Prozess um flotte Flitzer dreht Extrarunde

Von: Oliver Schmetz
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Im Winter fuhr der Ex-DRK-Geschäftsführer einen Fiat Panda. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Gestolpert ist er vor ziemlich genau zwei Jahren schlagzeilenträchtig über dicke Dienstwagen, doch von schweren BMWs und schnellen Corvettes ist im Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Aachen-Stadt, Gerhard H., kaum noch die Rede.

Der Grund: Bei den flotten Flitzern liegen die Dinge ziemlich klar, wird die Verteidigung kaum den Untreuevorwurf entkräften können.

Anders sieht es bei den Beraterverträgen aus: Gut 70.000 Euro sollen da laut Anklage geflossen sein - auf Anweisung von H. und zum großen Teil in die Taschen des damaligen DRK-Vorsitzenden Georg N., allerdings ohne dass es eine entsprechende Leistung gegeben habe.

Doch ist die Beweislage bislang nicht eindeutig, und an dieser Front will H.´s Anwalt Gottfried Reims keinen Boden preisgeben - weswegen der Prozess auch nach dem sechsten Verhandlungstag noch nicht die Zielflagge gesehen hat.

Statt eines schon allseits erwarteten Urteils wird im Prozess gegen den Liebhaber schneller Autos nun eine Extrarunde gedreht: Am Dienstag, 24. März, will die Verteidigung noch eine DRK-Buchhalterin befragen, ob den Beratungsrechnungen nicht doch Leistungen gegenüberstanden.

Bei den zahlreichen Zuschauern im Gerichtssaal verstärkte sich indes am Montag einmal mehr der Eindruck, dass beim Roten Kreuz in Aachen die Tausender recht locker über den Tisch gingen - und dass bei den Beratungsgeschäften nicht der Bedarf an Beratung, sondern eher die finanziellen Nöte des damaligen Vorsitzenden im Vordergrund standen.

Er habe sich Ende 2002 „in einer sehr schwierigen wirtschaftlichen Situation” befunden, erklärte dieser im Zeugenstand, und Gerhard H. habe ihm dann angeboten, Rechnungen zu stellen.

Anfangs habe es auch noch entsprechende Gegenleistungen gegeben, sogenannte „Reflexionsgespräche”, erklärte der Zeuge. Allerdings räumte er ein, dass es solche Treffen ähnlichen Inhalts zwischen Geschäftsführer und Vorsitzendem auch in den Jahren vorher gegeben habe - ohne dass Honorare geflossen seien.

Und: „Ich stelle nicht in Abrede, dass auch Rechnungen erstellt worden sind, ohne dass es Leistungen gab.” Dass Georg N. erneut in den Zeugenstand trat, passte der Verteidigung überhaupt nicht.

Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft hatte das Verfahren gegen den Ex-DRK-Vorsitzenden zwischenzeitlich endgültig eingestellt, so dass dieser sich nicht mehr auf sein Auskunftsverweigerungsrecht berufen konnte und erstmals zur Sache aussagte.

Für Verteidiger Reims war dies ein Akt der „Beliebigkeit und Willkür”, er lehnte die Zeugenvernehmung ab. Richter Harald Brandt, der das Agieren der Staatsanwaltschaft zwar als „rechtsfehlerhaft” rügte, wies dieses Anliegen mit deutlichen Worten zurück: „Ihr Mandant hat keinen Anspruch darauf, dass der Zeuge zu seinen Gunsten von seinem Auskunftsverweigerungsrecht Gebrauch macht.”

Nun gibt es am 24. März um 11.30 Uhr die nächste Runde - und ein paar Stunden später vielleicht das Urteil.
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