Psychologie des Terrors: Ludger Engels inszeniert „Die Ereignisse“

Von: Lilian Killmeyer
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„Ein Versuch, sich von Pauschalverurteilen zu lösen“: So kennzeichnet Regisseur Lugder Engels seinen Ansatz bei der Inszenierung von „Die Ereignisse“. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Staatlich subventionierte multikulturelle Propaganda“ nennt ein rechtspopulistischer Politiker den von Claire, der Protagonistin des Stückes, gegründeten Chor – und Regisseur Ludger Engels betont: „Diese Aussage könnte heute genau so gemacht worden sein, zum Beispiel vom gerade gewählten US-Präsidenten Donald Trump.“

Es waren Flüchtlinge, Senioren, Immigranten, Arbeitslose und junge Mütter, die in Claires Chor zusammen gesungen haben. Bis ein Junge den Saal stürmte und das Feuer eröffnete. Die Auslöschung einer seiner Meinung nach verweichlichten Gesellschaft war das Motiv für den Terror. Claire selbst überlebte zwar, doch die unerträglichen Fragen nach dem Warum lassen sie nicht mehr in ihr altes Leben zurückfinden.

Es sind Fragen, die heute, rund zehn Jahre nach Veröffentlichung des Stücks „Die Ereignisse“ des schottischen Autors David Greig, aktueller sind als je zuvor. Jetzt bringt das Theater Aachen dieses Schauspiel auf die Bühne der Kammer: Am Dienstag, 2. Dezember, um 20 Uhr findet die Premiere statt.

Vor dem Hintergrund der Attentate von Anders Breivig 2011 in Oslo entwickelte Greig ein brisantes Stück über die Unfähigkeit, begreifen zu können, ein Stück über die schwere Entscheidung zwischen Rache und Vergebung und das Verarbeiten von Traumata beim gemeinsamen Singen. „Die einzigen Mittel, die ich habe, sind Kunst oder Gewalt. Ich war nie gut im Zeichnen“, sagt lapidar der Junge zur Motivation der von ihm verübten Morde. Und je mehr Claire forscht, desto uneindeutiger werden die Erklärungen, desto mehr entzieht sich das Böse dem Begreifen.

„Das Stück ist ein Versuch, sich loszulösen von Pauschalverurteilungen“, erklärt Ludger Engels. Denn es sind stets verschiedene Ereignisse, Situationen und Umstände, die einen Menschen zu einem solchen Attentat bewegen. So spielt der Junge (Hannes Schumacher), dem im Stück kein Name zugewiesen ist, unterschiedliche Rollen, von denen aus er sich selbst betrachtet und analysiert. Und auch Claire ist doppelt besetzt (Elisabeth Ebeling, Marie Hacke): einmal als junge Frau kurz nach der Tat und dann Jahrzehnte später als Frau, die mit dem erlebten Schrecken leben musste.

Eng in die Inszenierung eingebunden ist der vom Regisseur und dem Aachener Kreischorleiter Manfred Lutter angeführte Laienchor, der ebenso wie im Stück aus Bürgern verschiedenster Herkunft und Nationalität besteht. Der grausame Tathergang wird auf der Bühne nicht gezeigt, vielmehr geht es um so ziemlich alles, was einen danach umtreiben kann, aber auch um Menschlichkeit und das, was unsere Gesellschaft zusammenhält und was sie trennt.

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