Aachen - PTSV stellt seine Ideen für den Sportpark Soers vor

PTSV stellt seine Ideen für den Sportpark Soers vor

Von: Stephan Mohne
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Der PTSV will am Eulersweg eine Arena und weitere Multifunktionshallen bauen. Modell: PTSV
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Keine Luftnummer: Wo heute noch das Polizeipräsidium steht, wollen PTSV und ALRV den Sportpark Soers erweitern. Der ALRV plant an der Hubert-Wienen-Straße eine neue Reithalle. Die Albert-Vahle-Halle würde dann abgerissen und durch moderne Ställe sowie Trainingsplätze ersetzt. Foto: Andreas Steindl
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Haben gemeinsam Großes in der Soers vor: PTSV-Vorsitzender Frank Schidlowski (r.) und ALRV-Vorstand Frank Kemperman.

Aachen. Der Post-Telekom Sportverein Aachen – kurz PTSV – ist in Not. Keineswegs in finanzieller Not. Sondern einer Not, die sich kurioserweise aus seinem Reichtum ergibt. Auch hier nicht finanziell gemeint – sondern mit Blick auf das unglaublich rasante Wachstum des Vereins.

2008 zählte der PTSV noch knapp über 1400 Mitglieder. Stand Mai 2018 sind es deren 3455 über alle Abteilungen von Boxen bis Badminton, Judo bis Ju Jutsu, Tennis bis Triathlon, Schwimmen bis Schach – um nur einige Abteilungen zu nennen – hinweg. Von einem riesigen Gesundheits-Kursangebot ganz zu schweigen. Der Verein platzt regelrecht aus allen Nähten.

Und natürlich Volleyball mit dem Aushängeschild schlechthin, dem Bundesliga-Damenteam „Ladies in Black“. Womit man bei der zweiten Notlage wäre, die sich ebenso kurios aus dessen Erfolgsgeschichte ergibt. Denn in Aachen gibt es keine bundesligataugliche Volleyballhalle. Gespielt wird mit Sondergenehmigung, und ab den Play-offs muss man ins belgische Maaseik ausweichen. Mit all dem soll endlich Schluss sein. Der PTSV will unbedingt räumlich expandieren. Er will dies in Nachbarschaft zu seiner Heimat im „Sportpark Soers“ tun und dabei nicht kleckern, sondern klotzen. Summen von bis zu 20 Millionen Euro stehen im Raum.

Altes Polizeipräsidium benötigt

Am Donnerstag präsentierten Vorsitzender Frank Schidlowski und sein Stellverteter André Schnitker die Pläne. Sie bezeichnen sie noch als „grob“, doch in einer mehr als 20 Seiten starken Hochglanzbroschüre sieht das schon recht konkret aus. Trotzdem: „Wir sind am Anfang und legen jetzt konkret los“, sagt Schidlowski. Konkret erst jetzt, weil dazu Voraussetzungen nötig waren. Der PTSV braucht für seine Pläne einen Teil der Flächen, auf denen noch das Polizeipräsidium steht, das aber Anfang 2019 aufgegeben wird. Die Politik hat sich jüngst dafür ausgesprochen, auf diesen mehr als 30.000 Quadratmetern besagten Sportpark, in dem die Reitstadien, der Tivoli und die Eissporthalle stehen, zu erweitern.

Partner sollen dabei der PTSV und der ALRV, der ebenfalls dringenden Expansionsbedarf hat, sein. Damit rückt für die Vereine Planungssicherheit in greifbare Nähe. Einen dicken Knackpunkt gibt es noch:  Die Stadt muss dem Land das Grundstück abkaufen und mit dem zuständigen Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW darüber verhandeln. Ein Problem dabei: Das 1980 eröffnete Präsidium ist offenbar unter anderem stark mit Asbest belastet. Die Abrisskosten werden derzeit auf fünf Millionen Euro geschätzt. Die Frage ist, wer das bezahlt.

