Prost oder: Auf ein Pils mit der Kandidatin Daniela Jansen

Von: Albrecht Peltzer
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Gaststätte Kölnthor am Hansemannplatz: Daniela Jansen hält „Kneipensprechstunde“ ab. „Hier sind Menschen zusammen, die sehr kommunikativ sind, sagt die 39-jährige Sozialdemokratin. Foto: Michael Jaspers

Aachen. An der Theke geht es (noch nicht) um Jansen, sondern in erster Linie um Meier. Wahlweise Meier eins, zwei oder am besten „Meier aus“. Knobeln ist angesagt. Dazu ein Pils oder Alkoholfreies, je nachdem. Politik ist in diesem Moment nicht das Thema der Menschen in der Gaststätte Kölnthor am Hansemannplatz.

Eine typische Feierabendszenerie in der Kneipe, die ab gut 20 Personen schon „ziemlich überfüllt“ melden könnte. Gut besucht ist der überschaubare Flecken Freizeitanlage auch an diesem Nachmittag. Und es wird Besuch erwartet.

Daniela Jansen macht sich auf zur „Kneipensprechstunde“. Die 39-jährige Sozialdemokratin kandidiert erneut für den Landtag, in dem sie seit 2012 Sitz und Stimme hat. Kneipensprechstunde? Das klingt eher ungewöhnlich. Ist es wohl auch. Aber Jansen will ihren Slogan „Jans na dran“ nicht als Worthülse auf Plakaten stehen lassen. Wieso also Kneipensprechstunde? „Weil das ein Ort ist, wo immer viele Menschen zusammenkommen, die sehr kommunikativ sind“, sagt Daniela Jansen. Und eine Kneipe sei ein Ort, wo man Menschen erreiche, die vielleicht von sich aus nicht in Sachen politische Information aktiv werden. In diesem Fall sind sie in der Gaststätte Kölnthor.

„Ich wähle nicht“

Der Erste, der Daniela Jansen sieht, legt sich schnell fest: „Ne sympathische Person, aber gesehen habe ich die noch nie.“ Was vielleicht auch daran liegt, dass der Mann aus den Benelux-Staaten kommt und gar nicht in NRW wählt. Ein zweiter Kneipengast nimmt Reißaus, auch wenn es nur ein paar Meter Richtung Ausgang sind. „Ich wähle nicht“, sagt er, trinkt Sprudel aus der Flasche und stellt demonstrativ jegliche Kommunikation ein. Keine Kneipensprechstunde.

Daniela Jansen hat die „Flucht“ gar nicht mitbekommen. Vor der Sprechstunde drapiert sie Wahlkampfmaterial auf dem Tresen. Die üblichen Flyer, dazu Bierdeckel mit ihrem Konterfei und Slogan. Auf der Rückseite steht „Glas hier abstellen! Beide Hände frei zum Wählen.“ Nicht schlecht. Wobei – wer nimmt schon ein Pils mit ins Wahllokal? Geschenkt. Daniela Jansen ordert ein Radler – und schon ist sie mittendrin in der „Sprechstunde“.

Der freundliche Herr neben ihr, der unübersehbar ein Alemannia-Fan ist – „Ich geh da seit Jahrzenten hin“ – kommt mit der Landtagskandidatin ins Gespräch. Es geht um Rente. 45 Jahre hat er gearbeitet, und dennoch muss er Rentenabschläge hinnehmen. „Das ist nicht gerecht.“ Jansen könnte hier eine Stimme für sich gewinnen. Zu 70 bis 80 Prozent habe er sich entschieden, sagt der Mann. Und zwar für die SPD. Dennoch bleibt eine Unsicherheit. Mal sehen, wo das Kreuz landet. Jedenfalls nicht an der Stelle, an der andere Familienmitglieder ankreuzen werden – bei der AfD. „Das kommt für mich nicht in Betracht.“

Es ging richtig zur Sache

Kneipensprechstunde: An diesem Nachmittag geht es kommod zu. Das hat Daniela Jansen auch schon anders erlebt. Beim ersten Mal, im Ostviertel, „da ging es richtig zur Sache“, erinnert sie sich. Aber da war Jansen auch nicht alleine unterwegs, Mitglieder ihres Wahlkampfteams halfen beim – natürlich nur rhetorischen – Gefecht an der Front.

