Prinz Michael II. Kratzenberg: Pro Woche bis zu 90 Stunden im Ornat

Von: Robert Esser
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Pure Glückseligkeit: Michael II. Kratzenberg hätte schon bei seiner Proklamation den ganzen Saal umarmen können. Foto: Andreas Steindl / Michael Jaspers

Aachen. „Tierisch jeck“ ist Karnevalsprinz Michael II. Kratzenberg in dieser Session unterwegs. Nach einer mitreißenden Proklamation im Eurogress absolviert Aachens Narrenherrscher über 300 Auftritte bis Aschermittwoch. Im AZ-Samstagsinterview verrät der Prinz auch, was hinter seiner närrischen Regentschaft steckt...

Gibt‘s so etwas wie eine Lieblingsinsignie? Zepter, Kette, Kappe oder Federn?

Kratzenberg: Definitiv: Auf jeden Fall die Kappe und die Federn. Als ich die bei der Proklamation auf dem Kopf hatte, haben mich die Glücksgefühle übermannt. Prinz Karneval der Stadt Aachen! Das war unglaublich! Aber natürlich sind alle Insignien wichtig und optisch wirklich top gelungen.

Strumpfhosen zu tragen, ist ein eher ungewöhnlicher Männertraum, oder?

Kratzenberg: (lacht) Ja, das könnte man wohl sagen. Aber als Prinz Karneval macht man das gerne. Ich muss aber zugeben: Die Frage nach der Strumpfhose haben wir uns vor der Session öfter gestellt.

Es kommt doch auf die Länge an.

Kratzenberg: (lacht) Genau. Lange Strumpfhose zur kurzen Pumphose, gar keine Strumpfhose und stattdessen lange weiße Hose – das gab‘s alles schon. Ich habe mich dann quasi für die Hybrid-Variante mit Zwei-Drittel-Hose zum blau-weißen Ornat entschieden. Und – ganz ehrlich – so fühle mich auch in Strumpfhosen ziemlich wohl. Das ist echt bequem.

Sie können ja alles tragen. Eine hervorragende Figur haben Sie bei Ihrer Proklamation im Eurogress beim Prinzenspiel auch im Gorilla-Kostüm gemacht, als Sie sich an einer Art Liane auf die Bühne geschwungen und dann als Prinz entblättert haben. So etwas gab‘s noch nie.

Kratzenberg: Ja, das war fantastisch. Dann weiß man, dass es die monatelangen Vorbereitungen wert war. Die Resonanz im Saal war riesig. Und ich muss sagen, dass natürlich nicht ich alleine, sondern vielmehr ein ganzes Team für den Erfolg gesorgt hat: mein fantastischer Hofstaat mit dem Konzept „Tierpark – tierisch jeck“, die Kinder der Tanzwerkstatt Carla Brettschneider, die phänomenale Choreographin Marga Render, die sensationelle Tanzcrew TN Boom, die Musik von Frank Stumvoll, das Dschungelbuch – letztlich hat sich dieses Puzzle super zusammengefügt. Ein tolles Gefühl!

Eurogress ist natürlich ein Superlativ, aber nicht jeder Termin von Prinz und Hofstaat lässt 1300 Leute auf den Tischen tanzen.

Kratzenberg: Nein, und das ist auch genau richtig so. Als Karnevalsprinz möchte ich eine ganze Bandbreite an Aufgaben erfüllen, und natürlich steht der Spaß im Karneval im Vordergrund. Aber es gilt auch, sich um Menschen zu kümmern, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken, wenn sie nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. An einem einzigen Tag gibt es so viele unterschiedliche Termine, zu denen wir ausnahmslos gerne und voller Elan anreisen. Angefangen bei der Essensausgabe für Obdachlose in der Suppenküche über einen Besuch auf dem Tivoli beim Testspiel gegen Fortuna Düsseldorf bis hin zum Kneipenkarneval. Da ist alles drin. Allein am Samstag absolvieren wir 17 Auftritte.

Wird man da mit der Zeit abgebrühter; oder bleibt die Aufregung – besonders bei Fernsehauftritten und beim Rosenmontagszug?

Kratzenberg: Ganz ehrlich: Die Aufregung bleibt. Überall. Nur manchmal ist sie noch etwas größer.

Kennen Sie Lampenfieber?

Kratzenberg: Allerdings. Jede Menge. Manchmal schlottern einem schon etwas die Knie, wenn man hinter der Bühne auf seinen Auftritt wartet. Die Pumpe ging bei der „PriPro“ ziemlich. Aber das Gefühl danach auf der Bühne ist dann umso toller. In einigen Fällen muss ich mich dann erst fangen, zuweilen fehlen einem bei so viel Begeisterung echt die Worte.

Dafür gibt‘s ja Musik von Prinz und Hofstaat. Das hilft, oder?

Kratzenberg: Wir haben uns da ganz bewusst auf eine kleine Songauswahl beschränkt. Zu Beginn kommt unser Öcher Medley immer super an. Am stärksten ist es natürlich, wenn wir mit der Kapelle der Prinzengarde einmarschieren. Wenn die loslegen, ist das Gänsehaut pur. Auch der Elefanteneinmarsch ist klasse. Wir variieren. Und wir sind sehr glücklich, dass meine Prinzenlieder so gut beim Publikum ankommen.

