Pseudo-Anwalt zockte gutgläubige Krankenschwester ab

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen. Der Angeklagte Thomas B. (46) gab sich als Anwalt aus und soll zwischen Sommer 2012 und April 2013 eine aus Baesweiler stammende Krankenschwester um 17.000 Euro betrogen haben. Ein Fall, der durchaus geschehen kann und normalerweise níchts Besonderes ist, möchte man sagen.

Doch die Zutaten des Falles vor der 7. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht sind ungewöhnlich. Denn der Angeklagte Thomas B. (46) ist ein einschlägig vorbestrafter Betrüger, den eine bekannte Aachener Anwältin vor etwa zwei Jahren im Knast ehelichte. Da saß er noch wegen wiederholter Betrugsgeschichten in Sicherungsverwahrung und kam durch die Bemühungen der Anwältin Maria B. aus dem Knast frei. Sie kannte sich in der höchstrichterlichen Rechtsprechung Sicherungsverwahrte betreffend genauestens aus und klagte ihn frei.

Doch auch gegen Maria B. ist inzwischen vor dem Aachener Landgericht Anklage erhoben worden, ebenfalls wegen gewerbsmäßigen Betruges, aber wegen einer anderen Vorgehensweise. Bei ihr beruht der Vorwurf auf Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft, nach denen die Strafrechtlerin zwischen 2007 und 2012 erhebliche Summen an Mandanten-Geldern unterschlagen haben soll.

Im Chatroom kennengelernt

Ihr Ehemann – vor Gericht hieß es, die Beziehung sein noch „intakt“ - machte sich über eine Webseite an sein 42-jähriges Opfer heran. Die Zeugin berichtete am Montag dem Kammervorsitzenden Richter Matthias Quarch, wie sie in die am Ende kostspielige Beziehung hinein geschlittert war. Sie sei unzufrieden in ihrer laufenden Beziehung gewesen, meinte die Mutter einer 20-jährigen Tochter.

Sie klickte eine Partner-Webseite an, in den Chats traf sie auf Thomas B. „Vielmehr fand er mich“, erinnerte sie sich. Sie vereinbarten ein Treffen am Elisenbrunnen. Er gab an, Anwalt zu sein. Und er gestand ihr ebenso, dass er mit einer Aachener Strafrechtlerin verheiratet sei. Auch sie verstünden sich nicht mehr, und er wolle sich von ihr trennen. Sogar das Haus mit der Kanzlei in der Augustastaße zeigte er ihr, eine Visitenkarte mit seinem Namen und der Bezeichnung „Anwalt“ habe er gleichfalls besessen, beschrieb sie, warum sie ihm so bedingungslos geglaubt hatte.

Dreistes Abzockerspiel

Und dann begann der Angeklagte nach den Schilderungen der Zeugin sein Abzockerspiel. Er habe Verbindungen zu einer Düsseldorfer Wirtschaftskanzlei, die ihn bräuchte, um Verbindungen zum Volvo-Management in Schweden aufzunehmen. Er müsse jetzt reisen, sagte er, habe aber kein Konto wegen der Trennung von Anwältin Maria B.. So gab ihm die neue Frau bereitwillig ihre EC-Karte mit Vollmacht. Damit räumte er nach und nach das Konto ab, zog die Auszüge selber und berichtete ihr, auf dem Konto, auf das sie wegen eines Autoverkaufs kurz zuvor noch 15.000 Euro eingezahlt hatte, sei alles in Ordnung.

Er habe sich sehr charmant gezeigt, sei freundlich zu ihrer Tochter und den Eltern, die mit im Haus wohnten, gewesen. Er habe sie auch mit auf angebliche Geschäftsreisen etwa nach Wien mitgenommen, da seien sie sogar mehrfach gewesen. Doch dann im Februar 2013 habe er ihr gestanden, dass das Konto überzogen sei. Sie stand unter Schock, sprach mit einer Freundin, die die richtige Identität von Thomas B. herausbekam. Dann flog alles auf. Er soll auch noch ein zweites Opfer betrogen haben, dabei ging es aber „nur“ um 500 Euro. Der Prozess geht diesen Freitag weiter.

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