Quo vadis, Europa? Den Kontinent neu entdecken!

Von: Carolin Kruff
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„Mehr Europa wagen“: Die Kultur des Kontinents in all ihren Facetten stand im Mittelpunkt der Veranstaltung, die zahlreiche Interessenten ins Ludwig Forum lockte. Foto: Andreas Steindl
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Verschlungene Wege, die sich zum harmonischen Ganzen fügen: Keith Harings Werk spiegelt den europäischen Prozess auf seine Weise. Foto: Andreas Steindl
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Was kann Kunst für Europa leisten? Antworten gaben auch Führungen durch das Haus mit seinen zahlreichen hochkarätigen Exponaten. Foto: Andreas Steindl
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Zeitreise durch die europäische Musikgeschichte: GMD Kazem Abdullah (r.) intonierte sie mit Kollegen aus dem Sinfonieorchester. Foto: Andreas Steindl

Aachen. 28 Staaten, 24 Amtssprachen, rund 500 Millionen Einwohner und mehr als vier Millionen Quadratkilometer – eine Reise durch die gesamte Europäische Union würde mehrere Monate, wenn nicht sogar Jahre beanspruchen. Im Ludwig Forum konnte Europa nun zu Fuß innerhalb weniger Stunden per „Rundreise“ entdeckt werden – zumindest kulturell. Und hunderte Aachener machten sich auf den Weg.

„Mehr Europa wagen“ – so lautete der Titel der vom Rotary-Club Aachen-Charlemagne in Kooperation mit dem Ludwig Forum veranstalteten außergewöhnlichen Kulturexpedition. Diskussionsstoff gibt es genug. „Europa muss mit einer Stimme sprechen. Gegenseitige Wertschätzung und Achtung sind dabei unerlässlich“, forderte Annette Wobbe, Präsidentin des Rotary-Clubs Aachen-Charlemagne, in ihrer flammenden Begrüßungsrede. Ein Plädoyer für Europa und ein Appell an alle Besucher, den Reichtum dieses einmaligen Staatenverbundes zu erkennen und dessen Zukunft aktiv mitzugestalten.

Politische und ökonomische Gedanken standen bei diesem Happening allerdings nicht im Fokus, sondern die europäische Kultur mit all ihren Facetten. „Kultur ist das Bindeglied zwischen den europäischen Staaten“, so die Erklärung des Aachener Historikers Professor Max Kerner, der den Bogen zu Kaiser Karl als „Vater Europas“ spannte. Und somit war diese lebendige Veranstaltung auch eine Absage an alle Europaskeptiker: Negativ-Schlagworte wie „Schuldenkrise“, „Sparpakete“ oder „Eurokrise“ mussten an diesem Abend draußen bleiben, für alle Besucher war der Eintritt frei.

Auf sie wartete eine spannende Melange aus literarischen Lesungen, Kunstführungen, Musik und Diskussionsrunden, die die kulturelle Vielfalt der Europäischen Union in den Blick nahmen. Musikalische Glanzpunkte setzten Mitglieder des Sinfonieorchesters Aachen. Generalmusikdirektor Kazem Abdullah wechselte dabei sogar die Seiten: Vom Dirigentenpult an die Klarinette, ein ungewohntes Bild, das sich jedoch sehen beziehungsweise hören ließ.Ob Klarinette, Fagott, Trompete, Violine, Violoncello, Klavier oder Querflöte – bereits die melodienreiche Zeitreise durch die europäische Musikgeschichte zeigte, dass Musik „grenzenlos“ ist und unterschiedliche Stimmen zu einer verschmelzen.

Auf dem Programm standen unter anderem die Ballett-Suite „La Revue de Cuisine“ von Bohuslav Martin, das Kunstlied „Gretchen am Spinnrade“ von Franz Schubert sowie Auszüge aus Georges Bizets Oper „Carmen“ in einer Bearbeitung von François Borne für Querflöte und Klavier.

Was die einen in Noten ausdrückten, gossen die anderen in Worte. Der unermessliche Fundus der europäischen Literatur wurde an diesem Abend in Form von Literaturlesungen zum Leben erweckt. So wurde etwa das Gedicht „Zu beiden Händen“ von Paul Celan, einem der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts, vorgetragen und anschließend interpretiert. Wer sich eher für die bildende Kunst interessierte, konnte bei Führungen Interessantes über Werke von Keith Haring, Phyllida Barlow, Dan Perjovschi sowie Anselm Kiefer und Artur Zmijeski erfahren.

Wie wichtig die Kultur für die Identität Europas ist, brachte Michael Dühn, Musikdramaturg am Theater Aachen, in einer von unserem Redakteur Bernd Büttgens moderierten Gesprächsrunde auf den Punkt: „Europa wird kulturell sein, oder es wird nicht sein.“ Den passenden Schlusspunkt setzte die Vorführung des Films „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco. Und auch wenn der Veranstaltungsort es vermuten ließ, machte dieser Abend deutlich: Europa ist kein Museum „alter Kulturen“, wie Lufo-Chefin Brigitte Franzen herausstellte, sondern eine kulturelle Metamorphose.

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