Prinz und Petrus sind perfekte Partner in Aachen

Von: Stephan Mohne
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D‘r klenge Prinz janz jruueß: Tollität Thomas III. überstrahlte an „seinem“ Tag alles. Der sympathische 40-Jährige wird nach Ansicht vieler Fastelovvendsexperten als einer der besten in die Öcher Karnevalsgeschichte eingehen. Foto: Andreas Steindl
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Straßensperren und Polizisten mit Maschinenpistolen: An die erstmals aufgebauten Blockaden – unter anderem mit Aseag-Bussen und Müllfahrzeugen – wird man sich wohl gewöhnen müssen. Foto: Andreas Steindl
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Jecke Wahlkampftour der anderen Art: FDP-Spitzenmann Christian Lindner (links) fuhr bei der Prinzengarde um ihren Kommandanten Dirk Trampen mit. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Dass Tollität Thomas einen hervorragenden Herrscher über die Öcher Jecken abgibt, davon konnte man sich in den vergangenen Wochen immer und immer wieder überzeugen. Viele gestandene Kenner des Öcher Fastelovvends sagen sogar: Der klenge Prinz war einer der allergrößten.

Dass Thomas III. auch noch mit Petrus eine fast perfekt getaktete Partnerschaft hinbekommen hat, das stellt sich an seinem großen Tag heraus. Erst als sich der Rosenmontagszug des Jahres 2017 schon fast dem Ende nähert, pfeift es kurzzeitig mächtig durch die Straßen der Innenstadt und fällt Regen vom Himmel. Doch auch jetzt überstrahlt der sympathische 40-Jährige aus Brand noch alles.

Miese Vorhersagen

Als der Zug sich wie immer pünktlich um 11.11 Uhr am Adalbertsteinweg in Bewegung setzt, sind die ungemütlichen Wettervorhersagen zunächst nur Vorhersagen geblieben. Sturmböen bis 80 km/h und Starkregen? Pustekuchen. Alles so ähnlich wie im vergangenen Jahr, als es auch weit weniger schlimm kam, als zunächst gedacht – und anderswo sogar die Züge abgesagt wurden.

So ist es an diesem Rosenmontag erstmal sogar ganz angenehm. Um die Mittagzeit lacht tatsächlich auch mal et Sönnche durch die Wolken. Und im Vergleich zum Vorjahr strömen deutlich mehr Jecke in Richtung Zugweg. Die Veranstalter werden die Zahl der Zuschauer an der Wegstrecke bis zum Templergraben später auf 250.000 schätzen. 2016 waren es dagegen nur 130.000.

Busse und Müllautos als Sperren

Rekordverdächtig präsentiert sich auch die Zahl der Ordnungshüter. Also nicht etwa die der als Polizei und Co. verkleideten Jecken. Sondern die mit den echten Uniformen. Schon im vergangenen Jahr war diesbezüglich personell mächtig aufgerüstet worden – seinerzeit wegen der Ausschreitungen der Silvesternacht in Köln. Doch diesmal kommt noch einiges obendrauf – auch materiell. Da steht zum Beispiel ein Linienbus quer auf der Peterstraße. Ausnahmsweise ein schwarzer und kein roter.

„Innovativ, kreativ, effektiv“ steht als Werbespruch drauf. Was den Nagel voll auf den Kopf trifft, denn schließlich dient der Bus als Bollwerk gegen mögliche terroristische Anschläge mit Lastwagen als Waffen. Und vor dem Bus stehen auch noch Polizisten, bekleidet mit schweren schusssicheren Westen und bewaffnet mit Maschinenpistolen – ein Bild, das man schon vom Weihnachtsmarkt kennt. Das ist nicht nur an dieser Stelle so, sondern an allen neuralgischen Punkten entlang des Zugwegs – mal mit Müllautos, mal mit Lkw.

Auch für die Jecken scheinen die Antiterror-Maßnahmen schon fast normal zu sein: „Ist zwar traurig, dass es so etwas geben muss. Aber da fühlt man sich doch um einiges sicherer“, meint eine Passantin. Für die Polizisten ist das Ganze nach eigenem Bekunden ohnehin eher Routine: „Alltagsgeschäft“, lächelt einer der freundlichen Beamten mit der MP in der Hand. Tatsächlich wird man sich an dieses Bild wohl in Zukunft „routinemäßig“ gewöhnen müssen.

Zugleiter Günther Hintzen zieht jedenfalls später eine überaus positive Bilanz: „Es hat alles bestens funktioniert. Es war ein toller Rosenmontagszug.“ Dass es erst später wie aus Eimern schütten wird, passt da prächtig ins Bild. Hintzen ist gerade in Bezug auf die Sperren froh, dass diese „Premiere“ gut über die Bühne ging: „Das war ein logistischer Kraftakt“, berichtet er von etlichen Vorbereitungstreffen. Am Ende gab es sowohl Blockadefahrzeuge von städtischen Betrieben wie der Aseag und dem Stadtbetrieb wie auch solche, die der Festausschuss Aachener Karneval als Veranstalter organisieren musste.

Routinemäßig kommt indes der Öcher Rosenmontagszug im Gegensatz zu manch rheinischem Pendant unpolitisch daher. Selbst Donald Trump ist kaum einmal auszumachen. Ein bisschen (Landtags-)Wahlkampf darf‘s dann aber doch auch sein – etwa mit „Käpt‘n Ulla“ (Thönnissen) und ihrer „schwarzen Meute“ oder auch mit dem gelben Christian Lindner hoch oben auf dem Prinzengardengefährt.

Viel mehr in Erinnerung bleiben da die anderen rund 5000 Jecken in 168 Gruppen mit ihren fantasievollen Kostümen und bunten Wagen, die AZ-Redakteur Robert Esser von der Tribüne an der Kurhausstraße aus lautstark begrüßt. Am Ende, da kommt traditionell dann der Prinz, der Strahlemann, der super Sänger, die Stimmungskanone. Und erst, als er auch dem letzten seiner „Untertanen“ am Ende des Zugwegs zugewunken hat, da wird es so richtig düster überm Städtchen. Alles perfekt hinbekommen. Thomas III. mag man zurufen: Jong, du hast es verdient! Bilderbogen Seite 16

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