Prozess gegen Neonazis wegen Tritten und Schlägen

Von: Michael Klarmann
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Aachen. Weil sie Vertreter des Jugendverbandes der Partei Die Linke angegriffen haben sollen, müssen sich nun Neonazis vor dem Schöffengericht des Amtsgerichtes Aachen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden Führungskadern der „Kameradschaft Aachener Land” (KAL) aus Düren und Vettweiß gefährliche Körperverletzung vor. Verletzt wurden am 27. März 2010 bei der Auseinandersetzung in der Adalbertstraße drei Mitglieder der linken Szene, zwei davon mussten ambulant im Krankenhaus behandelt werden.

An besagtem Samstag hatten Neonazis in Aachen Flugblätter für die fremdenfeindlichen Aufmärsche in Stolberg verteilt, die seit Jahren Anfang April stattfinden. Im Umfeld eines Infostandes der Linksjugend am Kugelbrunnen, an dem wiederum zu Protesten gegen die Aufmarschserie aufgerufen wurde, kam es dabei zu Reibereien und Rangeleien im Bereich der Fußgängerzone.

Nachdem Polizisten den Neonazis Platzverweise erteilt hatten, kam es in Höhe des Kaufhofs zu den schwersten Vorfällen an dem Tag. Dabei sollen laut Anklage Neonazis aus einer Gruppe heraus Vertreter der Linksjugend mit Pfefferspray und Schlägen attackiert haben. Ein Vertreter der Linken ging dabei zu Boden, einer der Neonazis soll dem Opfer dann noch gegen den Kopf getreten haben. Einer der beiden Angeklagten, ein Student aus Düren, äußerte sich Ende Mai am ersten Prozesstag nicht zu den Vorwürfen. Ein Polizist, der im März 2010 privat vor Ort war, hatte indes im Zeugenstand den Angeklagten als denjenigen identifiziert, der zugetreten haben soll.

Ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes und der Beamte hatten seinerzeit den Neonazi nach den tumultartigen Zuständen verfolgt, zu Boden gebracht und festgehalten, bis Streifenbeamten eintrafen. Als Zeuge sagte der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Freitag, dabei seien sie von anderen Neonazis bedroht und fotografiert worden. Der Neonazi, der seinerzeit die Fotos gemacht hatte und später ebenso in Gewahrsam genommen worden war, sagte wiederum am Freitag als Zeuge aus, zuerst hätten die Linken sie damals „bedroht” und den Disput „angefangen”.

Der zweite Angeklagte in dem Prozess, der „Kameradschaftsführer” der KAL aus Vettweiß, hatte zu Prozessbeginn über seinen Anwalt eine Tatbeteiligung bestritten. Er sei zwar vor Ort gewesen, habe aber selbst niemanden attackiert. Beide Angeklagten sind strafrechtlich schon mehrfach teils erheblich aufgefallen. Der aktuelle Prozess gegen sie wird am kommenden Freitag fortgesetzt. Dann sollen weitere Neonazis als Zeugen gehört werden.

Ein Urteil wird am dritten Prozesstag erwartet.
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