Public Viewing: Zwei Premieren in Aachen

Von: Stefan Herrmann und Oliver Schmetz
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Aachen. Für Freunde der Fußballersprache könnte man sagen: Kurz vor Abpfiff ist dann doch noch der erlösende Siegtreffer für die Alemannia gefallen. Diesmal aber nicht in Form eines Balles, der seinen Weg ins Tor fand, sondern per Post.

Denn kurz vor Anpfiff der ersten WM-Partie am heutigen Donnerstag flatterte am Mittwoch die Genehmigung der Stadt auf Alexander Mronz‘ Schreibtisch. Damit konnte Alemannia Aachens Geschäftsführer endgültig grünes Licht geben, und die Zitterpartie hatte ein Ende: Erstmalig findet auf dem Tivoli ein Public Viewing zur Fußball-WM statt. Bis zu 5200 Zuschauer können jeweils die Spiele der deutschen Nationalmannschaft in Stadionatmosphäre erleben. Drei Spiele sind garantiert. Fans und Veranstalter hoffen jedoch auf das volle Sieben-Partien-Programm mit dem lang ersehnten Titel für das DFB-Team als Happy-End des deutsch-brasilianischen WM-Sommers. Und das nicht nur am Tivoli. In der ganzen Stadt werden sich von nun an wieder schwarz-rot-gold gekleidete und geschminkte Menschen grölend, singend und feiernd zum Rudelgucken zusammentun.

Wobei jedoch klar ist: Mitten in der City bleiben Markt und Katschhof dieses Mal WM-freie Zone. Da gleichzeitig die Heiligtumsfahrt mit bis zu 100.000 Besuchern stattfindet, wird es dort kein Public Viewing geben. Dafür laufen in Kneipen, Kinos, Bars und Biergärten die letzten Vorbereitungen auf Hochtouren – zumal das Ordnungsamt den Gastronomen in den nächsten viereinhalb Wochen keine großen Hürden in den Weg legen will. Im Gegenteil: „Wir haben mit der Stadt eine sehr großzügige Lösung für das Fußballgucken im Freien gefunden“, sagt Dirk Deutz, Vorsitzender des hiesigen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).

Das bedeutet, dass jeder Aachener Gastwirt mit Außengastronomie jedes Spiel – egal zu welcher Uhrzeit – draußen zeigen darf, auch wenn er beispielsweise normalerweise um 22 Uhr den Außenausschank einstellen muss. Eine Genehmigung muss dafür nicht extra beantragt werden, allerdings gelten ein paar klare Regeln: 20 Minuten nach Spielende muss der Ton abgedreht sein, und die Wirte sollen darauf achten, dass bei ihren Gästen keine Krachmacher wie Vuvuzelas zum Einsatz kommen. „Unser Appell lautet: Achtet bitte auf die Nachbarn“, hofft Ordnungsamtsleiter Detlev Fröhlke darauf, dass der Spagat zwischen nächtlichem Feier- und Schlafbedürfnis während der WM gelingt.

Falls sich dennoch hier und da Beschwerden häufen sollten, wird das Ordnungsamt einschreiten. „Derjenige hat dann für den Rest der WM schlechte Karten“, kündigt Fröhlke an. Auch mancher Gastronom kann also schon in der Vorrunde scheitern.

Mit von der Partie sind bei der WM neben bekannten „Fanmeilen“ – wie zum Beispiel Pontstraße – unter anderem der Jakobshof (Elysée) oder die alten Bahnhöfe in Brand und Kornelimünster. Ein eher exquisites Angebot hält das Restaurant Belvedere im Drehturm auf dem Lousberg bereit, wo man die Deutschland-Spiele nebst Catering-Paket buchen kann. Und das Besitos lädt wie schon bei der vorigen EM in den Alten Posthof – dort können vor der LED-Großleinwand bis zu 1500 Fans gucken.

Schließlich gibt es gleich nebenan noch eine zweite Premiere in Aachen: Erstmalig können die Fußballfans die Spiele des DFB-Teams im Cinekarree erleben. Dort sollen gleich zwei Kinosäle mit insgesamt rund 900 Sitzen zur schwarz-rot-goldenen Partyzone mutieren. „Aachen liegt ja in Sachen Public Viewing dieses Mal ein wenig brach“, sagt Sebastian Stürtz, Betreiber des Cinekarrees in Aachen und des Cinetowers in Alsdorf. Daher habe man das bereits erfolgreich im Alsdorfer Kino umgesetzte Konzept nun auf die Kaiserstadt übertragen. Der Eintritt ist frei. Wer das Cinekarree-Fanpaket mit Getränk, Gummibärchen-Packung und Deutschlandfähnchen erwirbt, erhält eine Sitzplatzreservierung. Aber ist im Dunkeln auch gut jubeln? Stürtz ist davon überzeugt. Und wenn in der letzten Minute tatsächlich das erlösende Siegtor fällt, dürfte er damit wohl auch nicht falsch liegen.

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