„Pulse of Europe“: Die blauen Ballons setzen zum nächsten Höhenflug an

Von: Matthias Hinrichs
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Beeindruckende Abstimmung mit den Füßen: Enorme Resonanz verzeichnete „Pulse of Europe“ vergangenen Sonntag auf dem Katschhof. Morgen könnte die Zahl der Teilnehmer weiter steigen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit dem „Abschiedsbrief“ aus der Feder der britischen Regierungschefin Theresa May ist seit Mittwoch der nächste Tiefpunkt in den Annalen des Einigungsprozesses dokumentiert – auf obersten Ebenen im gar nicht so fernen Brüssel.

Unterdessen schlägt das Herz ungezählter ganz normaler Bürger immer höher, wenn es darum geht, ein klares Bekenntnis zum europäischen Miteinander abzulegen. Auch und gerade im Dreiländereck hat sich die Initiative „Pulse of Europe“ binnen weniger Wochen zum basisdemokratischen Hoffnungsträger par excellence gemausert. Am Sonntag, 14 Uhr, wechselt die Bewegung in der Kaiserstadt allerdings die Seiten – selbstverständlich nur im Hinblick auf die Örtlichkeit: Wegen des Altstadtflohmarkts findet die nunmehr fünfte Kundgebung nicht auf dem Katschhof, sondern auf der Rathaustreppe statt.

Und man darf erwarten, dass nicht nur mancher Trödelfan die Gelegenheit beim Schopf packt, den Pulsschlag der positiv Denkenden ein ganzes Stück weiter nach oben zu treiben. So spricht vieles dafür, dass sich am Sonntag auf dem Markt womöglich noch mehr Anhänger einfinden werden, um neuen nationalistischen Misstönen im kontinentalen Konzert mit lauter Stimme entgegenzutreten. Zumal auch die Wetterfrösche weiter in respektablen Höhen unterwegs sind – kein Aprilscherz. Um die 16 Grad dürfte das Thermometer am Sonntagnachmittag locker erreichen, kein Tröpfchen soll vom Himmel fallen.

Vergangenen Sonntag hatten sich bei ebenso blendendem Wetter bereits mindestens 1500 Aachener zwischen Dom und Rathaus versammelt – so die einigermaßen defensive Schätzung von Polizei und Veranstaltern. Oberbürgermeister Marcel Philipp und mit ihm viele Berichterstatter sprachen vor Ort derweil bereits von rund 2500 Teilnehmern. So oder so: „Nur Köln hat in NRW zuletzt mehr Leute, nämlich rund 3500 auf die Straße gebracht“, weiß Joachim Sina, einer der hiesigen Organisatoren. Dass die Kundgebung auch Gegner auf den Plan rufen könnte, lasse sich natürlich nie ausschließen. „Konkrete Hinweise gibt es dafür aber nicht, wie die Polizei uns bestätigt hat“, betont Sina. Und: Zumindest offiziell erwarten die Organisatoren auch diesmal „nur“ etwa 1000 Menschen, erklärt Polizeisprecherin Petra Wienen.

Daher sieht man mit Blick auf Sonntag weder im Präsidium noch bei der Stadt Veranlassung für verstärkte Maßnahmen in punkto Sicherheit, wie sie im Fall einer Großkundgebung mit mindestens 5000 Teilnehmern vorgesehen sind. Dass am Sonntag weit mehr als 1000 Menschen vor dem Rathaus demonstrieren könnten, sei in der Einsatzplanung aber berücksichtigt, so die Polizei. Von Lkw-Blockaden, gar Beamten in Kampfanzügen und mit Maschinenpistolen – wie zuletzt beim Weihnachtsmarkt – soll indes nichts zu sehen sein. „Wir bleiben entspannt, werden die Demonstranten aber weiter begleiten“, sagt Bernd Büttgens, Chef des städtischen Presseamts. „Falls es erforderlich werden sollte, können wir natürlich flexibel reagieren und verstärkte Kräfte heranziehen“, unterstreicht Wienen. Gegebenenfalls würden auch Sperrungen vorgenommen, falls weit größere Massen Richtung Markt pilgern sollten als vermutet.

Zig Ordner im Einsatz

Immerhin ist die Resonanz auf die Kundgebung seit der Premiere mit rund 300 Teilnehmern am 5. März kontinuierlich und imposant gewachsen. „Es ist sehr schwer einzuschätzen, ob wir jetzt noch eins draufsetzen können“, meint Tobias Ruof, der den heißen Draht zu den Sicherheitskräften kontinuierlich hält. In jedem Fall werde eine ausreichende Zahl Ordner aktiviert – für 100 Köpfe sollen und müssen zwei freiwillige Helfer zur Verfügung stehen, die im permanenten Kontakt mit den Verantwortlichen bleiben.

Die blicken freilich weiter optimistisch nach vorn. Bislang, berichtet Sina, haben sich vier Redner für kurze Beiträge auf der Rathaustreppe angemeldet. „Spontane Bekundungen sind nach wie vor natürlich willkommen – das gehört einfach dazu“, betont er. Und auch für musikalische Begleitung sei selbstredend wieder gesorgt: Diesmal ist die Reggae- und HipHop-Formation Nic Knatterton und die Marmeladenfabrik mit von der Partie – in Sachen Party für Europa.

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