Protest: 200 Lehrer aus der Städteregion legen die Arbeit nieder

Von: Christoph Classen
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Pädagogischer Protest wird auf die Straße getragen: 200 Lehrer demonstrierten in der Harscampstraße für bessere Bezahlung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Es ist vielleicht nicht das größte Lehrerzimmer, aber auf jeden Fall ist es das mit der höchsten Pädagogendichte. Zumindest an diesem Tag. Knapp 200 dürften es sein, die sich im Sitzungssaal des Verdi-Hauses an der Harscampstraße fast auf den Füßen stehen. Reinkommen ist unmöglich.

Drinnen spricht ein Mann ins Mikro, draußen kommt davon nur ein akzentuiertes Brummen an. Was der Redner sagt, scheint denen, die es verstehen, zu gefallen. Der Mann am Mikro wird oft von Applaus unterbrochen.

Die Lehrer, die sich in Aachen treffen, haben ihre Arbeit niedergelegt. Der überwiegende Teil sind angestellte Pädagogen, die verbeamteten Kollegen dürfen nicht streiken. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat zu der Aktion aufgerufen, es ist die erste ihrer Art in Aachen.

Welche Auswirkungen das auf den Unterricht an den weiterführenden Schulen in Aachen und der Städteregion hatte, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen. „Bis morgen sind die Schulen verpflichtet, uns zu melden, wie viele ihrer Lehrer am Streik teilgenommen haben und wo Unterricht ausgefallen ist”, sagte Christina Köntje, Pressesprecherin der Bezirksregierung Köln, auf Anfrage der AZ.

Eine Umfrage unter einigen Aachener Gymnasien ergab, dass dort der Unterrichtsbetrieb weitgehend reibungslos lief. Auch den Grundschulen ging der Warnstreik nahezu spurlos vorüber. „Uns liegen keine Informationen vor, dass es irgendwo Ausfälle gegeben hat”, sagt Schulrätin Ulla Roder.

Im Verdi-Haus kommt derweil Bewegung in den Saal. Walter Lohne, Hauptschullehrer und an diesem Tag auch Streikleiter im Dienste der GEW, ist der Mann, der eben noch für Außenstehende unverständlich ins Mikro gebrummt hat. Jetzt sitzt er ein einem kleinen Büro eine Etage höher, wo es ruhiger ist. Die Uhr, die hinter Lohne an der Wand hängt, zeigt beharrlich viertel vor Neun.

Dass sie stehengeblieben ist, war nicht so gewollt, aber es passt ganz gut zu dem, was Lohne jetzt sagt: „Zur Zeit richtet sich die Lehrerbesoldung nach einem Erlass.” Nach einem, der 1981 auf den Weg gebracht worden sei und seitdem unverändert den Zeiten trotze. Mit Blick auf die anstehenden Tarifgespräche ab kommenden Freitag fordert die GEW neben einem Lohnplus von drei Prozent einen zusätzlichen Festbetrag in Höhe von 50 Euro.

Zudem empfindet es Lohne als „himmelschreiende Ungerechtigkeit” dass ein Pädagoge an einer Hauptschule trotz gleicher Ausbildung weniger verdient als einer Realschule oder einem Gymnasium. Er fordert, dass das Gehalt eines Lehrers nicht von der Schulform abhängig sein darf.

Zudem kreidet Lohne die Gehaltsunterschiede zwischen angestellten und verbeamteten Lehrern an. „Der liegt durchschnittlich bei 500 Euro im Monat manchmal sind es sogar 700 Euro”, sagt er. Gerechtigkeit sähe anders aus. Und nicht zuletzt fordert er, die Zahl der befristeten Arbeitsverträge - allein im Regierungsbezirk Köln gebe es davon derzeit rund 8000 - zu Gunsten von unbefristeten Verträge zu verringern.

Juso-Schüler und Schüler-Union kritisieren Lehrermangel

Diese Problem betrifft alle Schüler, sagen der Vorsitzende der Aachener Juso-Schüler, Andor Schmitz, und der Vorsitzende der Landes-Schüler-Union, Phillip Eischet, und kritisieren Unterrichtsausfall und Lehrermangel.

Der Unterrichtsausfall wurde statistisch zuletzt zwar halbiert, doch sei laut den Jugendpolitikern jede ausgefallene Stunde zu viel. Es gibt zwei Aspekte, die sie aufgreifen: Einerseits den kurzfristigen Unterrichtsausfall durch etwa Lehrerfortbildungen, andererseits den landesweiten Lehrermangel, weil der Beruf nicht attraktiv genug sei.

Kurzfristige Vertretungen könnten über Externe wie ehemalige Lehrer oder Studenten kompensiert werden. „Das wäre eine gute Sache, insbesondere durch G8 ist jede einzelne Stunde noch wichtiger”, sagt Schmitz. An einzelnen Schulen wird dies bereits wirkungsvoll umgesetzt. „Insgesamt sollte die Kernaufgabe von Lehrern wieder der Unterricht sein”, erklärt Eischet.

Die Herausforderung sei es aber letztlich, mehr Lehrer zu finden - über zuletzt geschaffene Stellen hinaus, von denen aber auch 390 2010 unbesetzt blieben. Nur so ließe sich das langfristige Ziel, kleinere Klassen zu bilden, verwirklichen. „Dafür muss der Lehrerberuf wieder attraktiver werden”, sagt Eischet. Dabei sprechen die Nachwuchspolitiker auch das Thema Besoldung an. Das müsse man diskutieren. „Wichtig ist, dass wir dabei auch über den Beamtenstatus nachdenken”, erklärt Eischet. (tka)

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