Vor fünf Jahren sagte Daniela Jansen, sie wolle das Direktmandat gewinnen, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Und sie hat das, doch überraschend, gewonnen. Gegen Armin Laschet, mit 4,2 Prozentpunkten hatte sie die Nase vorn. Fünf Jahre später stellt sich die Frage: Hat sie ihre Ziele erreicht? „Wenn ich alle erreicht hätte, würde ich nicht noch einmal kandidieren“, schmunzelt sie. Aber Etappenziele wertet sie als deutliche Erfolge. Zum Beispiel beim Thema Langzeitarbeitslosigkeit, das sie auch schon vor ihrer politischen Karriere intensiv beschäftigte. „Ich bin sehr zufrieden damit, was wir da erreicht haben.“ Oder bei der Betreuung von Frauen, die Zuflucht suchen. Jansen verweist da auf die Errichtung eines Hauses für wohnungslose Frauen an der Krefelder Straße, die sie intensiv begleitet und unterstützt habe.

Jans nah dran

Digitalisierung im Mittelstand ist ein Thema, das Daniela Jansen für die kommenden fünf Jahre auf der Agenda hat. Und natürlich ihre Kernthemen Sozial- und Frauenpolitik. „Im Zentrum meiner, der sozialdemokratischen Politik steht nicht die schwarze Null, sondern der Mensch!“ steht auf ihrer Homepage. Für einen „starken Staat und mehr Sicherheit in einer offenen Gesellschaft“ trete sie ein. Und weiter heißt es: „Ich setze mich ein für gute Arbeit, die eine faire Bezahlung verdient, gerechte Renten, die Gleichstellung von Mann und Frau, gute Bildung, eine starke Wirtschaft in einer gerechten Gesellschaft und ein menschliches und weltoffenes Land.“ Das ist feinste Wahlkampfrhetorik. Wenn sie „jans nah dran“ ist, wie in der Gaststätte Kölnthor, dann wird Klartext geredet. Die Menschen auf der Straße oder wahlweise in der Kneipe sind mit Worthülsen nicht zufrieden.

Ihre Politik weiterführen will Daniela Jansen. Wenn sie denn wieder in den Landtag einzieht. Wie bei ihrem SPD-Kollegen Karl Schultheis geht das nur auf dem direkten Weg. Einen vorderen Listenplatz hat auch sie nicht. Die SPD-Landesliste „zieht“ – wenn überhaupt – nur auf den vorderen Plätzen. Daniela Jansen denkt pragmatisch: „Die Menschen sollten mich wählen, Armin Laschet ist als Nummer eins der CDU-Liste ja im Landtag gesetzt.“ Und so wären beide Kandidaten aus dem Wahlkreis Aachen II (Süd) im Landtag.

Praktisch, oder? Derlei Wahlarithmetik kommt beim Wähler aber meist nicht an. Und Daniela Jansen sagt das auch mit einem Augenzwinkern. Die damalige Außenseiterin sieht einen eindeutigen Positionswechsel: „Armin Laschet ist mein Herausforderer, ich bin Favoritin.“ Hat sie also etwas zu verlieren am 14. Mai? „Selbstverständlich“, sagt Daniela Jansen spontan. Aber mit Niederlagen beschäftigt sie sich nicht. „Ich bin sehr zuversichtlich. Ich glaube, ich schaffe das.“ Und der Schulzeffekt? Der kann die Parteibasis mobilisieren, glaubt Jansen. Aber am 14. Mai gehe es nicht um Schulz, sondern um sie und um Hannelore Kraft. „Darum werbe ich. Ich bin besser als Armin Laschet.“

Meier aus

Die Kneipensprechstunde nähert sich dem Ende. Daniela Jansen hat sich mit einem potenziellen Wähler nach draußen gesetzt, um in Ruhe reden zu können. Für die Thekenrunde im Kölnthor ist das Thema Jansen in dem Moment nicht mehr so akut. Meier ist angesagt. Bis zum „Aus“. Wenn alle Würfel gefallen sind.

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