Aachen - Projekt „PiA”: Präventionskette von der Geburt bis zur Jugend

Projekt „PiA”: Präventionskette von der Geburt bis zur Jugend

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
piabild
Willkommen in Aachen: Monique Strissel erblickte das Licht der Welt, als das Jahr gerade einmal 2 Stunden und 24 Minuten alt war. Ihre stolze Mutter Christina soll wie alle frischgebackenen Eltern demnächst mit einem „Baby-Willkommenpaket” von der Stadt bedacht werden. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Verwahrloste Kinder, überforderte Eltern, zerrüttete Familien - nicht selten erleben diejenigen, die sich mit Jugendhilfe beschäftigen, schlimme Zustände. Tendenz steigend. Zuletzt musste man sich in Aachen von Amts wegen schon um mehr als 1250 Fälle kümmern - von der ambulanten Betreuung in der Familie bis hin zur Unterbringung von Kindern in Heimen.

Weit mehr als 20 Millionen Euro hat die Stadt für diese gesetzliche Pflichtaufgabe aufzuwenden. Auch hier: Tendenz immer weiter steigend. Und auch die vor wenigen Jahren eingerichtete „Kindeswohl-Hotline” der Stadt, bei der jedermann unter der Telefonnummer 432-5151 zum Beispiel Verdachtsfälle melden kann, steht selten still. Um die 1000 Anrufe werden jährlich registriert.

Doch wenn die städtischen Mitarbeiter ausrücken, ist das Kind oft schon in den sprichwörtlichen Brunnen gefallen - oft kann man nur noch reagieren und nicht mehr vorbeugend agieren. Das soll sich ändern. Mit „PiA”. Das Kürzel steht für „Positives Aufwachsen in Aachen” und soll eine Präventionskette von der Geburt bis ins Jugendalter darstellen. Nach Jahren der Diskussion darüber wird kommende Woche im Kinder- und Jugendausschuss ein erneuter Versuch gestartet, „PiA” das Licht der Welt erblicken zu lassen.

Los gehen soll es mit dem ersten Baustein für Kinder von der Geburt bis zum Kita-Alter (drei Jahre). Aufbauen will man auf dem bereits vorhandenen Angebot „Frühe Hilfen”, das vom Kinderschutzbund koordiniert wird. In dessen Rahmen werden Gespräche mit den Eltern von Neugeborenen noch im Krankenhaus - in der ersten Lebenswoche des Babys - geführt. Das soll jetzt ergänzt werden um ein „Baby-Willkommenspaket”, das möglichst bei einem weiteren persönlichen Gespräch in häuslicher Umgebung überreicht werden soll. Und zwar innerhalb der ersten acht Lebenswochen.

Überbringer soll ein „multidisziplinäres Team” aus fest bei der Stadt angestellten Hebammen, Kinderkrankenschwestern und Diplom-Sozialarbeitern sein. Dieses Besuchsteam soll auch einschätzen können, ob die Eltern möglicherweise weitere Hilfen benötigen. So sollen Familien und Kinder von Anfang an Unterstützung und Förderung erhalten. Weitere Ziele: „Armut verhindern, Armutsfolgen vermeiden”. In dem Willkommenspaket sollen die Eltern reichlich Infomaterial finden, aber auch Sponsorengeschenke wie Schnuller oder Trinkflasche. Und einen Gutschein für einen kostenlosen Eltern-Kind-Basiskurs gibt es obendrein.

Einen Zwang will die Stadt indes nicht ausüben. Das Päckchen wird nur persönlich überreicht, wenn die Eltern dies wünschen. Dies wird mit einem Brief abgefragt. Wollen die Eltern den Besuch nicht, kommt das Willkommenspaket mit der Post. Anders als in anderen Städte soll in Aachen keine Meldung an den Sozialen Dienst erfolgen, wenn das Angebot abgelehnt wird. „Das würde den mit dem Angebot verbundenen Zielen nicht entsprechen und zu einem heimlichen Kontrollinstrument umgemünzt”, heißt es in einer Verwaltungsvorlage.

Weitere Bausteine sollen nach dem Start entsprechende Projekte für das Kindergartenalter, den Grundschulbereich und die Jugend sein. Die Kosten für den ersten Baustein werden mit rund 300.000 pro Jahr angegeben. Entscheiden soll der Ausschuss am 12. Januar.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert