Protestaktion der Müllwerker auf Katschhof: Droht nun Warnstreik?

Von: Oliver Schmetz
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Zu Besuch beim Chef: Gut 100 städtische Müllwerker kreuzten gestern Mittag vor dem Bürofenster des Oberbürgermeisters auf und ließen im aktuellen Tarifstreit erstmals die Muskeln spielen. Foto: Andreas Steindl
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Kontrahenten im Tarifstreit: Verdi-Sekretär Mathias Dopatka (l.) und OB Marcel Philipp (r.). Foto: Steindl

Aachen. Wenn man kleinen Kindern Trillerpfeifen in die Hände drückt, pfeifen sie aus Leibeskräften. Und sie hören auch nicht sofort damit auf, wenn der Oberbürgermeister das Megafon in die Hand nimmt – selbst wenn dieser nun gerade nicht ausgepfiffen werden soll.

Denn Marcel Philipp ist an diesem Dienstagmittag bei der ersten sanften Streikaktion seiner Müllwerker auf dem Katschhof ein durchaus gern gesehener Gast. Doch woher sollen Kindergartenkinder das wissen? Also kassiert der OB ein kleines Pfeifkonzert, obwohl doch alle hören wollen, was er sagt. Aber immerhin erteilt keiner Philipp eine Abfuhr.

Dabei hätte der Protest die Kita-Unterstützung gar nicht gebraucht. Wenn gut 100 Müllmänner mit etwa zwei Dutzend schweren Fahrzeugen den Katschhof ansteuern, ist das für sich schon eine eindrucksvolle Aktion. Und jeder Passant weiß sofort, dass die städtischen Abfallfachkräfte da nicht nur im rein dienstlichen Auftrag unterwegs sind – so viel Müll wird schließlich im Rathaus nun auch wieder nicht produziert. Aber ein richtiger Streik ist es auch nicht. Die Gewerkschaft Verdi und die städtischen Mitarbeiter wollen bloß ein erstes Mal die Muskeln spielen lassen im aktuellen Tarifstreit im öffentlichen Dienst. Weh tun will man sich (noch) nicht.

Deshalb bedankt sich Philipp erst einmal freundlich bei seinen Müllwerkern, dass sie sich das Schichtende für ihren Warnstreik ausgesucht haben und kein Bürger auf seinem Müll sitzen bleiben muss. „Wir sollten das seriös miteinander austragen“, appelliert der OB, „und die Positionen deutlich machen, ohne uns gegenseitig in die Pfanne zu hauen.“ Lob gibt es im Gegenzug auch von Verdi-Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka für Philipp, weil dieser sich die Protestaktion nicht von seinem Bürofenster aus anschaut, sondern hinunterkommt, Hände schüttelt und Stellung bezieht.

Doch was die Positionen angeht, liegen zwischen den Tarifparteien tiefe Gräben. Das kann man schon an den nackten Zahlen erkennen: Sechs Prozent mehr Lohn fordert Verdi, ein Prozent mehr ab dem 1. Juni 2016 und zwei Prozent ab dem 1. Juni 2017 bieten die Arbeitgeber. Letzteres nennt Marc Topp, Vorsitzender des städtischen Gesamtpersonalrats, am liebsten nur ein „sogenanntes Angebot“, weil er es eher für einen „Akt der Missachtung“ hält. Außerdem entspreche ein Prozent mehr Geld ab Juni aufs Jahr gesehen gerade einmal 0,6 Prozent Lohnerhöhung – womit sich das „sogenannte Angebot“ für Topp auch noch als „Mogelpackung“ entpuppt.

Dass die Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge überdies Zusatzbeiträge für die Arbeitnehmer forderten, sei „schizophren“, so Topp. Schließlich gebe es bei den Versorgungskassen in NRW kein Finanzierungsproblem. Stattdessen müsse im öffentlichen Dienst „gutes Geld für gute Arbeit“ gezahlt werden, zumal die Einnahmen der Kommunen im vergangenen Jahr gestiegen seien.

Dass Philipp das als Chef einer notorisch klammen Kommune anders sieht, verwundert nicht – zumal der OB auch Vorsitzender des Kommunalen Arbeitgeberverbandes ist. Ein neues Angebot hat er an diesem Dienstagmittag auch nicht im Gepäck, sondern verweist auf das aktuelle, das bis zum Donnerstag nächster Woche, wenn die nächste Tarifrunde ansteht, Diskussionsgrundlage sei. Einen Reallohnzuwachs, verspricht Philipp, werde es aber „in jedem Fall“ geben.

Den Gewerkschaften dürfte das zu wenig sein. Dopatka kündigt für Mitte nächster Woche einen ersten ganzen Warnstreiktag in der Aachener Stadtverwaltung an – und nicht nur bei den Müllwerkern. Für Philipp wird es dann vermutlich kein Pfeifkonzert geben, aber wohl eine erste Abfuhr.

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