„Prinzessin Nicoletta“: Ein lustvoll-schauriges Märchentheater

Von: Katharina Menne
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Alles dreht sich um Prinzessin Nicoletta: Das Theater K verabschiedet sich mit dem gleichnamigen Stück von seiner Sommer-Spielstätte im Tuchwerk. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Es klingt wie ein klassisches Märchen: Eine verwöhnte Prinzessin soll mit dem reichen Prinzen aus dem mächtigen Nachbarreich verheiratet werden, um das marode Königreich des Vaters zu retten. Alles ist eingefädelt, die Hochzeit steht vor der Tür. Doch dann beißt sie in einen leckeren Bratapfel und verliebt sich in den Koch.

Spätestens jetzt jedoch wird es kurios: Denn der Koch will sie gar nicht. Der steht eher auf dralle Bauernmädchen. Die intrigante Schwester des Königs und die frustrierte Gouvernante wittern dagegen ihre Chance zur Palastrevolte. Das ruft nach einer Staatskrise.

Lustig, frech und ein bisschen böse – so beschreibt Annette Schmidt den Charakter des Stücks. Sie ist Teil des dreiköpfigen Leitungsteams des Theaters K und verantwortlich für die Inszenierung des Werks. Das lustvoll-schaurige Märchen für Erwachsene stammt aus der Feder der jungen Freiburger Autorin Rebekka Kricheldorf und gewann bereits einige deutsche Bühnenpreise. Das Theater K möchte sich nun mit der opulenten und leicht skurrilen Produktion von seiner Sommer-Spielstätte im Tuchwerk verabschieden.

Die Kostüme sind aufwendig, pompös und detailverliebt – genau wie das Stück. Die Entwürfe von Ina Zuta haben Witz und Eleganz zugleich. Die einzelnen Bühnenelemente, von Nicolettas Bett über den Thron bis hin zur Schlossküche, sind auf Rollen montiert und auf der riesigen Bühnenfläche frei beweglich – ganz im Gegensatz zum Staat des Königs, in dem politischer Stillstand herrscht. „Die Wahl des Stücks hängt auch mit der Atmosphäre im Tuchwerk zusammen. Das Königreich ist marode und auch hier bröckelt der Putz von den Wänden und der Wind pfeift durch die Fenster. Das ist auch einer der Gründe, warum wir uns für den Winter nach einem anderen Spielort umschauen mussten“, erklärt Schmidt.

Aber neben all dem Irrwitz, ist „Prinzessin Nicoletta“ auch eine Gesellschaftskritik. „Unter dem Deckmantel des Märchens verweben sich etliche Stränge aus dem Hier und Jetzt“, sagt Mona Creutzer, Schauspielerin und ebenfalls Teil des Leitungsteams. „Das Stück spiegelt unsere Spaß- und Wohlstandsgesellschaft wieder – und die Kritik daran.“ So ist die Schwester des Königs nicht nur intrigant, sondern auch dem Jugendwahn verfallen, Prinzessin Nicoletta will immerzu Spaß haben und sich vergnügen und der König gibt den müden und mutlosen Politiker, der einer Revolution rein gar nichts entgegenzusetzen hat. Neben Mona Creutzer besteht das siebenköpfige Ensemble aus Christian Cadenbach, Andrea Klein, Ilay Okur, Rudi Zins, Barbara Portsteffen und Martin Päthel.

Um die einzelnen Bilder des Stücks, die manchmal fast schon Comic-Charakter haben, zu verbinden und das Publikum emotional mitzunehmen, hat Manfred Leuchter ein „musikalisches Gewand für das Stück geschneidert“, wie es Mona Creutzer beschreibt. Für die passenden, leicht orientalischen Klänge sorgt der palästinensische Klarinettist Mohamed Najem.

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