Prinzengarde: Herrlich bekloppt und voller Akrobatik

Von: Robert Esser
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„Hurra tsching bumm“: Bei der rund vierstündigen jecken Show der Prinzengarde hielt es das Publikum am Samstag im Eurogress selten auf den Stühlen. Jede Menge rasante Nummern hielten die Jecken in Atem. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Kellnerin Angelika turnt über die Stuhlreihen, die Prinzengarde steht stramm und der Saal Kopf. Über 1000 Narren erleben am Samstagabend im Eurogress eine mitreißende vierstündige Sitzung, die schon in den ersten Minuten rasant Fahrt aufnimmt. „Hurra tsching bumm“ spielt die Kapelle unter der Leitung von Patrick Roumen.

Seit 25 Jahren begleitet seine Truppe den bereits stolze 103 Jahre alten Verein. Und nach dem triumphalen Einmarsch der stolzen Garde darf Kommandant Markus Bongers tatsächlich eine ganze Reihe Höhepunkte anmoderieren.

„Tradition und neuer Schwung, Fastelovvend hält uns jung“ lautet das Motto. Wie wahr: Das neue Tanzpaar – Desiree Vallet und Marco Krings – besteht die erste große Bewährungsprobe auf großer Bühne zwar etwas nervös, aber mit viel Esprit und vor allem enorm charmant.

„Billy Idol“ kommt per Mofa

Danach gehören die Sympathien des Saals einem Hamburger Import: Herrlich bekloppt, auf einem Mofa und im Billy-Idol-Look, knattert der Sänger der „Big Maggas“ ins Rampenlicht. Hardrock wird angekündigt. Der Schlagzeuger trommelt im Tennis-Dress, der Gitarrist sieht aus wie ein Außerirdischer. Doch in Lack und Leder spielt die Band dann Hits à la „Mein Hut, der hat drei Ecken“, das „Lied der Schlümpfe“, „Biene Maja“ und „Country Rose“. Ein spektakulärer Spaß! Die Jecken grölen ausgelassen mit.

Und weil alle ab der ersten Minute tanzen, bleibt zwischen den Stuhl- und Tischreihen im Parkett kaum noch Platz – weswegen eben nicht nur Kellnerin Angelika immer wieder akrobatische Einlagen geben muss, um inklusive Tablett und Getränken von A nach B zu kommen.

Apropos Akrobatik: Die liefern natürlich auch die „Kölschen Harlekins“. Der Tanzformation vom Rhein gelingt eine brillante Show. Standing Ovations erntet auch Stimm-Virtuose Mr. Tomm, der grandios Elvis, Blues-Brother, Joe Cocker und Heino verkörpert – in wechselnden Outfits und entsprechenden Stimmlagen. Das Publikum geht begeistert mit.

Da hat es „Manni der Rocker“ naturgemäß mit seinem Redebeitrag schwerer. Gegen den steigenden Geräuschpegel im Saal gelingen ihm trotzdem einige saftige Pointen. Auch wenn, geschätzt, nur ein Drittel des Saals zuhört. Die Oberränge sind ohnehin nur spärlich besetzt. Gut 200 Jecke mehr hätten wohl noch Platz gefunden.

Wer nicht live dabei ist, verpasst an diesem Abend auch den stimmgewaltigen Prinzen Thomas II. samt Hofstaat. Die Jungs sind bestens drauf, singen „Ein dicker Fisch kommt auf den Tisch“, „Leckermäulchen“ und ein Öcher Karnevals-Medley.

Man merkt dem 44-jährigen Narrenherrscher an, dass er in seiner Rolle angekommen ist. In astreinem Öcher Platt regiert Thomas II. sein jeckes Volk. Das kommt an. Einen Ausflug in die 50er Jahre unternimmt die Garde schließlich mit der Band „The Wild Bobbin Baboons“, bevor es ein Wiedersehen mit dem langjährigen Tanzoffizier der Garde, Elmar Bosold, und seiner neuen Formation gibt. Auch dieser Auftritt hat Dynamik, Verve und Elan.

Hit um Hit mit den Vier Amigos

Mit choreographischen Finessen kehrt der Tanz-Profi auf die Bühne zurück. Der Applaus will kaum enden. So geht es natürlich auch den Vier Amigos, die nach der Musikshow von Andy Bünger das Finale der Sitzung bestreiten. Das Quartett reiht Hit an Hit; hunderte Kehlen singen jede Zeile enthusiastisch mit. Erst nach mehreren Zugaben entlässt Kommandant Markus Bongers die vier Stars des Öcher Fastelovvends. „Es war ein Geschenk für uns“, bedankt sich Amigo Uwe Brandt beim Publikum.

Da ist schon nach Mitternacht. Aber die Party geht noch bis in den frühen Morgen im Foyer des Eurogress weiter. Da trifft man dann auch Kellnerin Angelika wieder; immer noch gut gelaunt und mit vollen Tabletts. Keine Frage: Die Sitzung der Prinzengarde in deren 103. Session ist ein rauschendes Fest – ein absolut gelungener Balance-Akt zwischen Tradition und neuem Schwung.

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