Aachen - „Prentekaffie“: Schönste Sternstündchen des Öcher Platt

„Prentekaffie“: Schönste Sternstündchen des Öcher Platt

Von: Peter Langohr
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Unterhaltsamer „Prentekaffie“ in den Burtscheider Kurparkterrassen: Der Verein Öcher Platt hatte Interpreten mit ganz viel Herz für unsere Mundart eingeladen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Wenn der Öcher in der Vorweihnachtszeit „ene joue Vermaach wel“ – also dort sein will, wo man sich wohlfühlen kann – dann ist er beim Prentekaffie des Vereins Öcher Platt bestens aufgehoben. Das sehen offenbar immer mehr Öcher so, denn Öcher-Platt-Präsident Manfred Birmans, der den Nachmittag hinreißend komisch moderierte, konnte in diesem Jahr so viele Gäste in den Kurparkterrassen begrüßen wie nie.

Der erste Beitrag kam von Birmans selbst, der mit „Du ming ieschde Sproech“ von Albert Branchard einen echten Klassiker beisteuerte. In weiteren Gedichtvorträgen ließ unter anderem Christel Leuchtenberg in „Vöörniehm ejße“ aus der Feder von Hein Engelhardt einen Besuch im Nobelrestaurant lebendig werden, bei dem zum Dessert „eng Wiemel (Johannisbeere) kleng jeschnëä“ serviert wird.

Dieter Landskron glänzte mit den Gedichten „D´r Honk“ von Jupp Steinhauer und „D´r Leävenslouf“ von Hein Görgen, während Claire Müller dem „Kerchechuer“ vom selben Autor Leben einhauchte und Leo Bardenheuer das Weihnachtschaos in dessen Versen „Os Chreßfeß“ vor dem geistigen Auge Revue passieren ließ.

Schwerstarbeit am Klavier

Ebenfalls von Hein Görgen „D´r Chreßboumständer“, Reime, mit denen Hein Schnitzler dem Publikum die Tücken des Objekts beim Schmücken des Weihnachtsbaums vor Augen führte. Irmgard Faber trug „Prente“, ein Gedicht von Hein Engelhardt, vor, in dem es um die Printe als Mitbringsel geht, so dass am Schluss sogar der Herrgott an der Himmelspforte fragt: „Hast du mech Prente metbraht?“ Besinnliches gab es von Anita Volders, die mit ihrem eigenen Gedicht „Bethlehem“ an die Friedensbotschaft der Weihnachtsgeschichte erinnerte.

Köstlich Richard Wollgarten mit seinen Versen „Martin op Hellig Ovvend“. Martin, zwar katholisch aber eher selten in der Kirche zu finden, kennt sich mit den neueren Formen der Messe nicht aus und missdeutet daher in der Christmette den Friedensgruß seines Banknachbarn: „Jeähßde at? Verjeiß dinge Anorak net!“ Stark besetzt bei der jüngsten Ausgabe des Prentekaffie mit mehr als der Hälfte der Beiträge die Abteilung musikalische Unterhaltung.

Schwerstarbeit am Klavier leistete Ägid Lennartz, der selbst zwei Kompositionen von Leo Lamm vortrug, Helmi Weber und Luise Kohl bei dem Lied „De Nölde“ von Matthias Savelsberg begleitete und umsichtig dafür sorgte, dass der Chor der Prentekaffie-Besucher bei den Öcher-Platt-Versionen von „Oh du Fröhliche“ und „Ihr Kinderlein kommet“ nicht im Chaos versank. Kurt Christ interpretierte charmant wie immer „Leise rieselt der Schnee“ in Öcher Mundart und Dirk von Pezold ließ es mit „D´r hellije Mann“ und „Scheck os Schnie“ kräftig vorweihnachtlich swingen. Uli Wollgarten begleitete seinen Vater Richard auf der Gitarre bei dem eher nachdenklichen Lied „Hellije Naht op Moulenshöh“.

Zusammen mit seiner Frau Christel sang Gert Leuchtenberg das herrlich schräge und umwerfend komische „Heilig Abend op d´r Dom“ über zwei Turmbläser, die in eisiger, stürmischer Winternacht hoch über den Dächern der Stadt musizieren sollen. Höhepunkte waren auch die Lieder von Norbert Brepols, der mit großartiger Stimme und exzellentem Gitarrenspiel „Et könt Besöck“ mit einem Text von Karl Wimmer und „Wat vür een Stadt Oche ejße“ nach den Worten von Manfred Birmans interpretierte.

„Chreßmesleäverwoesch“

In der gleichen Liga spielt Udo Schroll, der mit den beiden Songs „Chreßmesleäverwoesch“ und dem kritischen „Schenke“ genau den Geschmack des Publikums traf. Beim nicht ganz vorweihnachtlichen, aber höchst stimmungsvollen Abschluss intonierten die Vortragenden auf der Bühne und die Gäste im Saal zusammen das von Richard Wollgarten für die Öcher Mundart adaptierte „Land of Hope and Glory“ nach einer Melodie aus dem Pomp and Circumstance March No 1 von Edward Elgar.

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