Aachen - Projekt „Zeelink“: Pipeline soll Schutzgebiete zerschneiden

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Projekt „Zeelink“: Pipeline soll Schutzgebiete zerschneiden

Von: Oliver Schmetz
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Eingriff in die Natur: Für die unterirdische Verlegung der Pipeline muss eine etwa 30 Meter breite Schneise geschlagen werden. Foto: Imago

Aachen. Diese Entscheidung dürfte bei etlichen Aachenern auf heftigen Protest stoßen: Denn dass eine Gaspipeline von Lichtenbusch aus und zwischen Brand und Kornelimünster hindurch wertvolle Naturschutzgebiete, Waldstücke und Wasserschutzzonen zerschneiden wird, war bislang nur eine Schreckensvision.

Jetzt aber wird das Ganze wohl zur Gewissheit: Die Bezirksregierung Köln hat sich im sogenannten Raumordnungsverfahren für die geplante Gasfernleitung „Zeelink 1“, die der Essener Konzern „Open Grid Europe“ (OGE, früher die Gassparte von E.ON) vom belgischen Eynatten über 215 Kilometer bis ins westfälische Ahaus verlegen will, auf Aachener Stadtgebiet für eben diesen „Vorzugskorridor“ entschieden.

Das bedeutet: Innerhalb dieses 600 Meter breiten Streifens im Aachener Südraum soll nun der genaue Verlauf der Gasleitung geplant werden, für deren Bau eine rund 30 Meter breite Schneise geschlagen werden muss.

Abfuhr für Vorschlag der Stadt

Genau gegen diesen Plan hatten sich Politik und Verwaltung in Aachen nach Kräften zu wehren versucht und eine Alternativtrasse vorgeschlagen, die zwischen Brand und Forst entlang der Autobahn 44 verlaufen sollte. Hoffnung schöpfte man dabei vor allem daraus, dass genau diese Trasse im Jahr 2008, als RWE schon einmal eine Pipeline durch die Naturschutzgebiete im Aachener Süden verlegen wollte, von der Bezirksregierung bevorzugt worden sei – wie es jedenfalls zuletzt immer hieß.

Das sieht man in Köln allerdings anders. Die von der Stadt vorgeschlagene Trasse entlang bereits liegender Leitungen müsste zahlreiche Engstellen passieren – etwa an Camp Hitfeld, im Bereich Neuenhof und bei der Umgehung des Wasserschutzgebiets Eicher Stollen – und sei bautechnisch ausgesprochen aufwendig, heißt es jetzt in der „raumordnerischen Beurteilung“ der Bezirksregierung.

Und genau diese Auffassung, dass „diese Variante weniger geeignet ist“ als die Vorzugsvariante, habe man bereits 2008 vertreten. Bloß sei RWE damals auf die Forderung der Stadt eingegangen, habe dann aber erkennen müssen, dass eine Realisierung auf diesem Wege mit vertretbarem Aufwand nicht möglich gewesen sei – womit das Projekt seinerzeit in der Versenkung verschwand.

Die Hoffnung, dass sich dies wiederholen könnte, sollte man sich in Aachen nicht machen. Denn das OGE-Vorhaben ist auch aus Sicht der Bezirksregierung alternativlos, weil vor allem für die Versorgungssicherheit eminent wichtig. Und der Vorhabenträger habe „überzeugend nachgewiesen“, dass ein Bau auf der von der Stadt vorgeschlagenen Trasse „nur unter erheblichem Aufwand“ möglich“ sei. Dass die Pipeline auf jeden Fall gebaut wird – und zwar bis spätestens Ende März 2021 – haben die OGE-Verantwortlichen im Übrigen zuletzt auch gegenüber der AZ versichert.

Und jetzt weiß man auch wo. Als einen „wichtigen Meilenstein“ im Planverfahren feiert „Zeelink“-Projektleiter Franz-Josef Kißing die Beurteilungen der beteiligten Bezirksregierungen in Köln, Düsseldorf und Münster. Und es ist anzunehmen, dass man sich in Essen vor allem darüber freut, dass im „Nadelöhr Aachen“ zugunsten der Konzerns entschieden wurde. Dass diese Entscheidung im Aachener Süden zulasten des Naturschutzes geht, weiß man aber auch bei der Bezirksregierung.

Zur Querung „naturschutzwürdiger Bachtälchen im Aachener Süden“ beispielsweise ist eine Alternative „nicht realisierbar“, räumt man in Köln ein. Und auch im Naturschutzgebiet Indetal sei „eine Umgehung nicht möglich“.

Doch in allen kritischen Bereichen, zu denen auch das Naturschutzgebiet Brander Wald und das Wasserschutzgebiet Eicher Stollen gehören, setzt man darauf, dass die Beeinträchtigungen der Natur zumindest „minimiert“ werden können. Klar sei jedenfalls, dass die Auswirkungen auf die untersuchten Schutzgüter nicht das Gewicht erreichten, das eine andere Trassenführung nahelegen würde.

Was in Aachen mancher anders sehen dürfte. Als die Pläne im vorigen Jahr bekannt wurden, wurde im städtischen Planungsausschuss beklagt, „dass man damit eine Schneise durch das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet in Aachen schlagen“ will. In genau diesem Gremium wird man am Donnerstag wieder über das Thema beraten – vor allem wohl darüber, wie es nun weitergeht.

„Die Haltung der Bezirksregierung, die sich für eine Trasse durch den Aachener Süden ausspricht, überrascht die Verwaltung“, sagt Stadtsprecher Bernd Büttgens. Und: „Die Verwaltung wird sich dafür einsetzen, dass die Erdgasleitung Zeelink entlang der A44 realisiert wird.“ Ob und wie dies nun aber nach der Entscheidung der Bezirksregierung überhaupt noch möglich ist, müsse noch geprüft werden.

OGE will derweil auf Kooperation und Dialog setzen. Auf „Dialogmärkten“ – in Aachen am 20. März um 19 Uhr im Pfarrzentrum Brand, Hochstraße 16 – will man über das Projekt informieren. Denn die Planung und Errichtung wolle man mit Städten, Behörden, Verbänden und Bürgern „in einem konstruktiven Dialog gestalten“, sagt Kißing. In Aachen dürfte dieser Dialog interessant werden.

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