Quittung des Zeitzünders lag noch im Auto

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Im Verfahren wegen 13-fachen versuchten Mordes und schwerer Brandstiftung wird es für den angeklagten Kölner Vermieter, der in Eilendorf zwei Häuser in der Hansmann- und Karlstraße besitzt, immer enger vor dem Aachener Schwurgericht.

Während der bisherigen Beweisaufnahme vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Gerd Nohl hörte der Angeklagte Yusuf K. (43) interessiert zu, allerdings hatte man nicht den Eindruck, dass ihn die Sache viel angehe. Bei den Zeugenaussagen am Dienstag hätte es dem Mann allerdings eiskalt den Rücken herunter laufen müssen. Einer der Polizisten schilderte die Beweissicherung nach dem Brand in der Nacht zum 1. März dieses Jahres.

Dabei legten sie natürlich sehr viel Wert auf die Umstände rund um die misslungene Sprengung des gesamten Eckhauses durch eine angebohrte Gasleitung im Keller des Häuserkomplexes. Das austretende Gemisch sollte durch einen selbst gebastelten Zeitzünder zur Explosion gebracht werden. Er bestand aus einem handelsüblichen Toaster, der mit Küchenrollen präpariert und mit brennbarem Stoff umwickelt war. Seinen Ein- und Ausschalter hatte der Täter mit einem Klebeband fixiert, zwischen Stecker und Steckdose in einem separaten Kellerraum hatte der Bastler eine Zeitschaltuhr angebracht.

Der Mechanismus funktionierte einwandfrei. Als die Wehrmänner in den Keller kamen, glimmte der Stoff bereits, doch das Gas/Luftgemisch hatte sich noch nicht entzündet. Ein Ermittler berichtete am Dienstag, dass bei der Durchsuchung der Kölner Wohnung des Angeklagten eine Gebrauchsanleitung der verwendeten Zeitschaltuhr im Schredder gefunden wurde. Man setzte sie zusammen, sie war für das verwendete Gerät.

Dann, im Auto des Verdächtigen, staunten die Polizisten nicht schlecht. Dort fanden sie im oder unter dem Handschuhfach eine Quittung eines neu gekauften Toasters. Recherchen ergaben, dass es sich um exakt jenes Modell handelt, das bei dem Anschlag auf das Mietshaus benutzt wurde.

Vorher hatte ein Mieter berichtet, wie er im Dachgeschoss von den Rauchschwaden überrascht wurde. Er habe die Türe aufgemacht, als jemand „Feuer” rief. Da kroch auch schon der Rauch in seine Wohnung. Er habe sich in den Sessel gesetzt und quasi sofort die Besinnung verloren. „Ich hatte Todesangst” erinnert er sich. Er wurde wiederbelebt und im Klinikum behandelt, leide allerdings heute noch unter schweren Angstzuständen, schilderte er. Ein Hausmeister berichtete, wie er zunächst unter Verdacht geraten war. Er ist heute noch von der Unschuld seines Vermieters überzeugt. Das Verfahren geht morgen weiter.
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