Eine  Volleyballhalle für sechs Millionen Euro

Der PTSV will mehrere Dinge realisieren. So natürlich die Volleyballhalle mit 2500 Sitzplätzen, die sich am Vorbild Maaseik orientiert und rund sechs Millionen Euro kosten würde. Sie könnte auch anderen Sportarten offenstehen. Denn die Vermietung könnte eine der Säulen sein, die zum Finanzierungskonzept des Vereins gehören. Alleine die Einnahmen aus den Bundesligaspielen können und sollen diese nämlich nicht sicherstellen. Da hat der PTSV sicher auch das Negativbeispiel Tivoli in der Nachbarschaft vor Augen. „Man weiß ja nicht, ob wir auch mal wieder in der 2. Liga oder woanders spielen“ , ist Schidlowski vorsichtig. Ein Bereich kann nebst Veranstaltungssaal an einen Caterer verpachtet werden. Eine Vermarktung des Hallennamens ist auch denkbar. Ebenso eine Vermarktung für andere Zwecke – Kulturevents etwa. Wobei das ausdrücklich kein vorrangiges Ziel sei. So werde die Halle nicht so gebaut, dass sie multifunktional für alle Zwecke umbaubar wäre. Das würde laut Frank Schidlowski zu teuer.

Ein Teil des Ideenbündels ist auch eine Volleyballakademie für den Nachwuchs aus der ganzen Umgebung. Und: „Unsere Jugendtrainer können sich vor Nachfrage kaum retten“, erzählt André Schnitker. Auch das ist zum Teil eine Folge des sportlichen Erfolgs der „Ladies“. Demgegenüber stehen aber kaum genügend Trainingszeiten in städtischen Hallen. Oft liegen sie in insbesondere für die Kinder ungünstigen Zeiten nach 17 Uhr. Mit eigenen Hallenkapazitäten – unter anderem in Multifunktionsbereichen neben der Volleyballhalle – könnte das entzerrt werden.

Auch die Ansiedlung von Ärzten und einer Physiotherapiepraxis sei vorstellbar. Oder auch Dinge wie eine Bowlingbahn oder Platz für den boomenden „eSport“. Zudem werden Büros gebraucht. Die Mitarbeiterzahl ist von vier auf 17 gestiegen. Man könnte diese Liste  fortsetzen. Sollte die Finanzierung nicht ganz hinkommen, will der PTSV das nicht auf Teufel komm raus durchziehen. Die Pläne sind modular angelegt, man kann sie auch Zug um Zug realisieren.

Moderne Ställe für den ALRV

Zusammen mit dem ALRV soll es ein gemeinsames Gebäude als Entree geben. Nebenan würde der ALRV seine neue Reithalle als Ersatz für die Albert-Vahle-Halle bauen, die abgerissen und durch moderne Ställe – auch für den ALRV ist das eine Grundvoraussetzung für die Sicherung des Spitzensports in Aachen – sowie Trainingsplätze ersetzt werden soll. Zudem sind in den gemeinsamen Überlegungen noch Stellplatzbereiche vorgesehen. Auch ALRV-Vorstand Frank Kemperman, gestern Gast bei der PTSV-Präsentation, betonte die Synergien dieser Projekte. Ideen hat „sein“ Verein ebenfalls schon, man sei allerdings mit den Planungen noch nicht so weit wie der PTSV.

Dem sitzt sein Platzmangel ebenso im Nacken wie die Volleyballbundesliga. Deswegen will man auf die Tube drücken, wenn besagte Rahmenbedingungen geklärt sind. Mit welchen Grundstücks-, Betreiber-, Finanzierungs- und letztlich Angebotsmodellen, soll sich noch klären. Für Schidlowski gibt es da keinerlei Denkverbote. Und die Zeitschiene? „Wenn alles völlig reibungslos laufen würde, dann sprechen wir von 2021“, so der Vorsitzende. Erfahrungsgemäß ist das wohl etwas optimistisch. Unter dem Strich aber könnte der PTSV mit seiner Eigeninitiative aus seinen – eigentlich erfreulichen – Nöten eine Tugend machen, die auch noch vielen anderen zugutekommen würde.

 

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