Preuswald: Wohnfläche statt Waldstück

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Wenn es um die Weiterentwicklung in der Siedlung Preuswald geht, prallen (Meinungs-)Welten aufeinander. Wie berichtet, hat die Stadt eine 1,2 Hektar (12.000 Quadratmeter) große Fläche zwischen Reimser und Lütticher Straße öffentlich zum Verkauf an einen Investor ausgeschrieben.

Den entsprechenden Beschluss dazu hatte der Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss Anfang April einstimmig gefällt. Entwickelt werden soll dort unter dem Stichwort „Südkurve“ ein Gebiet mit Einfamilienhäusern und/oder Eigentumswohnungen. Laut Politik und Stadt soll das dazu beitragen, den Preuswald aufzuwerten und attraktiver zu machen. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hatte gegenüber unserer Zeitung an diesen Plänen scharfe Kritik geübt. Denn: Bei der Fläche handelt es sich um ein Waldstück, das der Bebauung weichen müsste. Ebenso scharfe Kritik kommt jetzt von der „Initiative Preuswald“, in der sich Bürger zusammengeschlossen haben, die für Verbesserungen in der Siedlung kämpfen. Diese Kritik geht allerdings genau in die entgegengesetzte Richtung – in Richtung des Nabu nämlich.

Gegengewicht zur Annington

Für die Initiative betonen Alfred Böcking, Hannah Dorner-Bachmann, Rainer Elsing und Dorothea Nyssing die ihrer Meinung nach große Bedeutung der neuen, kleinteiligen Bebauung. Die entsprechende Erweiterung des Preuswalds – angedacht worden ist auch noch eine weitere, vom Orkan „Kyrill“ stark betroffene Waldfläche an der nördlichen Flanke – sei notwendig, um „ein Gegengewicht gegen die 80-prozentige Monopolstellung der Deutschen Annington zu bilden“, sagen die Anwohner. Seit langem bereits habe sich der Preuswald zum sozialen Brennpunkt entwickelt. Nur Wohnquartiere mit einem Privateigentumsanteil von mindestens 30 Prozent könnten nachgewiesenermaßen soziale Stabilität gewährleisten. Deswegen habe es in der vom Stadtrat in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie seinerzeit die Forderung nach der Erweiterung gegeben. Diese Studie als Entscheidungsgrundlage sei von den Grünen durchgesetzt worden, so die Bürgerinitiative.

Vor diesem Hintergrund „und angesichts der großen Problematik“ sei die Kritik des Nabu „völlig überzogen“. Es gehe keineswegs darum, einen Wald zu roden und zuzubetonieren, wie es seitens der Naturschützer geheißen hatte. Es handele sich lediglich um einen „Waldsaum an einer bereits einseitig bebauten Straße“. Die Initiative bezeichnet die Verwendung des Begriffs „zubetonieren“ gar als „böswillig“, da die bisherigen Eigenheime im Preuswald gepflegte Gartenanlagen hätten. Zudem seien die Umweltauflagen wie die Wiederaufforstung an anderer Stelle in der Ausschreibung enthalten.

„Billige Schlagworte“

Die Bürgerinitiative betont gleichwohl, die Ziele des Nabu zu unterstützen, was sich unter anderem an der Teilnahme und organisatorischen Unterstützung der Nabu-Aktion gegen die Springkrautplage im Preuswald gezeigt habe. Die Gewichtung des Naturschutzbundes zwischen „den Anforderungen der Stadtentwicklungspolitik im Sinne der Bewohner des Preuswalds einerseits und den Belangen des Naturschutzes andererseits“ sei jedoch „nicht nachvollziehbar“. Wörtlich heißt es weiter: „Es hätte den Vertretern des Nabu gut angestanden, sich vor einer solch zugespitzten Positionierung in der Presse umfassender über die Problematik im Preuswald zu informieren.“

Nabu-Aussagen wie jene, dass die Pläne zu Lasten der Allgemeinheit gingen oder dass die Siedlung nicht dadurch zu retten sei, „dass man ein Waldstück zubetoniert“, nennt die Bürgerinitiative „billige Schlagworte“, die „wenig hilfreich“ seien.

Allerdings gehen offenkundig auch die Meinungen der „Preuswälder“ auseinander. Anwohner des Waldstücks meldeten sich bei der AZ und zeigten sich entsetzt über die Pläne. Zudem habe es darüber vor der Ausschreibung keinerlei Information seitens der Stadtverwaltung gegeben, hieß es.

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