„Priestertransfer” federt Mangel nicht ab

Von: Robert Esser
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Wachwechsel in St. Jakob: Pfarrer Wolfgang Acht verabschiedet sich Ende Oktober als Leiter der GdG Aachen-West aus St. Jakob. Sein Nachfolger steht fest. Anderswo sind keine Nachfolger in Sicht. Von derzeit noch 27 aktiven Priestern in acht Aachener Gemeindegemeinschaften sollen laut Generalvikariat bald nicht einmal mehr die Hälfte im Dienst sein. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Laufen dem Bistum Aachen die Priester weg? Nach Pastor Wolfgang Acht (St. Jakob) hatte Pfarrer Wilhelm Jansen (St. Laurentius) am Wochenende angekündigt, sein Amt in Kürze aufzugeben.

Der 73-jährige Jansen führte gesundheitliche Gründe an, der 65-jährige Acht wurde nach der Fusion seiner Gemeinden und dem enorm erweiterten Verantwortungsbereich noch deutlicher: „Das wird für mich zu einer großen, auch innerlichen Belastung, die ich nur schwer tragen kann”, hatte Acht mitgeteilt. Der Abschiedsgottesdienst ist für den 31. Oktober angesetzt.

Für den dritten Weggang 2010 sorgte Pfarrer Hubertus Deuerling (Aachen-Nordwest). Der 42-Jährige hatte eine Liaison mit einem 18-Jährigen eingestanden und den Bischof um seine sofortige Entpflichtung als Jugendseelsorger gebeten.

Bald 70 Prozent unbesetzt

Nach einer Prognose des Generalvikariats von 2009 kann das Bistum bis 2022 rund 70 Prozent seiner Priesterstellen nicht mehr besetzen. Schon in sieben Jahren soll ein Priester für je 10.000 Katholiken zuständig sein - 2008 waren es noch drei. Dabei gab es laut Bischofskonferenz schon damals in keinem anderen deutschen Bistum so wenige Pfarrer wie in Aachen. Berlin zählt - proportional - fast doppelt so viele Geistliche.

In Aachen sollen 2017 nur noch zwölf Priester für knapp 130.000 Katholiken in 40 Gemeinden zur Verfügung stehen, die zum Jahreswechsel 2009/10 in acht Gemeinschaften (GdG) aufgeteilt wurden. Aktuell zählt man in den Stadtpfarren noch 27 aktive Priester (plus elf Ruheständler), wobei der Altersdurchschnitt stetig steigt.

Damit wächst der Druck, Nachwuchs gibt es kaum - in den Pfarren und im Generalvikariat. Pfarrer Rolf-Peter Cremer, Leiter der Hauptabteilung Pastoral, erklärt: „Dass viele Priester jetzt aus Altersgründen aufhören, kommt für uns nicht überraschend. Aber es ändert nichts daran, dass die Lage dramatisch ist und sich beschleunigt verschlimmert.”

Um Überlastung und Überforderung der GdG-Leiter in den riesigen Fusionspfarren zu vermeiden, sollten Pfarrer künftig weiter von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, sagt Cremer. „Da müssen wir deutlich nachsteuern und Verwaltungskräfte auf Gemeindeebene höher qualifizieren, damit pastorales Personal geschont wird.”

Zudem erhöhe man die Zahl der Pastoral- und Gemeindereferenten und setze auf die Qualität ehrenamtlichen Engagements. „Ein Patentrezept gegen den Priestermangel gibt es nicht”, räumt Cremer ein. Es sei sicher, dass die Priesterzahlen weiter fallen.

Als mögliches Gegenrezept wurde zuletzt der Einsatz von Priestern aus dem Partnerland Kolumbien erwogen. Vor kurzem hatte eine hochkarätige Delegation der Aachener Diözese einen offiziellen Besuch in Südamerika absolviert.

Doch der „Priestertransfer” werde wohl nur „auf Sparflamme und sehr behutsam” laufen, heißt es aus dem Generalvikariat. Cremer: „Wir mussten einsehen, dass ausländische Kräfte kein Ersatz für fehlende deutsche Priester sind.”
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