Projekt „Frühlingserwachen“: Malen holt verschüttete Erinnerung zurück

Von: Carolin Cremer-Kruff
Letzte Aktualisierung:
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Malen gegen das Vergessen: Die kreative Tätigkeit holt auch die ein oder andere Geschichte aus früheren Zeiten zurück. Das Projekt „Frühlingserwachen“ kam im Heim St. Raphael gut an. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Nicht nur Tulpen, Hyazinthen, Schneeglöckchen und Schmetterlinge strahlen auf den Leinwänden kunterbunt um die Wette. Nein, auch die fünf Künstlerinnen, die Seite an Seite vor den Staffeleien sitzen und ihre fertigen Gemälde in Augenschein nehmen, scheinen freudig überrascht zu sein von ihrem neu entdeckten Talent.

Bedächtig setzt jede von ihnen mit einer gehörigen Portion Stolz als finalen Pinselstrich die eigene Signatur unter ihr Bild. Die Künstlerinnen sind alle zwischen 85 und 95 Jahre alt, sie leben im Altenheim St. Raphael und sie leiden an einer dementiellen Erkrankung im Anfangsstadium. Das Projekt „Malen gegen das Vergessen“ hat sie nun mitgenommen auf eine außergewöhnliche Reise durch die Erinnerung.

„Frühling“ lautete das Thema des zweitägigen Projekts. Bevor allerdings zu den Pinseln gegriffen wurde, stand ein Ausflug zu den Hofläden in der Soers auf dem Plan. „So konnten wir zunächst die Fantasie der Bewohnerinnen beleben, ihre Sinne stimulieren, ihre Erinnerungen und Gefühle wecken, sie geistig und körperlich in Bewegung bringen“, erklärt Susanne Ikinger, Alltagsbetreuerin im Altenheim St. Raphael.

Erst am nächsten Tag wurde das Erlebte künstlerisch umgesetzt. Zur Seite standen den Bewohnerinnen dabei nicht nur Susanne Ikinger, die dieses Projekt von Anbeginn begleitet, sondern auch fünf Auszubildende des Fachseminars zur Pflegekraft der DAA in Aachen. Eine von ihnen ist Marlies Ortmair. Sie begleitete während des Malprojekts eine 94-jährige ehemalige Lehrerin, die von sich selbst behauptet, sich früher immer um den Kunstunterricht gedrückt zu haben. Sie grinst verschmitzt, als sie das erzählt. „Ich fand es faszinierend, wie viele Erinnerungen das Malen in ihr geweckt hat.

„Wichtig für das Selbstvertrauen“

So sind nicht nur zwei wunderschöne Bilder entstanden, auch die eine oder andere Geschichte aus früheren Zeiten kam wieder an die Oberfläche“, resümiert Ortmair. Neben klassischen Malwerkzeugen standen auch Motivstempel, Schablonen und ausgeschnittene Elemente, die kollagenartig in das Bild integriert wurden, zur Auswahl. „Eine solche Veranstaltung ist wichtig für das Selbstvertrauen der Bewohnerinnen. Durch das Malen in der Gemeinschaft erhalten sie einen Ort der Neuorientierung, ja, eine neue emotionale Äußerungsmöglichkeit“, so Ikinger. Aber auch die Auszubildenden profitieren von dem Projekt, da sie ihr erlerntes Wissen in der Praxis anwenden können. Eine Win-win-Situation.

„Wir begeben uns in die Welt der Bewohnerinnen. Da wird ein blauer Punkt schon mal zu einem Krokus. Man muss nicht nur Geduld, sondern vor allem Fantasie mitbringen, wenn man mit demenzkranken Menschen kommuniziert“, erklärt Ortmair. Es geht um Wertschätzung gegenüber den Bewohnerinnen und das spüren sie. Die Stimmung ist gut. Zum Abschluss sitzen alle beim Büffet gemütlich zusammen, es wird gesungen.

Und als Krönung folgt fast so etwas wie eine kleine Vernissage: Denn von den sieben Kunstwerken überzeugten sich auch Sebastian Richter, Direktor des Altenheims St. Raphael, Christian Krenkel, Bezirksbürgermeister Laurensberg, Conny Eschweiler, Heimbeiratsvorsitzende des Altenheims St. Raphael, und sogar der eine oder andere Mitbewohner. Im April werden die Bilder im Rahmen eines Angehörigenabends versteigert.

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