Privatissimo: Weltpolitik und Lokalkolorit

Von: Kathrin Albrecht
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"30 Grad, Bude voll, vielen Dank": Wendelin Haverkampf führte witzig-spritzig durch das abwechslungsreiche Programm bei "Privatissimo". Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die Hoffnung von Mitorganisator Jens Lundzien auf ein „volles Haus“ erfüllte sich. Der „Privatissimo“-Abend in der Couven-Halle, eine Gemeinschaftsveranstaltung des Kabarettisten Wendelin Haverkamp und der RWTH, war nahezu ausverkauft. Haverkamp fasste dies in seiner Begrüßung auf seine Weise zusammen: „30 Grad, Bude voll, vielen Dank!“

Zum mittlerweile fünften Mal, nach Aachener Maßstäben „mindestens karolingisch, wenn nicht gar römisch“, lädt Haverkamp zu dieser Veranstaltung ein, die die „RWTH-Aliens“ und die „Aachener Aborigines“ zusammenbringen soll. Außerdem sieht Haverkamp dabei auch den geeigneten Rahmen für die Wissenschaftler, mal ein bisschen Selbstkritik zu üben. „Das kommt an der RWTH zu kurz“, findet er.

An diesem Abend diskutierte Haverkamp zunächst mit Professor Karl-Walter Zilkens vom Universitätsklinikum darüber, ob in Deutschland wirklich zu viel operiert wird. Und Zilkens erwies sich als durchaus fähig zur Selbstkritik. Manchen Medizinern fehle es heute an der nötigen Sensibilität für die Bedürfnisse der Patienten, sagte Zilkens. Ein anderer Faktor sei das Geld, es würden in der finanziellen Förderung falsche Anreize gesetzt, was häufig dazu führe, dass „operative Therapien“ bevorzugt würden.

Im zweiten Gespräch hatte Doris Klee, Prorektorin der RWTH, die Gelegenheit zu erklären, wie die Technische Hochschule als größter Arbeitgeber der Region auch dafür sorgt, dass die Arbeitsbedingungen familiengerecht gestaltet werden.

Zwischendurch führte Wendelin Haverkamp mit kleinen Moderationen durch den Abend, in denen er die großen Zusammenhänge der Weltpolitik und -geschichte und die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau erklärte. Auch die Kommunalpolitik bekam ordentlich ihr Fett weg, über das Baustellenmanagement bis hin zur Kaiserplatz-Brache waren alle Reizthemen der vergangenen Monate vertreten.

So wurde auch die Campusbahn im dritten Gespräch des Abends mit Professor Dirk Vallé vom Institut für Stadtbauwesen noch einmal Thema: „Man kann eine Stadt nicht alle paar Jahre einmal von unten nach oben durchkrempeln“, sagte Haverkamp auch in Anspielung darauf, dass die Abschaffung der Tram in den 1970er Jahren vom damaligen Stadtrat einstimmig beschlossen worden war. Für Vallé ist das Thema Campusbahn abgehakt: „Ich war für die Campusbahn, die Mehrheit hat sich in einem demokratischen Prozess dagegen entschieden. Damit habe ich kein Problem.“

Den musikalischen Rahmen des Abends bildete Uwe Rössler mit seinem Tiffany Ensemble. Zu vorgerückter Stunde wurde es für drei Freiwillige aus dem Publikum ernst. Da man den ganzen Abend über Innovation geredet habe, wolle man an diesem Abend auch einen Beitrag dazu leisten und einen Innovationspreis ausloben, sagte Haverkamp. Wer innerhalb einer Minute am häufigsten das Wort „innovativ“ über die Lippen brächte, würde ausgezeichnet. Am Ende ging es unentschieden aus, der Abend hatte drei Preisträger, die sich über je zwei Tonträger von Haverkamp und dem Tiffany Ensemble freuen konnten.

Nach gut drei kurzweiligen Stunden war das Publikum entlassen und eingeladen, den Abend noch auf dem Hof ausklingen zu lassen. Haverkamp freute sich indes über den gelungenen Abend. „Es ist doch möglich, auf intelligente Weise zu unterhalten und sich auseinander zu setzen. Das hat der Abend hier gezeigt.“

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