Wer mag, darf sich die Prinzenlieder auch zu Hause auf CD anhören und das Mitsingen üben. An wen gehen eigentlich die Einnahmen?

Kratzenberg: Alles nach dem Motto „Tierisch jeck, för der joue Zweck“ für den guten Zweck! Zum Beispiel für den Kinderbauernhof im Aachener Tierpark. Aber auch an die Sammlung Crous. Am kommenden Samstag, 23. Januar, gibt es übrigens eine Signierstunde mit mir und dem Hofstaat um 13.30 Uhr in der Mayerschen Buchhandlung in der Buchkremerstraße. Ich hoffe, dann kommen viele vorbei! Wer nicht so lange warten will, kann schon mal direkt ins Internet gehen und die CD bestellen. Unter www.audiobuy.de gibt es „Wir geben Vollgas!“. Wir haben alle Songs im Tonstudio von Frank Stumvoll im alten Schlachthof eingesungen. Mit viel Herzblut! Wer uns noch mehr helfen möchte, eine stattliche Summe für den guten Zweck bis zum Aschermittwoch am 10. Februar zusammenzukriegen, der kann natürlich noch mehr tolle Sache kaufen. Zum Beispiel unseren Benefiz-Orden oder unseren „Buddy“ als Stofftier. Jeder Euro hilft!

Hingegen kommen Prinz und Hofstaat weitgehend selbst für ihre Unkosten auf. Insider berichten über sechsstellige Summen, die man in Aachen erstmal zusammenhaben muss, um eine ganze Session stemmen zu können. Wie schafft man das?

Kratzenberg: Ich möchte ungern über Geld sprechen. Natürlich gibt es heutzutage kaum noch etwas umsonst. Entscheidend ist aber, dass man im Vorfeld die Voraussetzungen schafft. Am wichtigsten ist es, Menschen von Idee und Konzept zu überzeugen und dann wirklich gemeinsam in die Session zu gehen. Ich bin überglücklich und dankbar für die Freunde, mit denen ich diese Session gemeinsam bestreiten kann. So etwas erlebt man nur einmal im Leben, einzigartig!

Dabei sind Sie im Vereinsleben eng verwurzelt, nicht nur im Karneval.

Kratzenberg: Ja, das stimmt. Ich liebe das. Ich bin auch im Schützenverein St. Peter und Paul Aachen-Sief als Fahnenträger unterwegs. Da war ich zwar noch nicht Prinz, aber schon mal Schützenkönig. Vereinsleben und Freunde gehören ganz fest zu meinem Leben.

Wann hat sich denn in Ihrem Leben der Wunsch entwickelt, Karnevalsprinz zu werden?

Kratzenberg: Ich bin schon ewig karnevalsbegeistert. Seit zehn Jahren fahren wir unter Freunden mit einem eigenen Wagen beim Rosenmontagszug mit. Generell gilt eben: Manche Leute sparen auf ein Eigenheim, andere hegen andere Wünsche...

...die dann nicht unbedingt den Wünschen des jeweiligen Lebenspartners entsprechen müssen. Sind die Gesichtszüge Ihrer Lebenspartnerin entgleist, als Sie ihr erklärt haben, dass Sie Karnevalsprinz werden möchten?

Kratzenberg: Nein, im Gegenteil. Meine Freundin Rosalie unterstützt mich voll und ganz. Sie wusste ja schon lange, dass ich diesen Traum in mir hatte. Und als es konkreter wurde, hat sie mir ihre uneingeschränkte Unterstützung zugesagt. Anders ginge so etwas auch gar nicht. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Und nach Aschermittwoch bekommt sie mich unbeschadet wieder zurück (lacht).

Bis dahin muss Verzicht geübt werden. Wobei es ja weniger ums „Fremdbützen“ als vielmehr um den Zeitaufwand geht.

Kratzenberg: Auch als Karnevalsprinz habe ich während der Session eine Verantwortung gegenüber meinen Kunden im Betrieb. Trotzdem, das ist natürlich richtig, ist der Zeitaufwand immens. In den heftigen Wochen bin ich sicher 80 bis 90 Stunden im Ornat unterwegs. Meine Lebenspartnerin freut sich jedenfalls riesig für mich, dass mein Traum in Erfüllung geht.

Und wenn was passiert?

Kratzenberg: Was soll passieren?

Zum Beispiel ein Defekt am Kostüm, am Ornat. Gibt‘s ein Ersatzoutfit?

Kratzenberg: Nein, gibt es nicht. Aber es gibt Ersatzteile; alles andere müsste im Notfall repariert werden.

Strapaziert wird ansonsten vor allem die Stimme. Gibt es einen Tipp des „professionellen Narrenherrschers“ Michael II. für alle Jecken, wie man eine intensive Session gesund übersteht?

Kratzenberg: Ja, wichtig ist der Schal um den Hals, damit man sich nicht erkältet. Ansonsten funktioniert das Spezialgetränk, das meine Mutter schon für mich als Kind gemacht hat – jeden Morgen: Das Ding heißt „Dr. Sprudel“. Multivitaminsaft mit Sprudel. Meine Mama hat‘s erfunden; kann ich nur weiterempfehlen.

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