält dort die Aseag. 2,92 Meter ist so ein Bus breit, Autofahrer werden das stehende Verkehrshindernis - wegen des fehlenden zweiten Fahrstreifens - nicht mehr überholen können, obwohl die Junkerstraße insgesamt fast 13 Meter breit ist. Der Rückstau auf die Kreuzung ist programmiert.

Jahn sagt, man habe all das bei den Planungen bedacht und sich ganz bewusst für extrabreite Radwege und gegen weiterhin flüssigen Autoverkehr auf zwei Spuren bergauf entschieden. „Die Priorisierung des Radverkehrs ist erklärtes Ziel der Stadt”, betont er.
Übrigens: Die Fortführung der Vennbahntrasse - das Vorzeigeprojekt in Sachen Fahrradfreundlichkeit - von Brand Richtung Aachen-Arkaden neben der Trierer Straße ist 2,50 Meter breit. Hier gibt es sogar Begegnungsverkehr. Beide Fahrtrichtungen der Radwege an der Junkerstraße bieten bald einen Meter mehr Platz - Maßarbeit.
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