Preuswald - Preuswald verliert wichtigen Treffpunkt

Preuswald verliert wichtigen Treffpunkt

Von: Thorsten Karbach
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Gedrückte Stimmung: (von link
Gedrückte Stimmung: (von links) Horst Bauer, Beate Haupt, Margit Bauer, Gabriele Jülich und Ursel Graff-Meisenberg sind unglücklich, dass das Bürgercafé im Preuswald geschlossen werden muss. Foto: Michael Jaspers

Preuswald. Die Sonne lacht über dem Bürgercafé. Rein meteorologisch. Denn lässt man das Wetter außen vor, ist das kein schöner Tag für den Preuswald.

„Es ist eigentlich einer dieser Tage, an denen unsere Gäste draußen auf der Terrasse sitzen, Kaffee, Kuchen und die Sonne genießen”, erzählt Ursel Graff-Meisenberg und die Leiterin des Bürgercafés „Cest la Via” des Katholischen Verbandes für Frauen- und Mädchensozialarbeit In Via e. V. sieht denkbar traurig aus.

Das Bürgercafé ist nämlich geschlossen. Wo sonst dienstags bis sonntags von 9.30 bis 17 Uhr die Menschen des Viertels zwischen den Bücherregalen auf den Polsterstühlen saßen, wo frischer Cappuccino und selbstgebackener Kuchen serviert wurde, stehen nun die Tassen und Gläser adrett aufgereiht aber eben nutzlos herum, sind die Teller sauber gestapelt - und unberührt. Das Ende des Bürgercafés reiht sich nahtlos in eine ganze Reihe von Schließungen überall in Deutschland ein. Denn In Via kann es sich nicht mehr leisten, das Bürgercafé zu betreiben, seit eine Gesetzesreform ihnen keine Stellen mehr finanziert und junge Hartz-IV-Bezieher auf Jobsuche vermittelt. Denn solche Qualifizierungsmaßnahmen werden nur noch gefördert, wenn sie wettbewerbsneutral verlaufen also hinter verschlossenen Türen in Übungsküchen. Das Café ist aber ganz real, mit Küche, Theke, Kaffeeautomat.

65 schwer vermittelbare Jugendliche versucht In Via in Aachen halbjährlich zu qualifizieren. 60 Prozent werden laut Geschäftsführerin Gabriele Jülich letztlich in Ausbildung oder Arbeit vermittelt. Im Bürgercafé im Preuswald arbeiten die jungen Menschen seit der Eröffnung im Oktober 2008. Bis zu vier waren es gleichzeitig. Ohne sie lasse sich das Bürgercafé nicht mehr öffnen, sagt Jülich. Leiterin Graff-Meisenberg hat es versucht - vergeblich. „Ich kann hier nicht alleine kochen, backen und servieren”, sagt sie. Durch die Panoramascheiben schaut sie auf die mächtigen Bäume, die das Wohngebiet einfassen. Die Kirchenglocke schlägt. Anderswo würde man die Kulisse als idyllisch beschreiben. Doch im Preuswald rollt Ursel Graff-Meisenberg eine Träne über die Wange. Sie kann das alles nicht verstehen. Gabriele Jülich will es nicht verstehen. „Man muss beim Gesetzgeber in so einem Fall doch differenzierter hinschauen. Es gab hier nichts, als wir eröffneten. Wir haben niemanden verdrängt.”

Das Café könne nun nur noch für Feste geöffnet werden. „Es ist ein wichtiger Begegnungsort geworden”, sagt die Leiterin. Es ist wichtig, dass wir hier noch was machen.” Am 8. Oktober wird ein Flohmarkt, am 5. November ein Oktoberfest und in der Vorweihnachtszeit an Adventsnachmittag stattfinden. In Via will sich keinesfalls aus dem Preuswald verabschieden. Der gemeinnützige Laden des Vereins einziger „Supermarkt” des 2000-Menschen-Stadtteils wird fortbestehen. „Auch wenn das nicht einfach ist”, erzählt Jülich. Denn der Laden müsse sich rechnen, hier arbeiten „normale” Angestellte, darunter auch Menschen mit Behinderung.

Die Entwicklung des Preuswalds wird in diesen Tagen besonders aufmerksam verfolgt. Die Bewohner sind unzufrieden, die Infrastruktur ist - ob mit oder ohne Café - ohnehin unzureichend, die Politik hat sich dem Thema angenommen. Die Menschen vor Ort warten auf Taten und müssen mitansehen, wie ihr Bürgercafé schließt.

Der einzige Lichtblick

„Mir fehlt es sehr, ich konnte hier bei einer Tasse Kaffee entspannend, mich in gemütlicher Atmosphäre wohlfühlen”, berichtet Margit Hammer, eine Frau, die man Stammgast nennen sollte. Sie hat hier ihren Geburtstag gefeiert und zu Mittag gegessen, wenn sie nicht kochen wollte. Horst Bauer ist mit Freunden ins Café gegangen. Es war irgendwann der Anlaufpunkt, wenn man sich verabredete. „Es war der einzige Lichtblick, und wir vermissen ihn sehr. Jetzt haben wir nichts mehr”, sagt Hammer. „Es ist schade für die jungen Menschen, die bei uns hier arbeiten konnten, aber auch für den Stadtteil.”, ergänzt die Vorsitzende des Vereins In Via Beate Haupt.

Schade, so nennt es auch die Leiterin Graff-Meisenberg. Andernorts hat es In Via mit Ehrenamtlichen versucht. Dies wäre wohl die letzte Hoffnung, die die Leiterin für ihr Café in sich trägt. „Vielleicht finden wir noch welche. Wir würden sie nicht alleine lassen”, sagt sie. Aber schwierig werde es. Sehr schwierig. Für Margit Hammer und Horst Bauer wäre es aber eine schöne Vorstellung, denn dann würde nicht nur buchstäblich die Sonne wieder über dem Preuswald lachen.
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