Projekt „Zeelink“: Pipelinebauer wollen Gemüter beruhigen

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
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„Die sollen sich warm anziehen“: FDP-Mann Peter Blum kündigt massiven Protest gegen eine Pipeline durch Naturschutz an.

Aachen. Pipelinebauer mögen keine Bürgerinitiativen. Denn diese machen Ärger, leisten Widerstand und sorgen nicht selten für Verzögerungen.

Deshalb haben die Verantwortlichen des Essener Konzerns Open Grid Europe (OGE/vormals die Gassparte von E.ON), der auch durchs Aachener Stadtgebiet eine Gaspipeline namens „Zeelink“ verlegen will, aufmerksam registriert, dass sich vor ein paar Tagen im Stadtteil Brand eine Bürgerinitiative gegründet hat: Dass OGE mit der Pipeline ausgerechnet sensible Gebiete wie das Naturschutzgebiet Indetal und den Brander Wald zerschneiden will und die Kölner Bezirksregierung diese „Vorzugsvariante“ auch noch befürwortet hat, bringt die Bürger im Aachener Süden – und nicht nur dort – auf die Barrikaden.

Mit anderen Worten: Es drohen Ärger, Widerstand und Verzögerungen – und einen ersten Vorgeschmack davon dürften die OGE-Manager am kommenden Montag ab 19 Uhr in Brand bekommen, wenn sie zu ihrem öffentlichen „Dialogmarkt“ ins Brander Pfarrzentrum in der Hochstraße einladen.

Am Geld soll es nicht scheitern

Deshalb gehen die Pipelinebauer nun erst einmal auf die Bürger zu. „Wir werden beide Varianten weiter prüfen“, sagt OGE-Sprecher Helmut Roloff und meint damit neben der eigenen „Vorzugsvariante“ auch die von der Stadt Aachen favorisierte Vorzugsvariante. Sie verläuft auf einer Länge von rund zwölf Kilometern von der belgischen Grenze bei Lichtenbusch aus kommend weitgehend an der Autobahn 44 entlang nach Verlautenheide.

Diese Variante war von der Kölner Bezirksregierung im Raumordnungsverfahren jüngst wie berichtet unter anderem als „technisch aufwendig“ und schwierig umsetzbar eingestuft worden – was man durchaus auch mit teuer übersetzen kann.

Doch am Geld soll das Ganze laut OGE nicht scheitern. „Wenn sicher ist, dass der Bau der Pipeline entlang der Autobahn technisch machbar und genehmigungsfähig ist, dann werden wir dieses Risiko eingehen“, sagt Roloff. „Das Finanzielle ist dann nicht entscheidend.“

Allerdings setzen die Planer von OGE hinter die technische Machbarkeit eine ganze Reihe von Fragezeichen. Da müsse beispielsweise die Trierer Straße im Bereich des Kontenpunkts an der Debyestraße unterquert werden. Und vorher steht der einst als Lärmschutz aufgeschüttete „Brander Wall“ im Bereich Driescher Hof im Weg. Man müsse prüfen, wie man dort die Pipeline in den Boden bekommt, ob dazu gar ein Teil des Walls abgetragen werden müsse und ob Altlasten vorhanden sind.

Apropos: Um diese geht es auch im Bereich von Camp Hitfeld noch ein Stück weiter vorher. Das alte belgische Militärgelände im Besitz des Bundes müsste bei dieser Route auch passiert werden. Dort sind massive Schadstoffbelastungen im Boden zu erwarten, weswegen sich seit Jahren auch kein Käufer für das Areal findet. Zudem müssten möglicherweise dort Gebäude für den Pipelinebau abgerissen werden.

Jenseits der Trierer Straße müsse man eventuell unter dem Parkplatz des OBI-Baumarkts hindurch. Allerdings verläuft die Trasse auf den Planzeichnungen von OGE dort auf der anderen Seite der Autobahn. Dennoch, so Roloff, seien das alles Dinge, die man hinsichtlich der technischen Machbarkeit begutachten müsse. Außerdem liegen entlang der Autobahn schon Pipelines im Boden und demnächst soll dort auch noch die Stromtrasse „Allegro“ verlegt werden.

Das mache die Strecke zu einem Nadelöhr. Angesichts der von OGE aufgezählten technischen Herausforderungen – sie hielten bereits 2008 RWE davon ab, dort eine neue Pipeline zu bauen – sollte man sich wohl keine allzu großen Hoffnungen machen, dass die Naturschutzgebiete in Brand am Ende tatsächlich verschont bleiben.

Beim „Dialogmarkt“ am Montag in Brand dürfte den Pipelinebauern jedenfalls große Skepsis entgegenschlagen. Es ist anzunehmen, dass die Vertreter der Bürgerinitiative zahlreich erscheinen werden, aber auch aus der Politik ist mit einiger Resonanz zu rechnen. „Die sollten sich warm anziehen, die haben den Brander Stier noch nicht kennengelernt“, schickt FDP-Ratsherr Peter Blum schon einmal als Grußadresse nach Essen.

Die Liberalen beziehen eine eindeutige und ablehnende Position zu den Plänen, die Pipeline durch die Brander Naturschutzgebiete zu verlegen. „Da geht mir der Hut hoch“, sagt Blum, „eine solch enorme Beeinträchtigung der Natur ist für mich nicht nachvollziehbar.“

OGE-Sprecher Roloff betont dagegen – und das wohl auch mit Blick auf Montag –, dass man „möglichst alles einvernehmlich planen“ wolle. Er sagt aber auch: „Wir nehmen Rücksicht, wo es geht, aber manchmal müssen wir auch Dinge tun, die weh tun.“ Wie der Konzern im Aachener Süden verfährt, wird sich bis zum Sommer entscheiden. Dann wird feststehen, welchen Weg die Trasse nimmt. Entweder ist die Bürgerinitiative dann überflüssig oder sie legt erst richtig los – ganz egal, ob Pipelinebauer das mögen oder nicht.

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