Aachen - Prüfer lassen kein gutes Haar am Super C

Prüfer lassen kein gutes Haar am Super C

Von: Stephan Mohne
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Das neue TH-Prunkstück im Vis
Das neue TH-Prunkstück im Visier der Rechnungsprüfer: Der Landesrechnungshof übt hinsichtlich des Super C-Baus in seinem neuen Bericht in mehrfacher Hinsicht scharfe Kritik an der Hochschule und am Bau- und Liegenschaftsbetrieb Foto: Michael Jaspers

Aachen. Für die RWTH ist es der Vorzeigebau einer modernen technischen Hochschule, für den Landesrechnungshof (LRH) ist es ein Paradebeispiel für mangelhafte Projektsteuerung und unnötige Geldausgaben. So nimmt das Super C am Templergraben im frisch veröffentlichten Jahresbericht des LRH gar ein eigenes Kapitel ein.

Scharfe Kritik müssen dabei sowohl der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) als Bauherr und Vermieter als auch die TH als Mieterin einstecken. Die Rede ist - in einer ganzen Listen von Kritikpunkten - von Fehlplanungen beim Raumprogramm wie auch von überzogenen Mietforderungen des BLB gegenüber dem Landesetat. BLB und TH selbst haben die meisten Kritikpunkte in einer Stellungnahmen gegenüber dem LRH zurückgewiesen. Details aus dem Bericht:

Kosten: Es war im Jahr 2000, als die TH unter wissenschaftlichen Mitarbeitern der Fakultät für Architektur einen Wettbewerb für ein „Studierenden-Service-Zentrum” ausschrieb. Zwei Mitarbeiterinnen siegten und erhielten den Auftrag für die Planung. Ursprünglich hatte man 12,8 Millionen Euro als Baukosten kalkuliert. Das erwies sich als unrealistisch. Die RWTH habe dann anhand von Richtwerten 16,8 Millionen berechnet. Drei Ministerien (Bau, Wirtschaft, Wissenschaft) hätten schließlich den Plan 2005 genehmigt - mit Baukosten von nun 22,3 Millionen Euro. Am Ende landete der Bau sogar bei rund 24 Millionen Euro.

Räume: Ursprünglich sehr offen geplant, fiel der TH-Spitze acht Monate nach der Genehmigung auf, dass es nun zu viele geschlossene Räume gab, die „wie bei einem Finanzamt” wirkten. Ergo sollte die Studienberatung nicht wie geplant ins Super C umziehen. Ohne weitere Genehmigung, so der LRH, sei das Gebäude durch die TH und den BLB „erheblich umgeplant” worden, wobei vermeidbare Kosten entstanden seien. Im Gegensatz zur Genehmigung seien nicht nur die Studienberatung, sondern auch interdisziplinäre Foren und Büros für Technologietransfer aus dem Gebäude gekegelt worden. Nur 82 Prozent der Flächen würden für die genehmigten Zwecke genutzt. Den Vogel schießt aus Sicht der Planer die Versammlungsstätte auf der 6. Etage ab. Die Flächen böten laut den genehmigten Unterlagen Platz für 1100 Menschen, Fluchtwege seien aber nur für 400 Personen eingeplant gewesen. Zitat aus dem Prüfbericht: „Da die Entwurfspläne nicht geändert wurden, können dort in einem flächenmäßig vollkommen überzogenen Rahmen ausschließlich Veranstaltungen für höchstens 400 Personen abgehalten werden.” Laut Landesrechnungshof ein „gravierender Planungsmangel”, der schon früher hätte auffallen müssen.

Vergabe der Architektenleistungen: Wie gesagt, sei der Wettbewerb ausschließlich TH-Mitarbeitern vorbehalten gewesen. Die Gewinnerinnen hätten schließlich eine „freiberufliche Architektinnengemeinschaft” gegründet und mit dem BLB einen Vertrag über 900.000 Euro für weitere Architektenleistungen auf Basis ihres Entwurfs geschlossen. Der LRH sieht hier einen „schweren Verstoß gegen die einschlägige Vergabeordnung. Das sei „nicht zu billigen, sondern nachdrücklich zu verfolgen”.

Projektmanagement: Das Super C sei „ohne angemessene inhaltliche Prüfung” genehmigt worden, so der LRH. Außerdem habe es „erheblich an einer konstruktiven Steuerung des Bauprojekt” gemangelt. Insgesamt mangele es seit Gründung des BLB 2001 im Land an verbindlichen Vorschriften zur Projektsteuerung.

Miete: Diese betrage anfangs 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Viel zu viel, meinen die Prüfer - auch aufgrund der besagten, aus ihrer Sicht vermeidbaren, Kostensteigerungen. Ihrer Rechnung nach müsste die Belastung für den Miethaushalt des Landes 600.000 Euro niedriger liegen. So habe der BLB „nachträgliche Mehrkosten des Generalunternehmers ohne Grund” anerkannt (2,33 Millionen Euro). Diese habe der BLB zu tragen. Auch die TH müsse wegen ihrer „Sonderwünsche” 230.000 Euro jährlich aus eigener Tasche bezahlen, weil die „unabgestimmten und vermeidbaren Umplanungen” nicht zu Lasten des Landesetats gehen dürften. Dem haben BLB und RWTH widersprochen.

Aachens BLB-Chef Harald K. Lange hatte den Prüfbericht am Montag noch nicht gelesen. Er sagte zu, sich am Dienstag dazu zu äußern. Rektor und Kanzler der TH waren am Montag wegen Krankheit bzw. Terminen nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
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