Taxifahrer protestieren in Aachen

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Protest gegen Billig-Konkurrenz: Wenn Taxifahrer auf der Strecke bleiben

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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„Kasse leer, Schnauze voll“: Mit plakativen Sprüchen machen über 70 Taxifahrer mobil gegen Mietwagen-Missbrauch und fehlende behördliche Kontrollen – auch am Elisenbrunnen. Foto: Michael Jaspers
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„Kasse leer, Schnauze voll“: Mit plakativen Sprüchen machen über 70 Taxifahrer mobil gegen Mietwagen-Missbrauch und fehlende behördliche Kontrollen – auch am Elisenbrunnen. Foto: Michael Jaspers
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„Unsere Existenz ist bedroht“: Taxifahrer Sükrü Düztas gehört zu den Initiatoren der Protest-Aktion. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn die Taxi-Branche auf der Strecke bleibt, sehen die Fahrer Rot. Begleitet von Blaulicht, Polizei und reichlich Staus sind Mittwochmittag in einer beispiellosen Aktion über 70 Taxifahrer in einer Protestfahrt durch die Aachener Innenstadt geschlichen.

„Kasse leer, Schnauze voll“, „Lieber Hartz IV als Taxiunternehmer“, „Unsere Existenz ist gefährdet“ – so lauten die Slogans der Droschkenchauffeure. Dabei richten sich die Vorwürfe der Taxifahrer vor allem gegen die Billig-Konkurrenz der Mietwagen-Betreiber, deren Fahrer – so die Kritik – sich regelmäßig nicht an die Vorschriften halten würden. Und die damit quasi – dank behördlicher Nachlässigkeiten – quasi Alleinstellungsmerkmale der an höhere Transporttarife gebundenen Taxi-Zunft untergraben würden.

„Es reicht! Ich arbeite seit 30 Jahren als Taxifahrer in Aachen, aber es wird immer schlimmer. Das ist längst absolut existenzgefährdend“, sagt Sükrü Düztas. Er gehört zu den Initiatoren der ungewöhnlichen Demonstration. Um 11 Uhr setzt sich die Polonaise der Taxifahrer am Hauptbahnhof in Bewegung. Genau 72 der insgesamt rund 185 Aachener Taxis rollen nacheinander die Wilhelmstraße, den Kaiserplatz, Blondelstraße, Seilgraben, Templergraben, Karlsgraben, Löhergraben, Alexianergraben entlang – bis zum Elisenbrunnen. Es wird gehupt und skandiert. Andere Autofahrer müssen warten, Passanten staunen. Über eine kleine Lautsprecheranlage erklären die Taxifahrer, worum es geht.

Mietwagen-Fahrer würden – obwohl ihnen das im Gegensatz zu Taxis nicht erlaubt ist – Fahrgäste am Fahrbahnrand auflesen, vor Veranstaltungsstätten auf Kundschaft warten und Bus- wie Taxispuren benutzen. „Die verursachen jedes Wochenende Chaos“, tönt es aus den Lautsprechern. Es gehe angesichts der Mietwagenschwemme um Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent. Vor allem vor Diskotheken, wenn sich Taxis und Minicars gegenseitig die Kundschaft streitig machen. Dabei sei gesetzlich klar geregelt, dass Mietwagen nur auf ausdrückliche Bestellung zu ihren Gästen fahren dürften.

Apropos Fahrer: Die seien oft wenig geschult, unterbezahlt und zuweilen in Schwarzarbeit unterwegs, behaupten die Taxifahrer. Taxifahrer Riyad Jawesh fordert deshalb nachdrücklich, dass Behörden insgesamt Aufsicht und Kontrollen verstärken. Bei Taxifahrern und Mietwagenpiloten. „Ich bin schon mehrfach im Stadtrat gewesen und habe das der Politik vorgetragen. Wir brauchen mehr Kontrollen! Sonst gehen immer mehr Taxifahrer pleite“, sagt er. Kollege Robert Metzen stimmt zu: „Wenn sich nichts ändert, setzen wir unseren Protest fort“, erklärt er. Und wundert sich – wie viele seiner demonstrierenden Kollegen.

Weil weder Vorstände noch Geschäftsführung der führenden hiesigen Taxifunkzentralen der Aachener Autodroschkenvereinigung (AAV) und von Aria vor Ort die Protestaktion ihrer eigenen Fahrer unterstützen. Ob hierbei eine Rolle spielt, dass einige Taxiunternehmer gleichzeitig – hier kritisierte – Mietwagen betreiben, um über die Runden zu kommen, ist unklar. Bei der Protestdemo wird dieses „zweigleisige Fahren“ jedenfalls scharf kritisiert. Aus den Funkzentralen verlautet indes, man sei mit Behörden längst im Gespräch, um Missstände aufzudecken. Darum seien Protestaktionen derzeit fehl am Platze.

Man ist sich offenbar nicht grün. Auch angesichts einiger Aussagen von Vorständen, über die sich Taxifahrer schwarz ärgern.

 

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