Raben „Junior“ und „Socke“ hören den Sorgen der Kinder zu

Von: Marie Eckert
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„Kindersprechstunde“ in der Grundschule Gerlachstraße: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen des Kinderschutzbundes, Mariele van Detten und Nicole Thelen (hinten rechts), finden es auch okay dass die Kinder den Raben mal die Meinung sagen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Seit zwei Jahren ist Rabe „Junior“ mit zwei ehrenamtlichen Helfern in der Grundschule Am Höfling unterwegs, seit Herbst ist sein Zwillingsbruder „Socke“ an der Grundschule Gerlachstraße regelmäßig zu Besuch.

Regelmäßig heißt: Einmal in der Woche kommen die Ehrenamtlerinnen vom Aachener Kinderschutzbund mit den Handpuppen-Raben in die Schulen, um den Kindern an den Schulen eine Sprechstunde anzubieten.

Der Hintergrund: Als im Jahr 2011 das Kinder- und Jugendtelefon nicht mehr gab, haben einige der Ehrenamtlichen nach neuen Aufgaben gefragt. Alle Ehrenamtler hatten bereits die Grundausbildung in Gesprächsführung und mit thematisch schwierigen Inhalten und erhielten eine Fortbildung in der direkten Beratung mit Kindern. Sechs Frauen arbeiten insgesamt ehrenamtlich an den beiden Grundschulen, pro Woche sind jeweils zwei von ihnen einen Tag an einer Schule und reden entweder einzeln oder nach Wunsch zu zweit mit den Kindern über ihre Sorgen und Probleme.

Dabei seien das Zuhören und Annehmen sowie die Tatsache, dass die Kinder einfach etwas loswerden könnten das Entscheidende, sagte Andrea Weyer, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes Aachen.

Die Sprechstunde gebe den Kindern dort ein ganz besonderes Forum, wozu den Schulen oft die Zeit fehle, fügte Ulrich Nellessen, Schulleiter der Grundschule Am Höfling, hinzu.

„Im Schulbetrieb ist es bei Klassen mit durchschnittlich 25 Kindern nicht möglich, jedem so viel Zeit zu schenken, insofern ist die Sprechstunde ein Riesengewinn für uns.“

„In der Praxis kommen die Kinder häufig mit verschiedenen Konflikten zu uns, Konflikten mit anderen Kindern oder Geschwistern etwa“, sagte Mariele van Detten, ehrenamtliche Helferin und einmal pro Woche Gesprächsführerin. Aber auch bei Problemen in der Familie, wie Scheidungen, kämen Kinder, um ihr Herz auszuschütten und ein Ohr geliehen zu bekommen. „Oftmals fangen die Kinder mit kleineren Sachen an und nehmen dann im Laufe des Gesprächs oder in der folgenden Woche das Angebot an und besprechen auch tiefer liegende Probleme“, bestätigte van Detten. Selbstverständlich sind die Gesprächsinhalte vertraulich, weder Eltern noch Lehrer erfahren, was besprochen wurde.

ie Handpuppe in Gestalt eines Raben bietet dabei einen anderen Blickwinkel: „Manche Kinder sprechen zunächst lieber mit der Puppe als mit den Ehrenamtlichen direkt“, erklärte Weyer. Bei den beiden Grundschulen haben die Kinder selber mithilfe des „Kinderparlaments“ die Sprechstunde abgesegnet. „Das Konzept funktioniert an den Schulen so gut, weil alle dort absolut dahinter stehen“, lobte Weyer. Sie könne sich auch vorstellen, die Kindersprechstunde an weiteren Schulen einzuführen. „Das hängt von den einzelnen Schulen und auch von unseren Betreuern ab“.

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