Protest gegen eine Kanalisierung geht weiter

Von: Stephan Mohne
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Bald verschwunden? In Haaren plätschert ein kleiner Bach durch die Gärten. Der soll bald in die Kanalisation umgeleitet werden. Dagegen machen Bürger sogar bei Gericht mobil. Foto: Ralf Roeger
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Der Bach im Ratssaal: Astrid Urgatz von der Bürgerinitiative hatte eine Präsentation der besonderen Art parat. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Für eine Minute erklingt im Ratssaal ein Bach. Nicht etwa ein Johann Sebastian. Es ist ein leises Plätschern, das aus den Lautsprechern eines Laptops kommt – und auf dem Bildschirm wird das Ganze untermalt mit bewegten Bildern. Die kurze Vorführung hat Astrid Urgatz gestaltet.

Sie gehört jener Bürgergruppe an, die gegen die Kanalisierung besagten Bachs seit Wochen mobil macht. Dieser kleine Wasserlauf nimmt seinen Ursprung oben auf dem Haarberg nahe dem jüdischen Friedhof und fließt dann bergab Richtung Alt-Haarener-Straße. Dort geht es durch Rohre unter Häusern hindurch, bevor das Bächlein für einige hundert Meter wieder ans Tageslicht kommt und durch Gärten fließt, bevor es dann endgültig am Eibenweg in der Kanalisation verschwindet.

Nach aktuellen Plänen soll auch der restliche Teil des Baches demnächst in den Kanal geleitet werden, der neu unter der Alt-Haarener-Straße gebaut worden ist. Das erfuhren die Anwohner per Zufall und schlugen Alarm. Mittlerweile ist das Thema via Rechtsanwalt auch bei Gericht gelandet. Notfalls juristisch wollen die Anwohner das Ansinnen der Verantwortlichen unterbinden lassen. Denn sie wollen partout nicht einsehen, was die Stadt als Begründung für die Maßnahme anführt.

Der Bach, so die Stadt, sei nämlich gar kein Bach, sondern seit den 1970er Jahren eben ein Teil des Entwässerungssystems. Zudem seien die Rohre unter den Häusern marode und müssten aufwendig saniert werden. So das Ganze dann ein Bach wäre, müssten das die Hausbesitzer bezahlen, lautet ein Drohszenario, von dem sich die Betroffenen aber nicht haben einschüchtern lassen.

Astrid Urgatz präsentierte gestern noch einmal die Chronologie der ungewöhnlichen Geschichte, die Anfang Mai begann. Seither ist viel korrespondiert worden – meist allerdings nur in eine Richtung. Die meisten Anfragen an verschiedenste Stellen – darunter auch Briefe an den OB – seien unbeantwortet geblieben. Weswegen man sich schließlich dazu durchgerungen habe, den Klageweg zu beschreiten. Denn, so die Begründung: Der Bach sei durchaus wichtig fürs Haarener Mikroklima. Umso mehr, als Haaren extrem ungünstige Rahmenbedingungen in Sachen Luftqualität habe.

Probleme mit Luftqualität

Was sich in der Tat darin zeigt, dass es hohe Schadstoffwerte im Ort gibt – Messungen zufolge sogar höher als in den höchstbelasteten Gebieten der Innenstadt, wegen derer jetzt die Umweltzone eingerichtet werden soll. Und genau deswegen haben die Grünen jetzt gefordert, eine Messstation in Haaren zu platzieren und Haaren auch in die Umweltzone einzubeziehen, so diese Ende des Jahres wirklich kommt (siehe 1. Lokalseite).

Nun ist es aber nicht so, dass die Anwohner Beton anrühren würden. Astrid Urgatz betonte gestern im Bürgerforum, dass man die Klage aussetzen werde, wenn es seitens der Verwaltung einen konkreten Termin geben würde, an dem man das Thema mit Experten erörtern könne. Erörtern konnten die Mitglieder des Bürgerforums das Thema gestern allerdings nicht. Durch die Klage handele es sich um ein schwebendes Verfahren, hatte das Rechtsamt vorab mitgeteilt. Und ein solches könne nicht Teil der Ausschussdiskussion sein. Das Ende dieser außergewöhnlichen Geschichte um einen kleinen, aber feinen Bach in Haaren bleibt jedenfalls vorerst offen.

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